Urlaub in Kroatien Kein Picknick am Strand

Von Thomas Roser 

Kroatiens Küste (hier der Strand von Opatia) ist bei den Urlaubern beliebt. Doch in diesem Sommer gibt es Ärger an den Stränden. Foto: dpa
Kroatiens Küste (hier der Strand von Opatia) ist bei den Urlaubern beliebt. Doch in diesem Sommer gibt es Ärger an den Stränden. Foto: dpa

Teure Zugangskarten und von rüden Wächtern durchwühlte Badetaschen: Solche Dinge sorgen an Kroatiens überfüllten Küsten in diesem Sommer für anhaltenden Ärger bei den Urlaubern. In dem Balkanland mehrt sich die Kritik an einer undurchsichtigen Konzessionsvergabe für Strandbetreiber.

Dubrovnik - Den Duft von Sonnencreme auf der Haut und den Geschmack von Meersalz auf der Zunge: Mit dem Familienpicknick am Strand sind am Mittelmeer ganze Generationen von Einheimischen und Besuchern großgeworden. Geht es nach den geschäftstüchtigen Gastronomen im kroatischen Dubrovnik müssen sich Badegäste beim Strandbesuch den Griff zur Kühltasche versagen. Für einen Aufschrei des Entsetzens sorgen in Kroatien die Berichte, dass rüde auftretende Wächter die Badetaschen von Besuchern am beliebten Banje-Strand nach Trinkflaschen und Nahrungsmitteln durchwühlen.

„Sie durchstöbern die Taschen nach Knabberzeug wie Polizeihunde an der Grenze auf der Suche nach Drogen“, ätzt die Website des TV-Senders Aljazeera Balkans. Als Sicherheitsmaßnahme, um die Ausschreitungen betrunkener Badegäste und Glasflaschensplitter am Strand zu vermeiden, verteidigt eine Sprecherin des Konzessionärs die Taschenkontrollen.

Doch nicht nur, weil Verbotstafeln die Mitnahme von Getränken und Nahrungsmitteln generell untersagen, wittern Kritiker ausschließlich kommerzielle Gründe hinter dem Gastronomenfeldzug. Die Gäste mögen gefälligst im Strandrestaurant essen und sich nicht aus der Kühltasche verpflegen, lautet die kaum verhüllte Botschaft.

Seit Juni gilt ein dubioses Gesetz zur Vergabe von Strandkonzessionen

Ein im Juni verabschiedetes, wenig transparentes Gesetz zur Vergabe von Strandkonzessionen sorgt an Kroatiens überfüllten Küsten für anhaltenden Ärger. Zum einen nimmt die Zahl eingezäunter Privatstrände zu. Zum anderen treten die Betreiber von Cafés und die Verleiher von Badeliegen- und Sonnenschirmen beim Aufdrängen ihrer Dienste immer rabiater auf.

So beklagte sich kürzlich eine im Badeort Opatia lebende Familienmutter in der Zeitung „Novi List“, dass es ihrem 16-jährigen Sohn am Lido von Kellnern untersagt worden sei, sein Handtuch auszulegen. Nur wenn er einen Saft bestelle oder eine Strandliege anmiete, habe er auch das Recht, dort zu baden.

Schwarze Schafe werden begünstigt

Rechtsanwälte verweisen zwar darauf, dass Betriebsgenehmigungen für Strandlokale und Liegenverleih keineswegs dazu berechtigen, den Zugang zu den Stränden einzuschränken. Doch nicht nur die sich mehrende Zahl echter – zur Erhebung von Eintrittsgeldern berechtigender – Konzessionen, sondern auch deren wenig durchsichtige Vergabe erhöhen die Verunsicherung der Besucher. Das begünstigt auch das Treiben schwarzer Schafe. 30 Kuna Eintritt (umgerechnet vier Euro) seien von ihr für das Strandbad bei einem Campingplatz auf Hvar verlangt worden, obwohl deren Betreiber über keinerlei Konzession verfügten, berichtete kürzlich erbost die Anwohnerin Nina Bogdan.

Mit dem großflächigen Vollstellen der Strände mit Liegestühlen versuchen geschäftstüchtige Verleihfirmen sich lieber auf Handtücher bettende Gratisgäste zu vertreiben. Das Webportal Index hat einen Ratgeber veröffentlicht, wie sich Sonnenanbeter gegen ihre Vertreibung wehren können. Kroatiens „Bewegung der Inseln“ fordert derweil dringend eine Revision des Konzessionsgesetzes. Die betroffenen Kommunen und Bürger seien bei der Vergabe der Konzessionen durch die Landräte ausgeschlossen, Missbrauch sei unvermeidlich: „Das unzureichende Gesetz spielt denjenigen in die Hände, die es eingeführt haben.“

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