Stuttgart von oben – Stammheim Schulbau, Endschleife und der fehlende Platz

Von Chris Lederer 

  Foto: Plavec
  Foto: Plavec

In unserer Serie Stuttgart von oben nehmen wir den Stammheimer Ortskern in den Blick und schauen, was sich in den vergangenen sechs Jahrzehnten städtebaulich verändert hat. Neben der Schulerweiterung und weiteren Aufsiedlungen ist das unter anderem der Umbau der Endschleife.

Stammheim - Martin Hechinger schaut noch einmal genau hin: „An der alten Endschleife sieht man sogar noch die Bahnwaggons der alten Straßenbahn stehen“, sagt der langjährige Vorsitzende des Stammheimer Bürgervereins und schaut sich die Schwarz-Weiß-Fotografie aus dem Jahr 1955 noch einmal genauer an. Von unten nach oben zieht sich die Freihofstraße durch das Bild. Im oberen rechten Eck noch zu sehen: die Endschleife der Linie 5. Heute der 15er. Die Gleise sind herausgerissen worden. Seit 2014 steht dort die Wohnanlage „Kräutergarten“.

„Der Freihofplatz hat sich komplett verändert“

Hechingers Blick streift hinab zum Freihofplatz, der in den 1930er Jahren noch Hindenburgplatz genannt wurde, und wo sich seit 2011 die Endhaltestelle der Stadtbahn befindet. „Der Freihofplatz hat sich komplett verändert“, befindet Hechinger. „Damals stand nur das Gebäude, in dem heute der Hirsch ist.“ Den Winkelbau mit Eisdiele sucht man ebenso vergebens wie den Bürgerbrunnen. Der wurde erst 1979, übrigens auf Initiative des Bürgervereins, aufgestellt. „An der ganzen Kreuzung zur Kornwestheimer, Münchinger und Möglinger Straße hat sich viel verändert, mal abgesehen vom Gasthof Löwen – heute gibt es dort das Hotel Domino, den Netto-Markt, das Bistro Dialog und die Eisdiele.“ Am Platz selbst lässt Hechinger kein gutes Haar: „Der Platz ist ein Schandfleck, man sollte ihn dringend verschönern.“

Auf seinen Heimatort lässt der 67-Jährige nichts kommen: „Stammheim ist der Stadtbezirk im Grünen mit einer hohen Wohn- und Lebensqualität“, schwärmt Hechinger. „Egal wo man sich dort befindet, man ist in wenigen Schritten in der Natur.“ Das gilt wohl für alle Stammheimer, lässt man die Häftlinge der JVA mal außer Acht. Etwas schwerer zu erkennen ist das Bezirksrathaus an der Kornwestheimer Straße, erbaut 1908, renoviert daneben das alte Schulhaus und die Bücherei. Deutlich erkennbar auf beiden Fotos am rechten Rand ist das dreiflügelige Stammheimer Schloss aus dem Jahre 1579, erbaut von Heinrich Schickardt.

Erst Protest, dann grünes Licht für den Rundbau

Unten links hingegen sieht man auf dem Foto von 1955 die Bauarbeiten für das neue Hauptgebäude und die beiden Schulpavillons. Im Jahr 1988 kam der Rundbau hinzu (auf dem Bild von 2015 nur angeschnitten). „Das Schulverwaltungsamt hatte damals verpennt, dass mit der Aufsiedlung von Stammheim-Süd deutlich mehr Kinder herziehen, und man weitere Schulräume gebraucht hat.“ Dass man schnell gebrauchte Betonpavillons aus Büsnau herkarren wollte, habe dem damaligen Rektor Peter Krössinger und einigen Eltern gar nicht gepasst. Es gab Protest und schließlich grünes Licht für einen, später preisgekrönten Rundbau des Architekten Peter Hübner. Scheinbar unverändert am Standort ist das Hauptgebäude der Schule aus dem Jahr 1912, in dem sich der Fachbau befindet. Er wurde in den Jahren 2010 und 2011 für mehr als zwei Millionen Euro saniert und wird voraussichtlich noch vielen Schülergenerationen dienen – die nächste Aufsiedlung im Gebiet Langenäcker-Wiesert ist längst beschlossen.

Redaktion Stammheim

Ansprechpartner
Chris Lederer
stammheim@stz.zgs.de

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