Seite 2Zum Tod von Peter Lustig Paradiesvogel und TV-Institution

Von Markus Brauer 

Heirat in Latzhose

Peter Lustig war ein Paradiesvogel – und ein hochdekorierter TV-Veteran. Schon 1980 bekam er für „Pusteblume“ den Adolf-Grimme-Preis mit Silber. Zahlreiche weitere Ehrungen folgten – wie 2007 das Bundesverdienstkreuz am Bande. Modisch gekleidet war der auch im Leben lustige Lustig nie, dafür aber stilecht. 35 Latzhosen besaß er laut „Stern“. Er heiratete seine dritte Ehefrau Astrid Berge sogar in einer schwarzen mit Nadelstreifen.

„Hab ich immer schon getragen“, sagt er einmal. „Da zwickt nichts“ Und sie boten ihm mit den vielen Taschen genügend Platz für Schnupftabakdosen, Schraubenzieher, Bleistift und Hundeleckerlis. Alles, was ein Peter Lustig halt so brauchte für sich, seine Sendung, Labrador Martha und die beiden Möpse Julchen und Manfred.

„Eine Institution im deutschen Kinderfernsehen“

Norbert Himmler, der Programmdirektor seines Haussenders ZDF, kondoliert mit den Sätzen: „Über 25 Jahre war Peter Lustig eine Institution im deutschen Kinderfernsehen und das Gesicht der ZDF-Kultsendung ‚Löwenzahn‘. Peter Lustig erzählte den Kindern allwöchentlich spannende Geschichten, erklärte interessante Experimente und kam zu außergewöhnlichen Erkenntnissen - ohne sich je bei den Kindern anzubiedern. Wir werden den Mann, der Kinder und Erwachsene immer wieder zu überraschenden Erkenntnissen geführt hat, in lebendiger Erinnerung behalten.“

Seine „Geschichten aus Natur, Umwelt und Technik“ seien Kult gewesen. 24 Jahre lang habe Peter Lustig mit seinem halbstündigen ZDF-Wissensmagazin „Löwenzahn“ wissbegierige Kinder und immer noch neugierige Erwachsener vor den Bildschirm gezogen. Unnachahmlich machte er schwierige Zusammenhänge durch kluge Fragen für jedermann verständlich.

Wie gesagt: Peter Lustig war ein Paradiesvogel – vor und hinter der Kamera. Wie seine zweite Frau Elfie Donnely gehörte er in den 1980er Jahren der Osho-/Bhagwan-Bewegung an. Auch Elfie Donnely war eine Anhängerin von Oshos Neo-Sannyas-Bewegung. Mit ihr hatte Peter Lustig einen gemeinsamen Sohn – Momme Pavi.

Mitte der 1980er Jahre diagnostizierten die Ärzte einen Lungentumor. Nach sieben Operationen besaß der Moderator noch einen Lungenflügel. „Damals hatte man mit fünf Jahre gegeben“, sagte er 2010 in einem Interview und fügte mit dem typischen Lustig-Humor hinzu: „Ich bin also weit über dem Verfallsdatum.“ Peter Lustig starb am Dienstag (23. Februar) im Alter von 78 Jahren in der Nähe von Husum im Kreise seiner Familie, wie das ZDF mitteilte.

Der Mensch geht, die Erinnerung bleibt

„Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt‘‘, hat der Dramatiker und Lyriker Bertolt Brecht einmal gesagt. Bis dass Peter Lustig in diesem Sinne „wirklich tot“ ist, wird hoffentlich noch eine sehr, sehr lange Zeit vergehen.

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