Zughersteller Bombardier will in Deutschland 2500 Jobs streichen

Von Thomas Wüpper 

Schon seit 2016 gibt es Proteste gegen den geplanten Stellenabbau beim Zughersteller Bombardier Transportation – wie hier vor dem Werk im sächsischen Bautzen.  

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Schon seit 2016 gibt es Proteste gegen den geplanten Stellenabbau beim Zughersteller Bombardier Transportation – wie hier vor dem Werk im sächsischen Bautzen. Foto:dpa

Beim größten Zughersteller Europas soll die Serienproduktion im Hauptwerk Hennigsdorf nach mehr als 100 Jahren auslaufen. Das Sanierungskonzept ist weiter strittig. Der Standort Mannheim soll vom Umbau profitieren.

Berlin - Der größte Zug-Hersteller Europas, Bombardier Transportation (BT) mit Sitz in Berlin, will an seinen acht deutschen Standorten rund 2500 Arbeitsplätze streichen. Die Serienproduktion im Stammwerk Hennigsdorf bei Berlin soll ab 2019 nach über 100 Jahren auslaufen. Die Endmontage der Züge soll künftig im neuen Werk Bautzen stattfinden, für das gerade in Anwesenheit von Politprominenz in Sachsen der Grundstein gelegt wurde.

Diese Maßnahmen sieht nach Informationen dieser Zeitung das intern weiterhin strittige Sanierungskonzept des kanadischen Konzerns vor, das der Aufsichtsrat der Zugsparte am 29. Juni beschließen will. Bekannt ist bisher nur, dass BT weltweit 5000 Jobs streichen will, um die großen Kostenprobleme in den Griff zu bekommen. An diesem Montag werden die internen Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern fortgesetzt. Danach könnte es zu erneuten öffentlichen Protestaktionen kommen.

Der Zughersteller beschäftigt 38 000 Mitarbeiter an 61 Standorten in 26 Ländern. Deutschland ist mit 8500 Beschäftigten in den sieben Werken in Mannheim, Hennigsdorf (Brandenburg), Bautzen und Görlitz (Sachsen), Siegen (Nordrhein-Westfalen), Kassel und Braunschweig (Niedersachsen) der zentrale Standort. Bombardier hat nach der Wiedervereinigung zahlreiche ehemalige DDR-Werke übernommen. Bombardier Transportation stieg damit zum lange Zeit weltgrößten Bahnproduzenten auf, bis China unlängst durch Fusionen einen mehrfach größeren Konkurrenten formierte und ins Rennen um weltweite Schienenprojekte schickte.

Der Betriebsrat befürchtet, dass vor allem das Stammwerk in Henningsdorf ist

Aus Protest gegen die Sparpläne und befürchtete Verlagerungen ins Ausland gingen die BT-Beschäftigten an allen sieben Werksstandorten schon mehrfach auf die Straße. Der Betriebsrat befürchtet, dass vor allem das Stammwerk in Hennigsdorf mit seinen noch 2400 Mitarbeitern stark betroffen sein wird, wo aktuell neue Regionalzüge für Baden-Württemberg und S-Bahnen für Hamburg gebaut werden.

Die Lieferungen sollen unter den Turbulenzen aber definitiv nicht leiden, verspricht der neue BT-Chef Michael Fohrer, der selbst aus dem Südwesten stammt. Die Geschäftsführung will sich zu den Details der „Transformation“ weiterhin nicht äußern. Zunächst müssten die internen Gespräche abgeschlossen sein, dann entscheide der Aufsichtsrat, heißt es auf Anfrage. Auch beim Betriebsrat heißt es, man wolle die weiteren Verhandlungen abwarten.

Der Standort Mannheim soll vom Umbau profitieren

Eventuell könnte nach Informationen dieser Zeitung der Stellenabbau noch auf rund 2250 Stellen reduziert werden. Der Standort Mannheim, der mit 1000 Mitarbeitern für die Antriebs- und Steuerungstechnik verantwortlich ist, soll von massiven Kürzungen bei Werken in der Schweiz und Italien profitieren. Größter Streitpunkt ist das Ende der Produktion in Hennigsdorf. Das Konzept, den Standort künftig zum zentralen Entwicklungs- und Service-Zentrum der Bahnsparte zu machen, überzeugt die Arbeitnehmer-Vertreter und die IG Metall bisher nicht.

Demnach sollen nach 2019 in Hennigsdorf nur noch Prototypen der Züge hergestellt werden, aber keine Serienfertigung mehr. Die Endmontage soll künftig im sächsischen Bautzen erfolgen. Dort wurde gerade im Beisein von Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) der Grundstein für ein neues Werk mit digitaler 4.0-Produktion gelegt, das Mitte 2018 starten soll.

In Brandenburg versucht derweil auch die Landesregierung, eine Fortführung der Produktionssparte in Hennigsdorf zu erreichen und die Verlagerung zu verhindern. Inklusive Zulieferern geht es um fast 1000 Jobs. Regierungschef Dietmar Woidke (SPD) war im April sogar persönlich bei der dortigen Betriebsversammlung, um bei einem der größten industriellen Arbeitgeber im Land Flagge zu zeigen. Danach wurden im Mai vom Aufsichtsrat unter Beteiligung externer Berater neue Leitlinien für den weiteren Umbau beschlossen. Geschäftsführung und Betriebsrat konnten sich aber seither nicht auf ein Eckpunktepapier verständigen. Eine geplante zweitägige Sitzung dazu wurde am 12. Juni vorzeitig unterbrochen. An diesem Montag soll nun ein weiterer Einigungsversuch folgen.

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