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Waffen nach Libyen Strafanzeigen wegen Gewehr-Lieferung

Christoph Reisinger und Franz Feyder, vom 01.09.2011 04:48 Uhr
 Foto: dpa
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Oberndorf/Tripolis - Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele hat der Bundesregierung gestern eine Anfrage geschickt: Was sie von den G36-Gewehren wisse, die in Oberndorf am Neckar bei der Firma Heckler & Koch produziert wurden und dann auf ungeklärte Weise im Waffenarsenal des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi landeten. In dem Schreiben an das Kabinett beruft sich Ströbele ausdrücklich auf die Berichterstattung unserer Zeitung über den Einsatz deutscher G36-Sturmgewehre durch libysche Rebellen.

Die Waffen waren den Aufständischen beim Sturm auf einen Palast in der Hauptstadt Tripolis in die Hände gefallen. Der Hersteller Heckler & Koch in Oberndorf stellte wegen der illegalen Lieferung der Waffen nach Libyen Anzeige gegen unbekannt.

Der 72-jährige Hans-Christian Ströbele ist im Parlamentarischen Kontrollgremium des Bundestages einer von zwölf Abgeordneten, die die deutschen Geheimdienste überwachen. Wohl auch deshalb will er wissen: "Inwiefern hatten Stellen der Bundesregierung, insbesondere der Bundesnachrichtendienst (BND), direkt oder indirekt am Export dieser Waffen nach Libyen mitgewirkt oder Kenntnis davon?"

In einem Punkt wird der BND von einem Augenzeugen aus Sicherheitskreisen entlastet, der unserer Zeitung an Eides statt versicherte: "Ich habe trotz intensiver Recherchen Mitte der 2000er Jahre vor Ort keinerlei Anzeichen dafür gefunden, dass der BND an Lieferungen von G36-Gewehren nach Libyen beteiligt gewesen ist oder diese initiiert hat." Der Mann hielt sich damals über einen längeren Zeitraum in dem nordafrikanischen Land auf. Weitere Recherchen unserer Zeitung bestätigen seine Angaben.

Er hatte nach eigener Aussage bereits im Sommer 2005 bemerkt, dass libysche Sicherheitskräfte mit der Waffe aus Oberndorf ausgestattet waren: Ihm waren der aufgestanzte Bundesadler sowie die Württemberger Geweihstange als Kennzeichen des Beschussamtes Ulm aufgefallen.

Vor allem Gaddafis Sondereinheiten waren unter anderem von ehemaligen GSG-9-Beamten und Polizisten mehrerer Spezialeinsatzkommandos aus Nordrhein-Westfalen in deren Freizeit in Anti-Terror-Taktiken und Schießen ausgebildet worden. Die Ausbildung selbst dürfte dem BND nicht verborgen geblieben sein. Zwar hätten sich die Nachrichtendienstler aus allem herausgehalten, sagt der Augenzeuge, aber "mein Eindruck war: Die gucken genau hin und melden fleißig". Fraglich ist, ob die BND-Beamten auch die G36 in Tripolis entdeckten und darüber Bericht nach Berlin erstatteten. Fraglich ist auch, ob Angehörige des BND für Gaddafi in Libyen als Ausbilder tätig gewesen sind. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte dazu: "Ich kann Ihnen darüber keine Auskunft geben."

Der Tübinger Anwalt Holger Rothbauer stellte im Namen des Freiburger Rüstungsgegners Jürgen Grässlin inzwischen Strafanzeige gegen den G36-Hersteller Heckler & Koch. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart soll ermitteln, wie die Waffen zu Gaddafi gelangten. Das will auch Heckler & Koch geklärt wissen. Das Unternehmen stellte in Rottweil Strafanzeige gegen unbekannt.

Kommentare (5)
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SEP
03
02:13 Uhr, geschrieben von jsmill
Honni soit qui mal y pense
Ein Schurke, wer schlecht darüber denkt ... Das Abstimmungsverhalten der deutschen Bundesregierung im UN-Sicherheitsrat wird nun ein wenig verständlicher. Ein Kaufmann stimmt nicht für militärische Maßnahmen gegen einen guten Kunden, auch wenn das Geschäft selbstverständlich über einen scheinbar sauberen Mittelsmann abgewickelt wurde.
SEP
01
15:18 Uhr, geschrieben von Lysistrata Ghirlandaio
Billige Ausreden der MG-Hersteller sind zu erwarten.
Deshalb glaube ich weder den Verlautbarungen von Heckler & Koch, noch den längst befangenen Leuten aus dem Bundeswirtschaftsministerium. Sie haben sich mit vielen anderen üblen Waffengeschäften nie mit Ruhm bekleckert. Und Frau Merkel: Sie verkauft ins hungernde Somalie Kriegsschiffe und den Despoten in Saudi-Arabien 200 Panzer, lässt aber bei der UN mit Enthaltung prahlen, wo es um das Abservieren des libyischen Metzgers Gaddafi geht. Eine Heuchelei folgt der anderen. Mit Rüstungslieferungen in großem Stil heizt unsere Industrie weltweit schwelende Krisen und Kriege an. Militärisches Gerät gelangt in Spannungsgebieten in die Hände von zwielichtigen Truppen. Und die Marionetten im Bundestag schauen weg. Sie müssten den vielen Opfern und Hinterbliebenen mal endlich in die Augen schauen und sich abgrundtief schämen. 00000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000Viel zu lasch sind die Exportkontrollen, finden viele anständigen Bürger. „Die USA und Großbritannien beziehen bei Rüstungsexporten ihre Parlamente viel stärker mit ein als Deutschland“, kritisiert Amnesty Intl. Über besonders delikate Geschäfte entscheidet hierzulande der Bundessicherheitsrat, in dem auch die Kanzlerin sitzt. Debatten im Bundestag über Waffenausfuhren sind eher die Ausnahme.
SEP
01
14:34 Uhr, geschrieben von Thomas König
Völlige Unkenntnis der Sachlage
Wer hier sofort einen Skandal wittert, lebt in völliger Unkenntnis der Sachlage! Das Sturmgewehr G36 ist eine deutsche Entwicklung welche aber nicht nur an Deutschland, sondern auch an 15 weitere Länder, ausgeliefert wurde. Hierzu gehört u.a. das Königreich Jordanien. Zudem gibt es eine Lizenzproduktion in Saudi-Arabien, welche im Jahr 2008 durch die Bundesregierung genehmigt wurde. Somit können bei Produktionsengpässen in Deutschland auf dortige Kapazitäten zurückgegriffen werden. Hierzu müssten allerdings auch die Stempel (Bundesadler sowie die Württemberger Geweihstange als Kennzeichen des Beschussamtes Ulm) dort aufgebracht werden können. Spätestens jetzt sollte jedem klar sein, woher die Waffen stammen. Die Recherche hierzu wäre mit einem Blick in Wikipedia sehr einfach ausgefallen.
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