Stuttgart 21 Stadt mahnt bei der Bahn mehr Informationen an

Von Josef Schunder 

Bei einem Vortrag vor Stadträten standen Bahn-Verantwortliche Rede und Antwort.

Stuttgart - Die Projektverantwortlichen der Bahn bleiben dabei: Im Dezember 2020 sollen der neue Bahnknoten Stuttgart und die ICE-Strecke Wendlingen–Ulm regulär in Betrieb gehen. Ansonsten blieben sie im Rathaus wieder manche Antwort schuldig.

Wenn die Bahn Abgesandte ankündigt, die sich zu den Bahnprojekten äußern sollen, sind im Rathaus die Erwartungen stets gedämpft. Werden sie überhaupt kommen? Und werden sie wirklich etwas sagen? Das fragten sich die Stadträte im Ausschuss für Umwelt und Technik auch. Als die drei Vertreter der DB Projekt-Bau GmbH wieder gingen, hatten sie untermauert, dass der Tiefbahnhof Ende 2020 in Betrieb gehen soll und dies auch bei der Neubaustrecke die „derzeitige Planung“ sei. Ansonsten blieb vieles offen.

Der Abbruch des Landespavillons solle noch im Mai erfolgen

Wie es um das Grundwassermanagement beim Bahnhofsbau steht, wollte das Trio nicht sagen. Dazu will es im Juni wieder kommen. Wenn der vom Bund für Umwelt und Naturschutz erzwungene gerichtliche Baustopp aufgehoben sei, gehe es planmäßig weiter, hieß es. Die Formulierung, dass wegen eines Formfehlers die Nachbeteiligung der Umweltschützer am Genehmigungsverfahren nötig geworden sei, zogen die Bahn-Vertreter wieder zurück. Den falschen Umgang mit Beteiligungsrechten und Artenschutz könne man nicht so abtun, hatten die Grünen moniert.

Was ist außerdem 2012 rund um die S-21-Baustellen zu erwarten? Nach der Änderung des Abbruchkonzeptes wegen brütender Falken solle der Teilrückbau der ehemaligen Bahn-Direktion noch diese Woche beim Hintergebäude Jägerstraße 24 weitergehen, sagten die Bahn-Vertreter. Der Abbruch des Landespavillons solle noch im Mai erfolgen. Für den Bau der unterirdischen Talquerung mit Tiefbahnhof werde es im Juni erste Sondierungsbohrungen geben. Auf dem Kiesinger-Platz spüre man zurzeit Fliegerbomben nach. Ende Mai solle auf der schon abgesperrten Fläche vor dem Nordausgang des Bahnhofs die Baugrube für das Technikgebäude des Tiefbahnhofs geöffnet werden.

Aus dem Unfall, bei dem eine Frau vor der Baustelle verletzt wurde, habe man gelernt

Den Abbruch des Südflügels will die Bahn im Juli beenden. Aus dem „bedauerlichen Unfall“, bei dem eine Frau vor der Baustelle am Südflügel verletzt wurde, „haben wir gelernt“, hieß es. Während der Arbeiten würden Fußwege gesperrt. Der Bauzaun sei erhöht worden. Auf der anderen Seite des Südflügels würden im Moment die Betonstützen des Bahnsteigdaches bei den Gleisen 15 und 16 durch Stahl ersetzt. Dass die Bahnsteige dort zeitweise wieder freigegeben waren, ja von den Bahn-Vertretern am Dienstag irrtümlich noch als freigegeben bezeichnet wurden, rief bei Gangolf Stocker (SÖS) scharfe Kritik hervor. Zeitweise habe die Bahn fahrlässig Gesundheit und Leben von Menschen riskiert. Die Stützen, die ersetzt werden, seien in Schräglage geraten, nachdem ein Bagger eine Stütze beschädigt hatte und das Bahnsteigdach teilweise eingestürzt war. Das übrige Dach stehe unter Spannung.

Im Interesse ihres Projektes, meinte Roswitha Blind (SPD), solle die Bahn mehr Transparenz und Sorgfalt schaffen, weniger Pannen produzieren. Jochen Stopper und Peter Pätzold (Grüne) kritisierten, dass man um Auskünfte ringen müsse: „Eigentlich müssten der OB und die Bahn laufend Substanzielles berichten.“ Das Informationsangebot vor Ort und im Rathaus müsse besser und regelmäßig beigebracht werden, lautete die Forderung, die von den bürgerlichen Fraktionen aber moderat vorgetragen wurde. Alexander Kotz (CDU) forderte auch Aussichtsplattformen. Er appellierte an die S-21-Kritiker, nicht jedes Problem gegen das vom Volk durchgewinkte Projekt zu verwenden. Unfälle mit Personenschäden seien nicht zu vermeiden. „Das ist menschenverachtend“, hielten ihm S-21-Gegner unter den Zuhörern vor. Der Volksentscheid habe nur dem Finanzbeitrag des Landes gegolten.

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Stuttgart 21 Kanzleramt soll S-21-Papiere freigeben

Von 25. Mai 2016 - 5:00 Uhr

Verhandlungstermin: Projektkritiker wollen beim Verwaltungsgericht Berlin die vollständige Einsicht in die Unterlagen zum umstrittenen Weiterbau durchsetzen.