Seite 2Zum Tod von Günther Wirth Für die Galerie im Hause Behr war er unentbehrlich

Von Rainer Vogt 

Er hob den Kunstpreis der Kreissparkasse Esslingen aus der Taufe. Er war für die zukunftsorientierte Galerie im Hause Behr unentbehrlich. Er saß in etlichen Jurys. Und er erhob unzählige Male seine Stimme als Eröffnungsredner oder schrieb Katalogbeiträge. So viel Einsatz hinterlässt Spuren. 1989 erschien in der Edition Cantz die „Hommage à Günther Wirth – 65 + 1“.

Stolz durfte Günther Wirth auf seine ­Veröffentlichungen verweisen. Mit „Kunst im deutschen Südwesten von 1945“ und „Verbotene Kunst im deutschen Südwesten 1933 bis 1945“, die 1982 und 1987 im Verlag Gerd Hatje erschienen, lieferte er Standardwerke. Dabei stellen sie nur die Spitze des Eisbergs dar. Als der Autor 2003 von der Stuttgarter Kunstakademie als Ehrenmitglied aufgenommen wurde, konnte Paul Uwe Dreyer als Redner scherzhaft damit drohen, alle ­Publikationen einzeln aufzuzählen. Nicht mit einem Buch, aber mit einer Ausstellung wurde der 90. Geburtstag von „gw“ ­begangen.

Form, Farbe und Inten­sität

2012 wurde Wirth mit der Staufer­medaille des Landes Baden-Württemberg in Gold geehrt, 2013 – für sein ­Lebenswerk – mit dem Kulturpreis Baden-Württemberg. Danach befragt, was in der Kunst letztlich zähle, sprach er gern von der „Dreieinigkeit von Form, Farbe und Inten­sität“. Harmonie, Spannung und Innovation sind wohl gemeint. Zweifel befielen den ­Kritiker zuletzt, wenn ihm das kurze ­Gedächtnis der Zeitgenossen bewusst wurde. Dass Jüngere zum Beispiel von Manfred Henninger nichts wüssten. Nichts von K.R.H. Sonderborg.

„Es ist ja wunderbar, dass wir in dieser Kunstschwemme leben“, sagte Wirth im Jahr 2008. „Sie darf nur nicht in reine Unterhaltung abdriften, nicht strom­linienförmig werden. Kunst darf nicht mit Design verwechselt werden können. Oder wenn alles ‚Event‘ wird. Wie ich das Wort hasse, das glauben Sie gar nicht!“

Seit 2005 hatte Wirth seine alte Liebe, die Lyrik, wieder forciert – und frühe eigene ­Gedichte ebenso veröffentlichen können wie ein bereits 1948 begonnenes Antikriegs-Langgedicht – „King Of Love“.

Letztmals öffentlich in Erscheinung trat Günther Wirth im November 2013 im ­Kunstmuseum Stuttgart. Der Anlass? Ein gw-Impuls – das von ihm initiierte Günther-Wirth-Stipendium für Kunstkritik der Kunststiftung Baden-Württemberg.

Stark geschwächt zuletzt, ist Günther Wirth am frühen Morgen des vergangenen Samstags im Alter von 91 Jahren gestorben. Nicht zuletzt seine in drei Bänden summierten „Esslinger Reden“ bieten eine auch künftig wichtige Grundlage, sich der Kunst zu ­nähern.

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