Wasserball-EM „Wir haben die Qualität für Rio“

Von Hans-Peter Sick 

Hat sich zu einem wichtigen Nationalspieler ­entwickelt: Timo van der Bosch Foto: Baumann
Hat sich zu einem wichtigen Nationalspieler ­entwickelt: Timo van der BoschFoto: Baumann

Eine Spielerrevolte gegen Ex-Coach Nebojsa Novosalec, ein siebenmonatiges Trainervakuum: Wasserball-Bundestrainer Patrick Weissinger (42) aus Esslingen hat im Juni kein leichtes Amt angetreten. Nun steht er bei der EM vom 10. bis 23. Januar vor seiner ersten Bewährungsprobe.

Herr Weissinger, seit einem halben Jahr haben Sie in der Wasserball-Nationalmannschaft das Sagen. Wie fällt Ihre Bilanz aus?
Es war mir vor allem wichtig, dass die Arbeit Spaß macht, auch wenn es viel ist. Erstaunt war ich allerdings davon, dass ich zum Beginn konzeptionell, strategisch und organisatorisch viel machen musste. Das hat einige Zeit und vor allem Nächte beansprucht. Das war mir vorher so nicht bewusst.
Würden Sie den Job rückblickend wieder annehmen? Viele sehen darin ein Himmelfahrtskommando.
Natürlich würde ich wieder Bundestrainer werden, wenn man mich fragen würde. Ich habe das Amt nie als Himmelfahrtskommando gesehen. Vielmehr macht es riesig Spaß zu sehen, wie sich die Mannschaft im Training und auch in den Spielen reinhängt.
Allerdings haben Sie im Moment einige Verletzte. Keine gute Ausgangslage für die EM, oder?
Fehlen werden vor allem Kapitän Moritz Oeler von Spandau und Andreas Schlotterbeck von Waspo 98 Hannover. Es ist nicht einfach, solche Spieler zu ersetzen. Das tut schon weh. Zudem war lange nicht klar, ob Timo van der Bosch aus Esslingen fit wird. Aber er wird dank hervorragender Arbeit unserer Physiotherapeuten spielen können.
Was ist das Ziel bei der EM in Belgrad?
Das ist ganz klar Platz acht. Damit wären wir beim Olympia-Qualifikationsturnier (vom 3. bis 10. April in Triest in Italien, Anm. d. Red.) dabei. Dieses Ziel können wir auch erreichen.
Sie haben im Vorfeld eine ganze Reihe von Spielern getestet, wer wird in Belgrad zum Kader gehören?
Einer von den Spielern, die sich in letzter Zeit sehr gut entwickelt haben, ist Timo van der Bosch vom SSV Esslingen. Er ist inzwischen auf seiner Position als Center-Verteidiger ein sehr wichtiger Mann für das Team.
Wird auch der zweite Esslinger, Heiko Nossek, eine Rolle spielen? Sie haben mit ihm ja noch 2004 bei den Olympischen Spielen zusammen in der Mannschaft gespielt.
Wegen seiner langjährigen Erfahrung ist er sehr wichtig, gerade im Spiel nach vorne kann er den Unterschied machen. Er übernimmt zudem viel Verantwortung und ist ein sehr entscheidender Spieler. Aber aus beruflichen und familiären Gründen musste Heiko Nossek in der Vorbereitung immer wieder pausieren. Er ist aber international so ­erfahren, dass er das kompensieren kann. Darüber hinaus hat er noch immer einen Hammerschuss. Auch auf internationalem Parkett spielt keiner gerne gegen ihn. Mancher Torhüter kommt schon vor dem Spiel ins Grübeln, wenn er an die gewaltige Schussstärke von Heiko Nossek denkt.
Außerdem wurden mit den beiden Spandauern Mateo Cuk aus Kroatien und Marin Restovic aus Montenegro zwei Spieler eingebürgert, die aus Wasserballhochburgen stammen.
Genau. Uns war es wichtig, dass beide die Einbürgerung auch wollten. Beide möchten in Deutschland bleiben. Unsere Gesellschaft hat sich in dieser Hinsicht stark verändert. Es wird in Zukunft noch mehr Einbürgerungen geben. Andere Nationen gehen gerade im Vorfeld von Olympischen Spielen genauso vor. Nur ist es dort viel leichter, die Nationalität zu wechseln, als bei uns.
Was macht die beiden als Spieler so wichtig?
Sie besetzen Schlüsselpositionen. Mateo Cuk ist ein sehr guter Centerspieler, Marin Restovic ist Linkshänder, und davon haben wir in Deutschland nicht viele.
Sie sind mit dem Ziel der Olympiateilnahme im Sommer in Rio angetreten, was macht Sie so sicher, das Sie dies erreichen werden?
Wir haben in Ruhe gearbeitet, und die Spieler wollen es einfach. Ich bin mir auch sicher, dass wir die Qualität dafür haben. Wir schaffen das.
Die Vorbereitung war auch für Sie intensiv – Sie waren seit Wochen kaum zu Hause. Wie reagiert Ihre Familie darauf?
Mit sehr, sehr viel Verständnis. Es kam dazu, dass meine Frau im Sommer gerade dabei war, wieder in ihren Beruf als Psychologin einzusteigen. Doch jetzt hat sie hier erst ­einmal zurückstecken müssen.
Was passiert, wenn Sie die Mannschaft nicht nach Rio führen können? Bleiben Sie Bundestrainer?
Mein Vertrag ist erst einmal bis Ende August befristet. Dann soll die Stelle neu ausgeschrieben werden. Ob ich mich dann bewerbe, möchte ich noch offenlassen. Es ist aber auf alle Fälle ein sehr reizvoller Job, der ­jedoch sehr zeitintensiv ist. Auf der anderen Seite tut sich etwas an der Basis und bei der Nachwuchsarbeit im Wasserball in Deutschland. Wir haben einige sehr hoffnungsvolle Talente, und das könnte eine spannende Aufgabe für die Zukunft werden.
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