Wettbewerbsrecht Behr droht Strafe wegen Preisabsprachen

Von Petra Otte 

  Foto: StN
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Die EU hat Büros von Behr durchsucht. Der Verdacht: Illegale Preisabsprachen mit Wettbewerbern.

Stuttgart - Der Autozulieferer und Klimaspezialist Behr steht im Verdacht, mit den Zulieferern Valeo und Denso illegal Preisabsprachen getroffen zu haben. Die Wettbewerbsdirektion der Europäischen Kommission hat nach Informationen unserer Zeitung bereits Ende Mai Büros am Stuttgarter Behr-Sitz durchsuchen lassen und Unterlagen beschlagnahmt. Die Vorwürfe beziehen sich auf die Jahre 2002 und 2009, in denen sich Behr bei Aufträgen für Fahrzeug-Klimageräte mit dem französischen und dem japanischen Wettbewerber abgesprochen haben soll. 2002 hatte Behr das Klimagerät für den neuen 3er-BMW an Valeo und Denso verloren, 2009 dagegen bekamen die Stuttgarter vor den Mitbewerbern den Zuschlag für Klimaanlagen für zwei aktuelle Mercedes-Modelle.

Von der zuständigen EU-Behörde war am Donnerstag keine Auskunft zu den Ermittlungen zu bekommen, die Beschäftigten bei Behr sind nach Angaben aus Firmenkreisen allerdings informiert worden, dass sich das Verfahren eine Weile hinziehen könne. Weder Behr noch der größte Behr-Anteilseigner Mahle wollten zu den Vorwürfen Stellung nehmen. Durch die Ermittlungen verzögert sich die geplante Integration der Behr-Gruppe in den Stuttgarter Mahle-Konzern weiter.

Bei illegalen Preisabsprachen drohen Unternehmen Strafzahlungen von bis zu zehn Prozent ihres Jahresumsatzes, gemessen am Jahr 2011 müsste Behr also schlimmstenfalls mit 370 Millionen Euro Strafe rechnen. Diese kann deutlich reduziert oder sogar erlassen werden, wenn ein Unternehmen von der sogenannten Kronzeugenregelung Gebrauch macht und der EU-Kommission bei der Aufklärung der Vorwürfe behilflich ist. Angeblich soll der französische Valeo-Konzern dies bereits genutzt haben. Weiteren Beteiligten steht diese Möglichkeit nun nicht mehr offen.

Die Ermittlungen der EU bremsen die Integration in den Mahle-Konzern

Die Behr-Gruppe gehört früheren Angaben zufolge zu knapp 37 Prozent dem Stuttgarter Mahle-Konzern. Spätestens Anfang 2013 wollte Mahle die Mehrheit an Behr übernehmen, die Möglichkeit zum Überschreiten der 50-Prozent-Schwelle hat sich der Kolbenhersteller in diesem April erstmals zum 1. Juli 2012 genehmigen lassen. Weil Mahle Belastungen durch eine Strafe fürchtet, hat das Unternehmen diese Option bisher offenbar nicht gezogen. Gemeinsam erwirtschaften die Unternehmen fast zehn Milliarden Euro Umsatz. Größere Integrationsprojekte liegen nach Angaben aus Firmenkreisen derzeit auf Eis. Bereits in der Vergangenheit lief die Zusammenarbeit nur schleppend, weil die Behr-Eigner mit dem Mahle-Kurs nicht einverstanden waren.

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