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Währungskrieg Wie die Währung die Wirtschaft ankurbelt

Markus Grabitz , vom 11.10.2010 19:08 Uhr

Berlin - China macht es schon länger, die USA kommen auch langsam auf den Geschmack. Jetzt ziehen auch noch Schwellenländer wie Brasilien und Südkorea nach: Angeblich versuchen alle, ihre Währungen zu schwächen oder nicht zu stark steigen zu lassen. Was ist dran am Gerede vom Währungskrieg?

Ist ein Währungskrieg ausgebrochen?

Nein. Tatsache ist, dass seit dem Ende des festen Wechselkurssystems Bretton Woods Anfang der 70er Jahre immer wieder Notenbanken oder Finanzministerien versucht haben, die Stärke der Landeswährung im Interesse der heimischen Exporteure zu beeinflussen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat auch schon zugunsten des Euro interveniert. Nur derzeit haben auffallend viele Volkswirtschaften ein Interesse an niedrigen Wechselkursen. Weil die Märkte nach der weltweiten Krise 2008/2009 noch nicht komplett zur Normalität zurückgekehrt sind, herrscht große Nervosität.

Wie schwächt man eine Währung?

Das lässt sich anhand des Wechselkurses zwischen dem chinesischen Yuan und dem US-Dollar zeigen. Peking legt einen festen Wechselkurs für die heimische Währung gegenüber dem Dollar fest, der ihr opportun erscheint. Dieser ist so niedrig, dass chinesische Waren im Ausland günstig verkauft werden können. Dadurch exportiert China ungleich mehr Waren in die USA als umgekehrt. Bei freien Wechselkursen würde der Yuan wegen der starken Nachfrage nach China-Produkten steigen. Durch die Unterbewertung werden chinesische Waren in den USA immer günstiger, während die US-Wirtschaft sich gegen künstlich verbilligte Importe kaum zur Wehr setzen kann. Damit das so bleibt, kauft China amerikanische Staatsanleihen auf und nimmt damit Dollars vom Markt. Für die USA ist dies ein zweischneidiges Schwert, denn dadurch ist China zugleich ein großer Geldgeber, der die US-Staatsdefizite finanziert. Unter internationalem Druck hat China nun eine etwas straffere Geldpolitik in Aussicht gestellt.

Warum haben derzeit so viele Regierungen ein Interesse an einer weichen Währung?

Historisch hat es das wohl noch nicht gegeben: Der Konjunkturverlauf war weltweit noch nie so ähnlich wie derzeit. Nach der tiefen Rezession haben viele Regierungen ein Interesse, den (abgesehen von in den USA) überall eingesetzten Aufschwung nicht abzuwürgen. Vielmehr versuchen sie dafür zu sorgen, dass die Produkte der heimischen Industrie im Ausland Absatz finden. Eine niedrig notierende Landeswährung ist also so etwas wie eine Exportförderung. Gleichzeitig wird die heimische Industrie vor Importen geschützt, weil diese durch die schwache eigene Währung automatisch teurer werden. Derzeit heißt es, die chinesische Währung sei massiv unterbewertet, der Dollar ebenfalls, der Euro überbewertet. Das ist allerdings Geschmackssache: Es gibt kein wissenschaftliches Kriterium dafür, wann eine Währung über- oder unterbewertet ist.

Wie gefährlich ist der plötzlich erstarkte Euro für die Konjunktur in Deutschland?

Der Euro ist zwar derzeit um die 1,40 Dollar wert, das ist 15 Prozent mehr als noch im Juni. Aber: Ein Großteil des deutschen Exports geht in die Eurozone. Deutsche Unternehmen setzen in Österreich immer noch mehr Waren ab als in China. Nur ein überschaubarer Teil des Außenhandels wird in US Dollar abgerechnet. Hinzu kommt, dass sich Exporteure gegen Wechselkursschwankungen absichern. Experten sagen: Erst wenn der Wechselkurs zwei Jahre extrem hoch oder niedrig ist, spüren es die Exporteure. Die Deutschen können sich ohnehin einigermaßen entspannt zurücklehnen: Da seit etwa zehn Jahren große Lohnzurückhaltung herrscht, haben die Unternehmen einen Kostenvorteil gegenüber der Konkurrenz, auch im Euroraum. Gäbe es noch die D-Mark, würde diese wohl gegenüber anderen EU-Staaten aufwerten - dies bleibt Deutschland wegen des Euro erspart.

Wie geht es nun weiter?

Es ist jedenfalls nicht damit zu rechnen, dass sich die wichtigsten Volkswirtschaften auf eine Neuauflage fester Wechselkurse verständigen werden. Viel spricht dafür, dass die Unsicherheit noch eine Weile anhält. Eine Menge hängt in der ferneren Zukunft davon ab, wie der Euro-Raum aus der Krise hervorgeht. Sollte es gelingen, die Verschuldungsprobleme an der Peripherie des Währungsraumes - also in Griechenland, Portugal, Irland - in den Griff zu bekommen, ist die Prognose für den Euro günstig. Dann dürften andere Wirtschaftsräume in der ganzen Welt versuchen, das Erfolgsmodell Euro nachzuahmen, also auch Gemeinschaftswährungen aufzulegen.

Kommentare (1)
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OKT
13
10:59 Uhr, geschrieben von Wolfgang Schatz
Krise.
Ich sage nur eines: Die Krise hat noch gar nicht richtig begonnen, die kommt erst noch. Hoffentlich wird das nicht so böse wie 1929/1930. Ein kluger Mann sagte einmal, daß alle 60 Jahre eine ganz große Krise kommt. Bis 1929 stimmte das auch. Durch die Computereinführung hat sich die Frist anscheinend verlängert, aber kommen wird sie. Die heutigen Banker, die Wirtschaftler und die Hochfinanz haben von 1929 überhaupt nichts gelernt. Wie sollen sie auch, die damaligen Verursacher sind praktisch ihre Urgroßväter, und von denen nehmen Junge nur ungern etwas an.
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