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Stuttgart 21 OB Schuster wirbt für ein Nein zum Ausstieg aus S21

Michael Isenberg, vom 22.11.2011 18:03 Uhr
 Foto: StN
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Stuttgart - In einem Brief an alle 370.000 Wahlberechtigten bittet OB Wolfgang Schuster die Bürger um Teilnahme an der Volksabstimmung. Das Schreiben wirbt intensiv für Stuttgart21. Das Gebot, keine konkrete Stimmempfehlung zu geben, sieht der OB trotzdem als erfüllt an.

An diesem Mittwoch sollen die ersten Briefe in den Briefkästen stecken. Mit dem dreiseitigen Schreiben - das inklusive Porto 130.000 Euro kostet - wendet sich OB Wolfgang Schuster (CDU) persönlich an jeden der 370.000 wahlberechtigten Stuttgarter Bürger und bittet um Beteiligung an der Volksabstimmung über einen Ausstieg des Landes aus der S-21-Finanzierung.

"Am Sonntag entscheiden Sie über die Zukunft unserer Stadt", schreibt Schuster in der Anrede. Weil es bei dem Projekt "nicht nur Schwarz oder Weiß" gebe, müssten Vor- und Nachteile abgewogen werden. "Ich möchte Ihnen helfen, die richtige Entscheidung zu treffen", schreibt Schuster. In zwei Absätzen listet er auf, was sich mit einem "Ja" oder "Nein" zum S-21-Kündigungsgesetz verbindet. Die Argumentation zielt klar gegen einen Ausstieg aus S21.

Mit einem "Ja" entscheide sich der Bürger laut OB-Brief dafür, dass die "alten, maroden Gleisanlagen und der sanierungsbedürftige Hauptbahnhof" blieben. Und weiter: "Es ist meine Pflicht Ihnen zu sagen, dass wir Bürger Schadenersatz in schwindelerregender Höhe, mehr als 1,5 Milliarden Euro, an die Bahn zahlen müssen", so Schuster. Hinzu kämen 1,3 Milliarden Euro für die Sanierung des Altbestands, wobei "völlig offen" sei, wer dafür aufkomme.

Ein "Nein" stehe für den Weiterbau an S21, so Schuster. Neben besseren Zugverbindungen verbinde sich damit die "historische Chance", über 100 Hektar in der City "zum Leben, Wohnen, Arbeiten und Wohlfühlen" zu erschließen und den Park um 200.000 Quadratmeter zu erweitern. Der neue Stadtteil Rosenstein könnte das "erste CO2-freie Stadtquartier Europas" werden. Schusters Schlusssatz: "Am 27.November haben Sie die Wahl - Sie entscheiden!"

Die kommunalen Landesverbände haben alle Städte und Amtsträger bereits ermahnt, dass für sie bei der Volksabstimmung ein "Sachlichkeits- beziehungsweise Objektivitätsgebot" gelte. Nur falls dies berücksichtigt werde, seien Aussagen für und gegen S21 zulässig. "Verstöße kann jeder Stimmberechtigte beim Staatsgerichtshof auf eine unzulässige Beeinflussung der Abstimmung überprüfen lassen", warnt der Verband.

"Der OB ist nicht zur absoluten Neutralität verpflichtet; er muss sich in seinen Aussagen allerdings mäßigen, und das tut er", sagt Schusters Sprecher Markus Vogt am Dienstag. "Der OB macht in dem Brief keine politische Werbung", betont Vogt. Bei seinen positiven Aussagen zum Bahnprojekt berufe sich Schuster auf viele, "mit großer Mehrheit gefasste zustimmende Gemeinderatsbeschlüsse". In der aktuellen Debatte komme der Städtebau laut OB zu kurz, sagt Vogt: "Deshalb sieht er es als seine Pflicht an, sich mit Argumenten dazu einzumischen. Der Brief an alle Bürger ist ihm auch ein großes, persönliches Anliegen."

Die grün-rote Landesregierung hat bereits vor einigen Tagen an alle fünf Millionen Haushalte im Land eine Broschüre mit einem Pro und Contra zu S21 verschickt. Kosten: 800.000 Euro zum Festpreis. Auch der Verband Region Stuttgart (VRS) hat eine mehrseitige Infobroschüre aufgelegt, die in einer Auflage von einer Million Exemplaren an alle Haushalte in der Region geht. Kosten: nach jetzigem Stand 200.000 Euro.

Kommentare (180)
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NOV
27
23:13 Uhr, geschrieben von Tz.
Offensichtlich doch
Offensichtlich spricht OB Schuster doch für die Mehrheit der Stuttgarter. Allen Beschimpf- und Beleidigungen zum Trotze.
NOV
27
00:14 Uhr, geschrieben von Adrian Weiß (Backnang)
Stuttgart = 20 Jahre Großbaustelle?
Bei einem Bauprojekt, das weder solide finanziert noch solide geplant ist, drohen massive Bauzeit- und Baukosten-Überschreitungen. Das weiß jeder Häuslebauer, und das konnten wir alle in der Vergangenheit an Dutzenden öffentlichen Bauvorhaben beobachten. Besonders die Deutsche Bahn ist einschlägig bekannt für Ewigkeits-Baustellen, bei denen die Kosten vollkommen aus dem Ruder laufen (z.T. aufs dreifache!). Die Besorgnis der Menschen, dass die Stadt Stuttgart auf 20 Jahre oder länger in eine nicht enden wollende Großbaustelle verwandelt wird, sind mehr als berechtigt. Die finanziellen Reserven für Stuttgart21 sind bereits heute aufgebraucht – bevor auch nur ein Meter Tunnel gegraben wurde! Komplikationen beim Bau werden also automatisch zur Überschreitung des Kostenrahmens führen. Dann folgt der Streit, wer die zusätzlichen Milliarden zahlen muss – und die Baustelle bleibt liegen. Keine guten Aussichten für Stuttgart! Deshalb JA ZUM AUSSTIEG, rechtzeitig bevor die Bauarbeiten beginnen!
NOV
26
21:19 Uhr, geschrieben von Claudia Wenzel
Schlichterspruch? Ignoriert! SMA-Forderungen? Ignoriert! Lügenbarone Grube und Kefer richten sich die Welt, wie sie ihnen gefällt!
In der Schlichtung hat Herr Geißler erklärt, dass Stuttgart21 nur mit erheblichen Nachbesserungen zu akzeptieren ist. Hat die DB Stuttgart 21 nachgebessert? Nein! Die DB hat keine der Auflagen erfüllt, den selbstgemachten Stresstest aber trotzdem für bestanden erklärt und anschließend die (wirtschaftlich von der DB abhängige!) Firma SMA beauftragt, dass ganze nochmals zu bestätigen. SMA hat wiederum vorsichtig und untertänigst Mängel angemeldet, aber da hatte die DB schon an die Medien herausposaunt: Stresstest endgültig bestanden! Für wie dumm halten Grube und Kefer die Menschen eigentlich? Die Rechnung wird nicht aufgehen: Heute JA zum Ausstieg aus dem schlechtesten Bahnhofsprojekt aller Zeiten!
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