Wirtschafts-Detektiv "Betrüger haben beste Anwälte"

Daniel Gräfe, 03.07.2011 06:13 Uhr
Medard Fuchsgruber ist Wirtschaftsdetektiv. Er spricht über aktuelle Maschen von Betrügern.

Stuttgart - Er ist einer der bekanntesten Wirtschaftsdetektive in Deutschland. Mit seinen Recherchen hat Medard Fuchsgruber Opfern von Schrottimmobilien zu ihrem Geld verholfen und die Geschädigten der Bausparkasse Badenia unterstützt. "Jeder kann betrogen werden", sagt er.

Herr Fuchsgruber, es heißt, Sie haben immer einen Wachhund dabei. Haben Sie Angst?
Ich habe zwei - es sind Schwarze Russisch-Terrier. Echte Wachhunde sind es aber nicht, dazu fehlt ihnen der antrainierte Killer-Instinkt. Aber ich gebe zu, dass mich ihre Anwesenheit beruhigt.

Wurden Sie schon einmal bedroht?
Nur am Telefon: "Wir kommen vorbei und schlagen dich zusammen", oder Ähnliches. Morddrohungen gab es aber glücklicherweise noch nicht. Solche Leute neigen ohnehin nicht dazu, mit dem Baseballschläger vorbeizuschauen, sie schicken Anwälte. Diese können weitaus gefährlicher sein - Betrüger haben oft die besten Anwälte.

Was meinen Sie damit?
Der Anwalt versucht, mit einer einstweiligen Verfügung oder einer Schadenersatzklage einem die Arbeit schwerzumachen. Und all diese rechtlichen Auseinandersetzungen nehmen viel zu viel Zeit und Energie in Anspruch. Das zermürbt.

Ihre Detektei hat acht Mitarbeiter. Da kämpfen Sie doch wie einst David gegen Goliath.
Nicht die Größe des Teams ist ausschlaggebend, sondern die Qualität. Im Grunde brauchen wir nur den einen Fehler, aus dem wir den Schadenersatzanspruch ableiten können. Außerdem kooperieren wir mit großen Rechtsanwaltskanzleien. Bei der Klage gegen die insolvente US-Bank Lehman Brothers haben wir von vornherein mit knapp einem Dutzend Kanzleien zusammengearbeitet, die unterschiedlich spezialisiert waren. So konnten wir schnell herausfinden, wie und warum die umstrittenen Zertifikate an deutsche Kunden verkauft und dass permanent gegen Bilanzierungsvorschriften und Regularien verstoßen wurde.

Wie finden Sie so etwas heraus?
Wir durchforsten Datenbanken nach internen Quellen und führen regelrechte Materialschlachten. Man muss alle Bilanzen sammeln, und wenn man sie versteht, hat man bereits die erste Spur. Dafür setzen wir auch unsere Auskunftsansprüche bei Behörden vehement durch. Dann gilt es, den Datenwust zu sortieren, auszuwerten und zu bewerten. Um Strukturen zu erkennen, zeichnen wir Organigramme. Das größte war 7 Meter breit, teilweise mehr als 1,8 Meter hoch, alles in einer Schriftgröße von 8 Punkt und umfasst mehrere Hundert Firmen, die miteinander verstrickt sind.

Was für ein Typ muss man für diese Arbeit sein?
Man braucht ein Faible fürs Detail, muss wissen, wie man komplexe Sachen überschaubar macht. Geduld ist dabei mit am wichtigsten, denn die Verfahren dauern teilweise jahrelang. Da hilft es, wenn man Einzelschicksale vor Augen hat.

Können Sie ein Beispiel geben?
Der Fall der Badenia war für mich einer der bewegendsten und grausamsten. Damals haben die Leute pinselsanierte Schrottwohnungen zu einem vollkommen überteuerten Preis verkauft bekommen. Die Mietzahlungen fielen aus, die Kredite und die wertlosen Wohnungen blieben. Eine Anlegerin hat sich das Leben genommen. Wir haben für die Leute in vielen Fällen die komplette Prozessfinanzierung übernommen, gegen eine Gebühr von 5 Prozent im Erfolgsfall. Die Verfahren haben sich teilweise über Jahre hingezogen, aber wir haben es geschafft.

Was sind die aktuellen Maschen der Betrüger?
Die Angst vor der Inflation und einem schwachen Euro lässt Anleger für dubiose Produkte anfällig werden. Die Leute wollen für ihr Geld einen sicheren Hafen finden. Zum Beispiel sind Goldminen-Anteile wieder beliebt. Weil die Preise explodiert sind, argumentiert ein potenzieller Betrüger: "Hättest du sie bereits vor zwei Jahren gekauft, dann wärst du heute reich." Dass es wegen der hohen Preise aber derzeit heikel ist, Gold zu kaufen, verschweigt er. Vielleicht verschweigt er auch, dass der Kunde gar nicht auf das Gold zugreifen kann, weil es im Ausland hinterlegt ist oder die Goldmine nur auf dem Papier existiert.

Was ist mit Schrottimmobilien, also mit maroden Wohnungen und Häusern, die weit über Wert veräußert werden?
Auch hier finden sich genügend Käufer. Man biete ihnen eine schöne Modellwohnung, für diese einen noch schöneren Prospekt - die realen Häuser möglichst weit weg vom Kunden gelegen, damit er sie sich nicht anguckt und darauf kommt, dass das alles andere als eine gute Anlage ist.

Wie schaffen es Betrüger eigentlich, dass ihnen so viele Leute vertrauen?
Indem sie zum Beispiel renommierte Namen einbauen: "Unser Konto wird bei der Schweizer Großbank UBS geführt, wir werden von den Wirtschaftsprüfern PwC kontrolliert." Das hat überhaupt nichts zu sagen, wirkt aber gut. Auch Fußball spricht an. Die Göttinger Gruppe hat zum Beispiel Hunderttausende Anleger mit Kapitalanlagen abgezockt - war aber Sponsor des VfB Stuttgart. "Können Sie sich vorstellen, dass wir für den VfB werben, wenn wir kein tolles Unternehmen wären?" Das hinterfragt keiner, das will auch keiner hinterfragen.

 
 
Kommentare (2)
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Roland Späth Ist schon länger als 1 Jahr her
Wenn hier die Rede davon ist, dass 'Betrüger' renommierte Namen einbauen, dann mag dies auf die paar Hanswürste zutreffen, die im 320 SL und schwarzem Anzug Finanzdienstleistungen verkaufen, die grössten Betrüger aber sind die grossen Versicherungskonzerne, die auch die grossen Banken kontrollieren und in deren Aufsichtsräten bekannte Politiker und ihre Staatssekretäre, alles Juristen, die 'Geschicke' kontrollieren. Die brauchen weder' Baseballschläger noch Anwälte vorbeischicken', sie bestimmen die Gesetzgebung und deren Auslegung, auch fortschreitende Gesetzgebung genannt. Jahrzehntelang verdiente bspw. die staatl. Bundespost an betrügerischen 0190er Nummern Mrd. und noch heute verdient der Staat Mio. an Steuereinnahmen von den Netzbetrügern, was natürlich Peanuts in Relation zu den grossen Bauprojekten der grossen Konzerne sind, wo sich Politiker und Parteifunktionäre ihren Hintern vergolden lassen. Deshalb dauert es Jahrzehnte, bis Gesetze in Kraft treten, die Betrügern das Handwerk legen sollen. Kaum eine Staatsanwaltschaft kümmert sich bislang um Betrugsfälle, sie stellt jedes Verfahren mit fadenscheiniger Begründung ein. Schon der Gesetzestext ist so formuliert, dass eine Verurteilung extrem schwierig ist.
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Peter Ist schon länger als 1 Jahr her
Dieser Mann sollte sich mal die Machenschaften um S 21 genauer anschauen. S 21 ist aber ein sehr heißes Eisen und sehr gefährlich.
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