Marbach am Neckar Vergewaltiger soll IS-Kriegsverbrecher sein

Von George Stavrakis 

Der 29-Jährige ist im hochgesicherten Trakt neben dem Gefängnis in Stuttgart-Stammheim verurteilt worden. Foto: Michael Steinert
Der 29-Jährige ist im hochgesicherten Trakt neben dem Gefängnis in Stuttgart-Stammheim verurteilt worden. Foto: Michael Steinert

Das Amtsgericht Marbach am Neckar hat einen Mann wegen Vergewaltigung verurteilt. Der 29-jährige Syrer, der drei Ehefrauen hat, soll zudem ein islamistischer Terrorist sein.

Marbach - Drei Jahre und neun Monate Gefängnis – so lautet das Urteil des Amtsgerichts Marbach am Neckar gegen einen Mann aus Syrien. Der 29-Jährige ist vom Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Ursula Ziegler-Göller wegen gefährlicher Körperverletzung und wegen Vergewaltigung seiner dritten Ehefrau verurteilt worden.

Auf den Syrer kommt in absehbarer Zeit ein weiteres Verfahren zu: Er soll als Mitglied des sogenannten Islamischen Staates (IS) Kriegsverbrechen in seiner Heimat begangen haben. Weil der Angeklagte von der Generalbundesanwaltschaft als IS-Terrorist angesehen wird, fand der Amtsgerichtsprozess im hochgesicherten Mehrzweckgebäude des Oberlandesgerichts Stuttgart in Stuttgart-Stammheim statt.

Der Tatort der Misshandlungen an seiner Ehefrau Nummer drei, seiner Lieblingsfrau, wie der Angeklagte sagte, soll seine Wohnung in Bietigheim-Bissingen gewesen sein – eigentlich ein Fall für das Amtsgericht Besigheim. Da jedoch ein höheres Strafmaß als zwei Jahre zu erwarten war, wechselte die Zuständigkeit zum Schöffengericht nach Marbach. Und die Vorsitzende Richterin Ursula Ziegler-Göller sparte nicht mit Klartext: „Wenn Sie so mit Ihrer Lieblingsfrau umgehen, möchten wir nicht wissen, wie Sie ihre anderen zwei Frauen behandeln.“

Mit drei Frauen verheiratet

Der 29-Jährige ist nach islamischem Recht tatsächlich mit drei Frauen verheiratet. Mit Ehefrau Nummer eins und den gemeinsamen zwei Kindern sowie mehreren Schwestern lebte der Mann in einer Zweizimmerwohnung in Bietigheim. Dort logierte zeitweise auch seine dritte Ehefrau. Seine Ehefrau Nummer zwei lebt bei ihren Eltern.

Im Februar, März und April dieses Jahres soll der Angeklagte seine 27-jährige dritte Ehefrau den Ermittlungen zufolge misshandelt haben. Erst habe er sie zusammengetreten – sie musste mit Nierenverletzungen in eine Klinik. Dann soll er seine Lieblingsfrau bewusstlos geschlagen haben – sie erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma. Ende April schließlich soll er sie geschlagen, mit einer Glasscherbe verletzt und vergewaltigt haben.

Das Opfer spreche seit Jahren dem Alkohol im Übermaß zu, es stehe Aussage gegen Aussage, sagt Verteidiger Jan Stockmann. Sein Mandant bestritt die Vorwürfe. Niemals habe er die 27-Jährige geschlagen oder getreten. Bei der Polizei soll er gesagt haben, er habe es nicht nötig zu vergewaltigen – dafür halte er sich ja drei Frauen. Sein Schwager gab bei der Polizei und vor Gericht zum Besten, in einer Ehe könne es gar keine Vergewaltigung geben.

Oberstaatsanwalt Martin Renninger, der drei Jahre und neun Monate Haft gefordert hatte, sprach von einer Machtdemonstration. „Er wollte zeigen, dass er mit dem Opfer tun kann, was er will.“

Mutmaßlich Kriegsverbrechen in Syrien begangen

„Wir sind hier in Deutschland, nicht in Syrien“, stellte die Vorsitzende Richterin klar. Der Angeklagte habe seine Frauen behandelt wie „Leibeigene“. Zuvor hatte sie den Schwager unter Eid gestellt, weil er behauptete, er habe im Nebenzimmer keine Hilferufe des Opfers während der Vergewaltigung gehört. „Wenn Sie hier nicht die Wahrheit sagen, können Sie ganz schnell dort landen, wo Ihr Schwager jetzt sitzt“, sagte die Richterin zu dem Zeugen mit Blick auf die Anklagebank.

Das zweite, bisher nicht terminierte Verfahren gegen den 29-Jährigen wird wohl ebenfalls in Stammheim stattfinden. Der Bundesanwalt wirft dem Mann vor, sich 2013 in Syrien erst der Terrorgruppe Jabhat Al-Nusra angeschlossen zu haben, ehe er im Sommer 2014 zum IS gewechselt sei. In einem IS-Gefängnis habe er vom IS gefangen gehaltene Männer misshandelt. Im Sommer 2014 soll er einen Mann in der Provinz Deirezzor wegen Gotteslästerung auf einem Dorfplatz erschossen haben. Der Leichnam sei dann drei Tage auf dem Dorfplatz zur Schau gestellt worden.

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