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Stuttgarter Fasching Tanzmariechen in Regencapes und drei Strumpfhosen

Von Götz Schultheiss 

Mehrere Zehntausend Zuschauer, so eine Schätzung der Polizei, haben am Dienstag den Faschingsumzug mit 51 Gruppen und rund 2000 Teilnehmern durch die Stuttgarter City genossen.

Stuttgart - Ab 12 Uhr sind die Umzugsteilnehmer mit der Dekorierung ihrer Wagen beschäftigt. Den Wagen der Karnevalsgesellschaft Grün-Schwarz Stuttgart ziert ein Plakat. Es zeigt die mit einer blauen Europa-Fahne bekleidete Angela Merkel in der Pose des antiken Helden Herkules. Als Merkules versucht sie, die EU zu retten. Mit dem ­trüben Wetter haben die Veranstalter kein Schwein. Dafür ist ein überdimensionales rosa Schwein im Umzug auf dem Festwagen des Schweinemuseums dabei. „Wir werben heute für das größte Schweinemuseum der Welt“, sagte Christine Arnold, Assistentin der Museumsleiterin.

Gegen 13 Uhr, die Umzugsteilnehmer sind noch mit dem Aufbau der Festwagen ­beschäftigt, frischt der Wind auf. Doch die Festzugsorganisatoren haben vorgesorgt. „Wir haben die Werbebanner an den Absperrgittern am Schlossplatz und am Marktplatz weggelassen, damit wegen der Segelwirkung den Zuschauern bei Böen die Gitter nicht um die Ohren fliegen“, sagte Roland Klein, Vizepräsident der Gesellschaft ­Möbelwagen und Polizeihauptkommissar. Nach den Silvestervorfällen in Köln habe die Polizei aufgerüstet und stehe mit mehr Kräften in Uniform und in Zivil als bisher bereit. „Im Umzug sind außerdem 75 Ordner ­dabei“, sagte Roland Klein.

Zweimal müssen die Beamten eingreifen. Anders als in der Silvesternacht in Köln, sind die Übeltäter keine Flüchtlinge. Gegen 15 Uhr bedrängt ein Italiener eine Frau am Königsbau und zeigt ihr sein Geschlechtsteil. Ein betrunkener 57-jähriger Deutscher fordert gegen 16 Uhr drei junge Frauen zum Geschlechtsverkehr auf.

Gegen 13.45 Uhr setzt Regen ein. Vom Lautsprecher des Festwagens der Gesellschaft Rosenmontag singt Helene Fischer mit „Atemlos durch die Nacht“ gegen das miese Wetter an. Die leicht geschürzten Tanzmariechen schützen sich mit Plastikumhängen. „Es ist kalt, aber wir haben alle drei Strumpfhosen an. Außerdem wärmt die gute Stimmung“, sagt Gardetänzerin Mareike Seiler von den Roten Funken.

Oberbürgermeister Fritz Kuhn verbreitet gute Stimmung

Leicht verspätet startet der Umzug kurz nach 14 Uhr zu „Mir san mit am Radl da“. An vorderster Front fährt die Kutsche mit dem Oberbürgermeister. „Das Wetter ist schlecht, die Stimmung ist gut“, sagt Fritz Kuhn, der seinen Schirm schützend über ­seine Frau Waltraut Ulshöfer hält. Dann bewegt sich der Zug über Schloss- und Marktplatz zur Tübinger Straße, und das Stadtprinzenpaar Hagen I. und Janine I. heizt dem Publikum mit Faschingsschlagern ein.

Bei der Faschingsparty in der Brauerei Dinkelacker klingt das Narrentreiben ab 16 Uhr aus. „Wir rechnen mit 4000 bis 5000 Gästen“, sagte Dinkelacker-Geschäftsführer Bernhard Schwarz. Mittendrin im Partyrummel sind hohe US-Offiziere: Konter­admiral John Smith von Eucom in Vaihingen und Garnisonskommandeur Oberst Glenn Dickinson. „Das war ein herrlicher Tag. Wir sind auf dem Wagen der Gesellschaft Möbelwagen mitgefahren, und man hat uns die einzelnen Gruppen im Festzug erklärt. Toll, wie man in Stuttgart Fasching feiert“, sagten beide übereinstimmend.

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