Car2go in Stuttgart Der Ruf, dass die Stadt einspringt, wird lauter

Von Marta Popowska 

Ein Anblick, den es in manchen Stadtteilen von November an nicht mehr geben wird: Weil es für Car2go nicht überall lukrativ ist, verkleinert es sein Geschäftsgebiet. Foto: Jacqueline Fritsch
Ein Anblick, den es in manchen Stadtteilen von November an nicht mehr geben wird: Weil es für Car2go nicht überall lukrativ ist, verkleinert es sein Geschäftsgebiet. Foto: Jacqueline Fritsch

Car2go-Mietautos soll es von November an in 22 Stadtteilen nicht mehr geben. Im Stuttgarter Norden sind Stammheim, Giebel, Zazenhausen und Bergheim betroffen. Orte wie Stammheim fühlen sich abgehängt.

Stuttgarter Norden - Seit rund einer Woche ist bekannt: Die Daimler-Tochter Car2go reduziert ihr Geschäftsgebiet im Raum Stuttgart um 52 Quadratkilometer. Im Stuttgarter Norden sind Stammheim, Giebel, Zazenhausen und Bergheim betroffen. Im Bezirksrathaus häufen sich laut der Stammheimer Bezirksvorsteherin Susanne Korge schon die Beschwerden. Während man bei Car2go davon überzeugt ist, dass die Verkleinerung zu mehr Elektrofahrten führen wird, fühlen sich Orte, wie etwa Stammheim, abgehängt. Schon wird der Ruf laut, die Stadt solle einspringen.

Ein „Auto zum Mitnehmen“, wie das Car2go-Angebot schlicht zu übersetzen ist, ist das erfolgreiche Konzept, welches das Unternehmen mit Sitz in Leinfelden-Echterdingen in Metropolen weltweit exportiert hat. Aber ausgerechnet vor der eigenen Haustür soll das Angebot nun zu Gunsten der Innenstadt eingeschränkt beziehungsweise komplett gestrichen werden. Von November an fallen 22 Stadtteile am Rande Stuttgarts ganz oder teilweise raus. Der Grund ist simpel: Die Nachfrage sei zu gering. „Nur acht Prozent aller Mieten beginnen oder enden heute mehr als 300 Meter außerhalb der Grenzen des neuen Geschäftsgebietes“, sagt der Car2go-Pressesprecher Daniel Hoerer. Teilweise würden die Autos bis zu zwei Tage ungenutzt an der Straße stehen. Das sei nicht nur unlukrativ. Auch das Serviceteam müsse im Gebiet herumfahren und diese Autos umparken, denn sie fehlten im Innenstadtbereich, wo die Nachfrage groß sei – schließlich solle der Mietwagen für den nächsten Kunden möglichst an der nächsten Ecke stehen. „Sonst funktioniert das Free-Floating-Prinzip nicht“, betont Hoerer. Im Optimalfall wird das Auto rund um die Uhr vermietet. Doch genau das findet in manchen Stadtgebieten nicht statt.

Bezirksvorsteherin wünscht sich Förderung durch die Stadt

Stammheims Bezirksvorsteherin Susanne Korge sieht das etwas anders. „Wir sind höchst unglücklich über die Entwicklung. Wir waren mitunter der einzige Bezirk, der Elektromobilität aufgegriffen hat“, sagt sie. So habe man etwa einen Thementag mit mit Vorträgen veranstaltet, auch Car2go sei vertreten gewesen.

Doch vor allem findet Korge den Schritt von Car2go kontraproduktiv. „Das Unternehmen muss natürlich schauen, dass es wirtschaftlich arbeitet, aber so reduzieren wir unseren Verkehr nicht“, sagt sie. In Stammheim tue man sich ohnehin schwer, das Auto abzuschaffen. „Wir haben die höchste Kfz-Zulassung pro Person. Ein Grund ist die schlechte ÖPNV-Verbindung“, erklärt die Bezirksvorsteherin, die davon überzeugt ist, dass künftig weiterhin viele mit dem eigenen Auto in die Stadt fahren. Angesichts der angestrebten Feinstaubreduktion und der angespannten Parkplatzsituation sei dies bitter. „Ich würde mir eine Förderung durch die Stadt wünschen“, betont Korge. Ein Antrag für die nächste Bezirksbeiratssitzung liege ihr schon vor. Dann wird das Thema mit den Beiräten diskutiert.

Verkehrskonzept fehlt

Ähnlich sieht das auch Axel Ueberschär. Laut dem Vorsitzenden des Handels- und Gewerbevereins Stammheim könnte die Stadt durchaus überlegen, Car2go zu fördern, ähnlich wie die Leihfahrräder der Bahn. „Man kann nicht von Fahrverboten und Feinstaub sprechen und nichts an Alternativen anbieten“, sagt Ueberschär. Er vermisse ein Konzept, wie der Verkehr organisiert und strukturiert werden solle.

Auf Nachfrage bei der Stadt, gibt man sich hierzu zurückhaltend. „Die unternehmerische Entscheidung kommentieren wir als Stadt nicht. Klar ist aber, dass Carsharing-Modelle, also auch die vollelektrischen Car2go-Angebote, ein wichtiger Baustein nachhaltiger Mobilität in Stuttgart sind. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern“, sagt der Pressesprecher Sven Matis. Im Ausschuss für Umwelt und Technik wird man sich in einer der kommenden Sitzungen mit der Problematik befassen. Die Grünen-Fraktion möchte vom Unternehmen Car2go Genaueres zu den Gründen seiner Entscheidung wissen.

Die Reaktion des Grünen-Stadtrats Björn Peterhoff auf das verkleinerte Car2go-Geschäftsgebiet sehen Sie im Video:

Unsere Karte zeigt das neue Geschäftsgebiet von Car2go in Stuttgart und Umgebung:

Redaktion Stammheim

Ansprechpartner
Chris Lederer
stammheim@stz.zgs.de

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