„Tatort“ aus Saarbrücken Aus die Maus: Tödlicher Sex beim „Tatort“

Von Thomas Hörner 

Devid Striesow als Ermittler Jens ­Stelbrink. Foto: Saarländischer Rundfunk
Devid Striesow als Ermittler Jens ­Stelbrink.Foto: Saarländischer Rundfunk

Der „Tatort – Totenstille“ aus Saarbrücken spielt in der Welt von Gehörlosen. Außerdem im Angebot ein tödliches Sexabenteuer, das vielleicht sogar zum Skandälchen taugt. Unsere TV-Kritik.

Ja, man hat es im Grunde immer schon gewusst, vom Koitus ist es ein Katzensprung zum Exitus. Der Weg von der Falle in die Kiste ist so gut wie programmiert, wenn man bereit ist, die Extase mit Hilfe von Pillen ins Unermessliche zu steigern. Eine unangenehme Situation, nicht nur für die Verblichene im Hotelbett, sondern auch für den hinterbliebenen Lover, der Mühe haben dürfte, den Ausgang des Schäferstündchens Frau und Kindern zu erklären.

Anstatt die Sache der Polizei zu melden, versucht Georg Weißhammer (Martin Geuer) die schöne Leich wegzuschaffen und begeht dabei einen Fehler, der ihm nicht unterlaufen wäre, wenn er im Fernsehen mal ein Fußballspiel gesehen hätte. Dann wäre ihm klar gewesen, dass man manchmal besser die Hand vor den Mund hält, nicht nur als Fußballtrainer, auch dann, wenn man am Telefon vom Ableben seiner Gespielin erzählt - und dabei von einem Mann beobachtet wird, der als Gehörloser von den Lippen lesen kann. Doppelt dumm ist’s, wenn der Zeuge (Ein Bild von einem Mann: Benjamin Piwko) nicht nur kein Gehör, sondern genug kriminelle Energie besitzt, um zum Erpresser zu werden.

Der „Tatort - Totenstille“ aus Saarbrücken (Regie: Zoltán Spirandelli; Buch: Peter Probst) spielt, der Titel lässt es erahnen, auch in der Welt von Gehörlosen. Dies gelingt streckenweise sehr gut, hat aber zur Folge, dass die Verhöre durch die Übersetzung in Gebärdensprache länger als üblich dauern. Ein Mangel ist das nicht, versuchen doch die Ermittler, allen voran Kriminalhauptkommissar Jens Stellbrink (Devid Striesow), nach anfänglicher Skepsis sich auf diese Welt einzulassen.

Wenn Sich am Ende die Geschichte in die Länge zieht, liegt es weniger an den gebärdensprachlichen Einlagen als an einer unentschiedenen Handlung. Immerhin bleibt nun Zeit, die eingangs erwähnte Sex-Szene Revue passieren zu lassen und sich zu fragen: Wird der Boulevard daraus ein Skandälchen machen?

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