VfB gegen Bayern Bobic, Mandzukic: Rivalen im Spiel, Ditzinger im Herzen

Thomas Näher, 24.01.2013 12:57 Uhr

Stuttgart - VfB gegen Bayern, das bedeutet: 60.000 Fans, volle Hütte, Euphorie auf den Rängen, Topstars auf dem Rasen. In solchen Augenblicken will Fredi Bobic wieder Stürmer sein: die prickelnde Atmosphäre aufsaugen, den Torjubel ausleben, das Scheinwerferlicht genießen.

VfB gegen Bayern, das weckt in Bobic (41) seit dieser Saison noch andere Erinnerungen – an seine Anfänge als Fußballer, an die dörfliche Idylle der Ditzinger Lehmgrube und an seinen dortigen Ex-Club, die Turn- und Sportfreunde (TSF). An seinen damaligen Mitspieler Mato und an dessen Sohn Mario Mandzukic (26), den Bobic damals aufwachsen sah – und der an diesem Sonntag mit den Bayern dem VfB den Garaus machen will.

„Mario war damals ein Bub, aber mich hat sein Weg als Fußballer interessiert. Ich habe seine Karriere verfolgt. Heute freuen wir uns immer, wenn wir uns sehen“, sagt Bobic.

Zwischen 1991 und 1995 tobt in Kroatien der Krieg. In Mandzukics Geburtsort Slavonski Brod, einem kroatisch-bosnischen Grenzstädtchen, verlieren 182 Menschen ihr Leben, darunter 27 Kinder. 1992 fliehen die Mandzukics – nach Ditzingen. Sie sprechen kein Deutsch, sie haben anfangs keine Freunde, das Geld ist knapp. Vater Mato kickt bei den TSF, bringt mit seinem Oberliga- und Regionalligagehalt die Familie finanziell durch. Er spielt Verteidiger. Vorn wirbelt Fredi Bobic – und als der ein halbes Jahr später zu den Stuttgarter Kickers wechselt, Sean Dundee. „Leider habe ich meinen Vater in seinen besten Jahren nicht spielen sehen“, sagt Mario Mandzukic, „ich verdanke ihm viel. Damals entstand in mir der Wunsch, Fußballprofi zu werden.“

Bobic sieht den kleinen Mario heranwachsen

Ditzingen ist die Wiege der Fußballer Bobic und Mandzukic, das Städtchen verbindet den VfB-Manager bis heute mit dem Bayern-Stürmer, der mit elf Treffern aktuell der drittbeste Torjäger der Bundesliga ist.

„Ditzingen war eine wichtige Station in meiner Karriere“, sagt Bobic.

„In Ditzingen habe ich wichtige Jahre in meiner Jugend gebracht, dort habe ich bis heute Freunde“, sagt Mario Mandzukic.

Fredi Bobic sieht den kleinen Mario, damals sechs Jahre jung, heranwachsen. Der Steppke kickt in der F-Jugend der TSF. Deren langjähriger Jugendleiter Angelo Columpsi erinnert sich: „Mario traf, wie er will. Er war immer in Bewegung, schlank, flink und schnell. Ein Riesentalent.“

Als Bobic den Verein verlässt, verliert er Mario erst mal aus den Augen. 1996 läuft die Aufenthaltserlaubnis der Mandzukics ab, sie ziehen zurück nach Kroatien. Bobic macht Karriere: VfB, Dortmund, Bolton, Hannover, Hertha und schließlich HNK Rijeka. In seinem zweiten Ligaspiel tritt er 2005 bei NK Zagreb an: „Plötzlich stand Mato Mandzukic vor mir. Ich habe gesagt: Was machst du denn hier? Er sagte: Ich lebe in Zagreb, und Mario ist jetzt auch Stürmer.“ Stürmer bei NK Zagreb – und folglich, mit 19 Jahren, ein Gegenspieler von Bobic. Der erinnert sich: „Es war ein Regenspiel, der Platz stand unter Wasser, wir haben verloren – und Mario hat ein Tor gemacht.“

Es war nicht sein einziges Tor gegen Bobic. Als der VfB im September 2012 das 1:6 beim FC Bayern kassiert, begegnen sich Bobic und Mandzukic mal wieder. „Ich konnte Fredi in der Halbzeitpause sprechen. Er sagte, ich solle jetzt mal langsam machen“, sagt Mario. Seine Antwort: Zwei Minuten nach der Pause trifft er zum 4:1-Zwischenstand. Damit ärgert er Bobic, was untypisch ist: „Wir unterhalten uns immer sehr nett, wenn wir uns sehen“, sagt der VfB-Manager. Klar, die gemeinsame Vergangenheit verbindet.

Bobic und Mandzukic: Rivalen im Spiel, Ditzinger im Herzen.

Bei Mandzukic hält Ivana Maslov die Erinnerung wach. Sie ist Marios Schwester. 2007 zieht sie wieder nach Ditzingen. Sie heiratet, bringt Sohn Marino zur Welt. Der kickt heute in der Bambino-Jugend der TSF Ditzingen. Mario kommt seine Schwester und seinen Neffen selten besuchen. „Deshalb fahren wir zu seinen Spielen, wann immer es geht“, sagt Ivana Maslov. In die Mercedes-Benz-Arena kann sie an diesem Sonntag sogar mit der S-Bahn fahren. Selten ist Mario ihr näher. Ihr – und Ditzingen.

 
 
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