TV-Serie „Familie Braun“ „Der Führer guckt nicht traurig“

Von Lukas Jenkner 

Eine Miniserie, die im Web bereits erfolgreich läuft, wird nun im ZDF gezeigt. Es geht um zwei Neonazis, die plötzlich mit einem zuckersüßen Mischlingskind zurecht kommen müssen. Der Regisseur ist Absolvent der Ludwigsburger Filmakademie.

Mainz - Immer mal wieder überrascht das Zweite Deutsche Fernsehen den im TV-Koma dahinsiechenden Zuschauer dann doch wieder. Abseits aller idyllischen Traumschiff-Hochglanzbilder, den mit  Stanzeisen hergestellten Krimi-Vorabendserien und Nazi-Geschichts-TV à la Guido Knopp schenkt die alte Tante ZDF dem Zuschauer auch einmal sehenswerte Sendungen.

Zum Beispiel die „heute Show“, von denen viele sagen, dass die Sendung freitagabends die wahren Nachrichten der Woche verkündet, oder den TV-Narren Jan Böhmermann, der inzwischen wohl Videos mit Fernsehtestbildern („Fake-Test“ oder auch „Ich hab Testbild“) ins Netz schieben könnte und damit eine grundlegende Medienkritik in den deutschen Internet-Feuilletons auslösen würde.

Der jüngste ZDF-Streich heißt „Familie Braun“, nähert sich dem neudeutschen Rechtsradikalismus mit Brechstangenhumor an und wird von Freitag (12. Februar, 23 Uhr) an im ZDF ausgestrahlt. Im Internet hatte die Miniserie bereits in der vergangenen Woche Premiere und ist dort innerhalb einer Woche rund 250 000 Mal angeklickt worden.

Die Handlung ist schnell erzählt: Die beiden Neonazis Kai Stahl (witziger Name, haha) und Thomas Braun (höhö) führen ein glückliches Rechtsradikalenleben mit ausländerfreier WG und der eigenen Youtube-Show „Kai-Sehr-Reich“, in denen sie vor einem Hakenkreuz zum Beispiel Tipps geben, wie man aus einem Hakenkreuz ein hübsches Mobilee für Kinder bastelt.

Auf dem Schlachtfeld der Neonazi-WG

In diese stramme Nazi-Idylle bricht eines Tages die brauner-zucker-süße, sechs Jahre alte Lara ein, höchst lebhaftes Produkt eines One-Night-Stands Thomas Brauns mit einer Eritreerin, die nun allerdings abgeschoben wird („Du weisst schon, Ausländer raus, und so!“) und ihre kleine Tochter Thomas vor die Wohnungstüre stellt.

Thomas ist irritiert und versucht zunächst, die Kleine loszuwerden, bis sie sich in sein Herz schleicht. Das wiederum treibt den Nazi-WG-Genossen Kai aufs Schlachtfeld. Ein ums andere Mal mündet die Konstellation in vollkommen absurde Situationen, schnell und brachial erzählt in Bild, Ton und Text – zugeschnitten auf eine Netzgemeinde, deren Aufmerksamkeitsspanne nur selten über mehr als fünf Minuten hinausreicht.

Regisseur Maurice Hübner ist Absolvent der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Seit seinem Studienabschluss 2015 arbeitet Hübner als freiberuflicher Regisseur. Sein in Koproduktion mit dem SWR, BR und Arte entstandener Diplomfilm "Porn Punk Poetry" (2014) wurde mit dem Studio Hamburg Nachwuchspreis ausgezeichnet.

Moralisierende TV-Kritiker wenden zu Recht ein, dass der Umgang mit dem Thema Rechtsradikalismus auf Klamauk-Niveau durchaus fragwürdig ist. Früher oder später wird einem der Nazi-mit-Vatergefühlen Thomas Braun dann doch sympathisch und die Normalität des Nazi-Seins ist etwas, für das das TV-Publikum nie bereit sein sollte.

Andererseits werden mit so viel Witz, Boshaftigkeit und Liebe zum Detail Neonaziklischees und -parolen entlarvt und parodiert, dass die Miniserie doch sehenswert ist – persönliche moralische und politische Integrität beim Zuschauer vorausgesetzt.

Bewerten
Wie hat Ihnen der Artikel gefallen? Vielen Dank für Ihre Bewertung!
1 Stern 2 Sterne 3 Sterne 4 Sterne 5 Sterne 2.33
Ausstellung „Pioniere des Comics“ in Frankfurt Große Kunst von kleinen Träumern

Von 25. August 2016 - 17:46 Uhr

Die Kunsthalle Schirn inszeniert wilde Comics als Kunst. Die steile These: Winsor McCay, George Herriman und Frank King waren selbst Inspirationsquelle für so manch berühmten Künstler.