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Zirkus Knie in Stuttgart Mit zehn Jahren schon in der Manege

Von Silvia Dittinger 

Die Geschwister Medini sind echte Zirkuskinder  – ihre Artistik beruht auf gegenseitigem Vertrauen Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Die Geschwister Medini sind echte Zirkuskinder – ihre Artistik beruht auf gegenseitigem VertrauenFoto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Mit ihrer Rollschuhnummer faszinieren Vanessa und Emanuel Medini die Besucher des Zirkus Charles Knie. Auch wenn die Geschwister im Zirkus groß geworden sind, wollten sie lange Zeit nicht in der Manege auftreten.

Stuttgart - Auf dem Cannstatter Wasen ist es rund um die Wohnwagen der Artisten sehr matschig. Jeder, der zu den Medinis in die enge Behausung möchte, muss deswegen seine Schuhe ausziehen. Mit ihrem fahrbaren Zuhause waren die Geschwister Emanuel und Vanessa Medini schon in Mexiko, den USA und in fast jedem europäischen Land unterwegs. „Wir möchten nie wieder etwas anderes machen“, sagt der 24-jährige Emanuel.

Das war aber nicht immer so. Ihr Großvater besaß einen eigenen Zirkus in Norditalien, mit dem die beiden schon als Kinder herumreisten. „Bis wir zehn Jahre alt waren, wollten wir nicht auftreten. Wir wollten lieber spielen, anstatt zu proben“, sagt Emanuel Medini. Da ihre Mutter eine „Bürgerliche“ war – so werden im Zirkus-Jargon nicht gebürtige Zirkus-Mitglieder genannt – unterstützte sie ihre Kinder und drängte sie nicht dazu, im Zirkus mitzumachen. Eine Einstellung, die die beiden Geschwister später bei ihren eigenen Kindern auch einmal vertreten möchten.

Von 2001 bis 2006 besuchten sie gemeinsam die Zirkusschule in Verona. In dieser Zeit waren sie auch ein Jahr lang in Turin, um ihre Schulabschlüsse zu machen. „Immer nur an einem Ort sein war einfach nichts für uns. Wir wollten zurück in die Manege“, sagt Emanuel Medini. Weil sie unbedingt als Paar auftreten wollten, haben sie sich dann für die Rollschuhartistik entschieden.

Gemeinsam eröffnen sie aktuell die Artistennummern im Zirkus Charles Knie. Ein Höhepunkt ihrer Nummer ist, wenn Emanuel Vanessa mit einer Schlinge um den Hals im Kreis herumwirbelt. Ein Netz, das im Notfall einen Aufprall abfedern würde, gibt es dabei nicht. „Natürlich hilft es, dass es wir Geschwister sind und ich weiß, dass ich mich auf Emanuel verlassen kann. Trotzdem mussten wir das Vertrauen des anderen erst gewinnen“, sagt Vanessa.

Wie das bei Geschwistern nun mal so ist, kommt es auch bei Emanuel und Vanessa öfter zu Streitigkeiten. Spätestens in der Manege müssen sie dann aber wieder miteinander sprechen. „So schnell wie wir uns verkrachen, so schnell vertragen wir uns auch wieder“, sagt die 27-jährige Vanessa.

Mittlerweile wohnen die beiden Geschwister nicht mehr zusammen in einem Wohnwagen. Mit ihren Partnern haben sie jeweils ihre eigenen Camper, die aber direkt nebeneinander stehen. Dabei zeigt sich, dass der ganze Zirkus eine große Familie ist. Vanessas Ehemann Jonut ist der Chefrequisiteur bei Charles Knie. Vor zwei Jahren kam Emanuels Frau Viktoria zur Ballettgruppe. Zusammen mit ihr ist Emanuel gerade dabei, eine neue Nummer einzustudieren.

Bevor diese aber reif für die Manege ist, gehen Emanuel und Viktoria erst einmal getrennte Wege. Nach dem Ende ihres Gastspiels in Stuttgart fahren die Medini-Geschwister für ein Engagement nach Hamburg. Viktoria hingegen muss mit der Ballettgruppe nach Grenoble. Ein Abschied, der ihr sichtlich schwerfällt. Von Januar anhaben dann aber alle knapp zwei Monate Urlaub. Wie sie den verbringen? „Natürlich zusammen“, sagt Jonut. „Noooo, nicht zusammen“, sagt Emanuel. Ein Konflikt, den Vanessa und Emanuel bis zum nächsten Auftritt bestimmt geklärt haben.

Der Zirkus Charles Knie gastiert bis Sonntag, 9. November, auf dem Cannstatter Wasen. Es gibt täglich zwei Vorstellungen , um 15.30 und um 19.30 Uhr, am Sonntag um 11 Uhr und um 15.30 Uhr. Karten unter anderem unter der Ticket-Hotline 01 71 / 94 62 456, online unter www.zirkus-charles-knie.de sowie bei allen Reservix- oder Easy-Ticket-Vorverkaufsstellen.

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