Weitere Parkdienste Daimler verleiht bald Autos und Parkplätze

Petra Otte, 22.01.2013 16:21 Uhr

Stuttgart - Der US-Elektropionier Tesla war jahrelang die innovativste Firma, an der der Stuttgarter Premiumautobauer Anteile besitzt, seit vergangenem Jahr bekommt Tesla Gesellschaft: 2012 hat sich Daimler über seine Tochter car2go an der Smartphone-App MyTaxi und dem Mitfahrportal carpooling.com beteiligt, zudem ist der Konzern beim Kurierdienst Tiramizoo und der US-Firma Gottapark eingestiegen, die in amerikanischen Städten Parkplätze vermittelt. Gemein ist den Unternehmen, dass sie allesamt relativ jung sind; mit den Beteiligungen rüstet sich Daimler für eine Zukunft, in der neben dem eigenen Auto weitere Mobilitätsdienste gefragt sein werden.

Dies zumindest sagen zahlreiche Studien: Die Unternehmensberatung Frost & Sullivan prognostiziert, dass die Zahl der Carsharing-Nutzer in Europa von rund 700.000 im Jahr 2011 bis 2020 auf 15 Millionen zunehmen wird. Gleichzeitig steigt die Zahl der Menschen, die in Städten leben – um dort den Verkehrsinfarkt zu vermeiden, bedarf es intelligenter Mobilitätslösungen. Zum Beispiel von Gottapark: In den USA verwaltet das Start up aus San Francisco online 300.000 Parkplätze in acht Städten, die bei Bedarf angeboten oder reserviert werden können. Auch in Europa „passen Angebot und Nachfrage nach Parkplätzen nicht recht zusammen“, sagt Robert Henrich, Geschäftsführer der Daimler Mobility Services GmbH. In der Gesellschaft bündelt Daimler von nun an alle Mobilitätsangebote einschließlich car2go, noch dieses Jahr „wird in Europa ein Pilotprojekt zum Parken starten“, kündigt Henrich an.

Daimler beschäftigt sich seit 2008 mit Mobilitätsdiensten, damals schickte der Autobauer in Ulm die ersten Leihsmarts auf die Straße. Anders als beim normalen Mietwagen können diese überall im Stadtgebiet abgeholt und abgestellt werden, der Nutzer bezahlt die reine Fahrzeit und muss sich nicht um Tank- und Parkgebühren kümmern. Heute fährt eine Car2go-Flotte aus insgesamt 6100 Fahrzeugen in 18 Städten in Europa, USA und Kanada, an drei Standorten „haben wir Ende 2012 die Gewinnschwelle erreicht“, sagt Henrich. Vor allem 2012 neu hinzugekommene Städte sowie solche mit Elektroautos (Amsterdam, San Diego und Stuttgart) sind allerdings nach wie vor unrentabel. Als einen Grund dafür nennt Henrich den kostspieligen Aufbau von Ladesäulen für die Elektrosmarts. Nichtsdestotrotz will Daimler das Konzept dieses Jahr in weiteren Städten ausrollen und auf 10.000 Fahrzeuge aufrüsten, spätestens ab 2014 sollen ein Umsatz von 100 Millionen Euro „erreicht und überschritten werden“, sagt Klaus Entenmann, Chef der Daimler-Sparte Financial Services, in deren Zuständigkeit die Mobilitätsdienste fallen.

Per Smartphone buchen und bezahlen

Große Hoffnung setzt Daimler auf moovel, eine Online-Plattform, die Nutzer informiert, mit welchen Verkehrsmitteln sie am schnellsten oder am günstigsten von A nach B Kommen. Bisher existiert dieses Angebot lediglich in Stuttgart und Berlin und kombiniert car2go mit Mitfahr-Angeboten von carpooling, Taxis sowie öffentlichen Verkehrsmitteln. Künftig soll moovel in weiteren Städten angeboten werden, „wir wollen so viele Partner auf die Plattform bringen, wie wir können“, betont Henrich. Also etwa auch die Deutsche Bahn, um Städte bundesweit zu verbinden.

Auf lange Sicht sollen Kunden nach der Vorstellung Daimlers auf moovel nicht nur Verbindungen vergleichen, sondern diese auch per Smartphone buchen und bezahlen. Henrich ist überzeugt: „Der Kunde fragt künftig nicht mehr, welches das beste Verkehrsmittel ist, sondern gibt nur noch Start und Ziel ein.“ Wann dies Realität wird, vermag der Manager indes nicht zu sagen, bisher sei ein solches Angebot noch „in keiner einzigen App“ verfügbar.

Läuft es wie bei car2go, könnte sich das schnell ändern, allein von 2011 auf 2012 hat sich die Zahl der Carsharing-Kunden bei Daimler von 60 000 auf 275 000 weltweit vergrößert. Das macht dem Autobauer Mut für ein weiteres Projekt: Ebenfalls 2013 soll die automatische Mietabwicklung wie bei car2go Unternehmen angeboten werden. Nutzen Arbeitnehmer Dienstwagen beispielsweise privat, könne die Auslastung des Fuhrparks gesteigert werden, die Kosten sinken. Gebucht und abgerechnet wird – wie könnte es anders sein – per Smartphone.

 
 
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