Amtsgericht Stuttgart verurteilt Banker Das Ende eines spektakulären Coups

Von George Stavrakis 

Das Amtsgericht Stuttgart hat einen Bankmitarbeiter hinter Gitter geschickt. Der Mann hatte 750 000 Euro gestohlen. Foto: dpa
Das Amtsgericht Stuttgart hat einen Bankmitarbeiter hinter Gitter geschickt. Der Mann hatte 750 000 Euro gestohlen. Foto: dpa

Das Amtsgericht hat einen 43 Jahre alten ehemaligen Mitarbeiter der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) wegen Diebstahls zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Der Banker hatte kurz vor Weihnachten 2014 knapp 750 000 Euro aus der Bankzentrale in Stuttgart gestohlen.

Stuttgart - Der Fall hatte für gehöriges Aufsehen gesorgt. Ein Mitarbeiter der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) zweigt aus der Bankzentrale in der Stuttgarter Innenstadt eine Dreiviertel Million Euro ab und verschwindet spurlos. Vor dem Amtsgericht Stuttgart hatder spektakuläre Coupsein Ende gefunden. Der 43-Jährige sitzt inzwischen in Strafhaft.

Im Oktober 2014 hatte der Mann aus Besigheim im Kreis Ludwigsburg eine niederschmetternde Diagnose erhalten: Er sei HIV positiv. „In stark aufgewühlter Gemütsverfassung“, so der Vorsitzende Richter des Stuttgarter Schöffengerichts in seiner Urteilsbegründung, habe der Angeklagte beschlossen, seine verbleibende Lebenszeit zu genießen. Kurz vor Heiligabend 2014 hatte der Banker in einem sogenannten Auszählraum der LBBW Dienst getan. Beim Geldzählen schaffte er knapp 750 000 Euro beiseite, verpackte die Banknoten in einem Karton, den er später seelenruhig und unbehelligt aus dem Bankgebäude trug.

Flucht über Paris nach Kenia

Am zweiten Weihnachtsfeiertag verschwand der 43-Jährige spurlos. Um eine falsche Fährte zu legen, stellte er den Wagen seiner Schwester am Flughafen Stuttgart ab. Tatsächlich flüchtete der Banker über Paris nach Kenia. Dort hatte er in der Vergangenheit mehrmals Urlaub gemacht. Zuvor hatte er noch 35 000 Euro in mehrere Briefumschläge gesteckt und Verwandten, unter anderem seiner Ex-Frau in Hamburg, zukommen lassen. Als den so Beschenkten jedoch klar wurde, woher das Geld stammte, gaben sie es zurück.

Unterdessen haute der Angeklagte seine Beute in Kenia auf den Kopf. Er stellte Möbel für mehrere Zehntausend Euro in seine Wohnung, kaufte sich reihenweise Motorräder und Luxusautos und trug rund 60 000 Euro ins Casino und zum Poker. Der Mann gilt als spielsüchtig. In der Heimat soll er zwei Firmen- und eine Privatinsolvenz hingelegt haben – wovon die LBBW offenbar nichts wusste. Der Bank war der Verlust der 750 000 Euro erst am 5. Januar 2015 aufgefallen, als das Geld nicht bei der Bundesbank eintraf.

Von dem Geld ist nichts mehr da

Am 15. Oktober 2015 war es vorbei mit dem Luxusleben. Der 43-Jährige wurde von der kenianischen Polizei in Nairobi festgenommen und in Auslieferungshaft gesteckt. Mitte Dezember wurde er, nach komplizierten Verhandlungen, von zwei Stuttgarter Kripobeamten über Frankfurt nach Stuttgart gebracht. Es habe so ausgesehen, als ob der Mann ganz froh war, aus dem kenianischen Gefängnis herausgekommen zu sein, so ein Kriposprecher.

Vor dem Schöffengericht legte der Angeklagte ein umfassendes Geständnis ab und zeigte Reue. Seine Erkrankung habe ihn in eine psychische Ausnahmesituation versetzt. Von dem gestohlenen Geld ist übrigens nichts mehr da – bis auf die 35 000 Euro, die der 43-Jährige Verwandten hatte zukommen lassen.

Die Staatsanwaltschaft beantragte dreieinhalb Jahre Gefängnis, Verteidiger Olaf Panten wies auf die Verzweiflung seines Mandanten hin und plädierte auf eine geringere Strafe. Am Ende verurteilte das Schöffengericht den Mann wegen Diebstahls in einem besonders schweren Fall zu drei Jahren Freiheitsstrafe.

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