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Bluttat in Stuttgart-Ost Fellbacher Messerstecher ist polizeibekannt

Von Wolf-Dieter Obst 

Polizei und Rettungskräfte am Tatort in Stuttgart-Ost – doch für eine 61-Jährige kommt jede Hilfe zu spät. Foto: SDMG
Polizei und Rettungskräfte am Tatort in Stuttgart-Ost – doch für eine 61-Jährige kommt jede Hilfe zu spät.Foto: SDMG

Ein 31-Jähriger hat seine Freundin niedergestochen und deren Mutter tödlich verletzt. Die Bluttat spielte sich im Haus der 61-Jährigen ab, die dort auch eine psychologische Praxis betrieb. Das Motiv der Tat ist unklar.

Stuttgart - Seelische Belastungen, psychische Erkrankungen, Depressionen, Stress, Burn-out, Notfallkrisen – all das war im Haus einer erfahrenen Wirtschaftspsychologin und Gesprächspsychotherapeutin beruflicher Alltag. Am späten Mittwochabend aber kam es in dem Wohn- und Bürogebäude an der Schellbergstraße im Stuttgarter Osten zu einer privaten und dramatischen Eskalation. Die 61-Jährige hatte ihre Tochter und deren Freund zu Besuch – und der griff bei einem heftigen Streit zum Messer.

Für die 61-Jährige kommt jede Hilfe zu spät, als die Polizei am Tatort, einem ruhigen Wohngebiet in bevorzugter Lage unterhalb der Uhlandshöhe, eintrifft. Nachbarn hatten die lautstarke Auseinandersetzung gehört und gegen 22 Uhr Alarm geschlagen. Zwei Frauen liegen in der Wohnung im zweiten Obergeschoss in ihrem Blut. Die 61-Jährige ist tot, ihre 31-jährige Tochter kommt mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus. Inzwischen ist sie außer Lebensgefahr. Tatverdächtig ist der 31-jährige Freund der Tochter, der sich von den Beamten widerstandslos festnehmen lässt.

Der Verdächtige ist polizeibekannt

Eine Beziehungstat. Ob der Mann die 31-Jährige im Haus ihrer Mutter aufgesucht hatte, um sie zur Rede zu stellen, ob der Angriff vorrangig der Tochter galt, ob die 61-Jährige schlichtend dazwischen gehen wollte – all das ist noch Spekulation bei den Ermittlungen der Mordkommission. Der Mann gibt den Ermittlern Rätsel auf. Im Bundeszentralregister gibt es nach Angaben der Staatsanwaltschaft keine Eintragungen, keine Vorstrafen über ihn. Und doch ist er offensichtlich polizeibekannt. Es heißt, dass er schon mal wegen Körperverletzungsdelikten aufgefallen sei, auch wegen Diebstahls und Hehlerei. Auch mit Drogen, heißt es, soll er zu tun gehabt haben. In welchem Ausmaß, ist unklar.

Auf den ersten Blick ist auch nicht erklärbar, wie der 31-jährige Deutsche, der aus Fellbach stammt, sich in diesen Kreisen bewegt hat – nimmt man das zum Maßstab, was er auf dem Kerbholz haben soll. Die 31-Jährige ist, wie es heißt, Akademikerin im medizinischen Bereich. Die Mutter hatte ein psychologisches Beratungsunternehmen aufgebaut, beriet Firmen in allen Größen und verschiedenen Branchen, war gelernte Gesprächstherapeutin, Inhaberin einer psychologischen Praxis, unterstützte mittelständische Unternehmen beim betrieblichen Gesundheitsmanagement. Das alles endete am späten Mittwochabend, als der 31-jährige Fellbacher zum Messer griff und die beiden Frauen niederstach.

Zum Motiv herrscht Schweigen

Der Beschuldigte wurde am Donnerstagnachmittag einem Haftrichter vorgeführt, der ihn sogleich in Untersuchungshaft schickte. Die Tat ist damit freilich nicht vollständig geklärt. „Bei den Vernehmungen hat der Beschuldigte die Tat gestanden“, sagt Polizeisprecher Tobias Tomaszewski, „zum Tatmotiv machte er aber keine Angaben.“ Dies kann freilich in den nächsten Wochen in aller Ruhe ermittelt werden.

Für die Stuttgarter Polizei ist es der erste Mordfall dieses Jahres. Das letzte Tötungsdelikt im familiären Bereich liegt schon einige Monate zurück, als ein 52-Jähriger im Oktober im Stadtteil Riedenberg in der Wohnung seine Ehefrau und seinen 16-jährigen Sohn tötete. Nach einem gescheiterten Suizidversuch meldete er sich selbst bei der Polizei. Auch dieser Fall konnte schnell geklärt werden.

Seelische Belastungen, psychische Erkrankungen, Depressionen, Stress, Burn-out, Notfallkrisen – ein Bündel von Ursachen, das auch mit einem Tötungsdelikt enden kann. Ebenfalls am Donnerstag landete ein 70-Jähriger vor dem Haftrichter. Ihm wurde vorgeworfen, in Kirchentellinsfurt (Kreis Tübingen) seine 69-jährige Ehefrau im Streit erwürgt zu haben. Der Mann räumte ein, handgreiflich geworden zu sein.

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