Stuttgart 21 Heißluft-Helikopter ersetzt Bahntunnel

Von Jürgen Bock 

Stuttgart 21: Statt ICE-Strecke zum Airport - Grüne wollen Flughafen alternativ anbinden.

Stuttgart - Nach Landtagswahl und Baustopp ist die Zukunft des Projekts Stuttgart 21 offen. Die Grünen stellen insbesondere die Strecke zum Flughafen infrage. Würde sie nicht gebaut, planen sie gemeinsam mit der Bahn eine Alternative: Reisende sollen einen Hubschrauber-Service vom Hauptbahnhof auf die Filder nutzen.

Die Idee des Grünen-Abgeordneten und möglichen neuen Verkehrsministers Werner Wölfle soll erstmals in den Koalitionsgesprächen mit der SPD auf den Tisch kommen. „Der Tiefbahnhof ist eine Luftnummer, also lag der Vorschlag nah“, sagt er. Informelle Vorgespräche mit Bahn-Chef Rüdiger Grube soll es bereits gegeben haben. Man setze zwar weiter auf Stuttgart 21, könne sich aber im Falle des Scheiterns durchaus vorstellen, in die Luft zu gehen, heißt es in Bahnkreisen.

Geplant ist, auf dem Turm des Bonatzbaus eine Landeplattform zu errichten, die der auf dem Dach des Katharinenhospitals ähnelt. Der Zugang soll durch die heutige Stuttgart-21-Ausstellung erfolgen, deren Räume dem Check-in-Bereich weichen müssten. Der Direktflug nach Echterdingen soll nur drei Minuten dauern. Passagiere mit mehr Zeit sollen zusätzlich einen einundzwanzigminütigen Rundflug über die Innenstadt buchen können. Dabei werden sie von einer Touristenführerin von Stuttgart-Marketing begleitet. Zum extra dafür aufgelegten neuen Programm „Stuttgart geht nach oben“ gehören außerdem ein vogelkundlicher Führer und eine Butterbrezel.

„Erreichen könnte man damit vor allem zahlungskräftige Geschäftsreisende, von denen es in Stuttgart genug gibt“, sagt ein Bahnsprecher. Das Modell habe sich andernorts bereits bewährt. In New York etwa sei es üblich, per Helikopter in die Innenstadt zu fliegen. Kosten könnte ein solcher Flug nach Angabe der Grünen 100, laut Bahn rund 10.000 Euro. Der tatsächliche Preis dürfte in der Mitte liegen. Kunden mit Bahncard bezahlen lediglich die Hälfte. Reisende erster Klasse könnten einen Alleinflug genießen, Nutzer der zweiten Klasse müssten sich den Hubschrauber mit bis zu acht Mitreisenden teilen.

Nach Informationen dieser Zeitung steht bereits ein möglicher Betreiber fest. Die deutsch-türkische Fluglinie Cem Air hat bereits erste positive Erfahrungen mit Hubschrauberflügen vom Airport in Richtung Innenstadt gesammelt. Nach deren Angaben sollen die verwendeten Fluggeräte mit einem völlig neuartigen, ökologischen Antrieb ausgestattet werden: Verwendet wird ausschließlich heiße Luft, die im Rathaus und im Landtag gewonnen wird. OB Wolfgang Schuster (CDU) soll bereits zugesagt haben, sich in seiner nächsten Amtszeit für Luftspeicher in den verschiedenen Fraktionszimmern starkmachen zu wollen.

Allerdings ist auch Widerstand gegen das ambitionierte Projekt zu erwarten. Weichen müsste der Mercedes-Stern auf dem Bahnhofsturm. Daimler will sich zunächst nicht konkret zu den Plänen äußern. Ein Sprecher sagt lediglich: „In Accordance mit unserem internen Wording-Agreement negieren wir die Bereitschaft, ein Statement zu publizieren.“ Der Autobauer soll jedoch in Gesprächen mit der Stadtverwaltung bereits einen Ersatzstandort für einen rotierenden Stern gefordert haben. Diskutiert werden die Staatsoper und der Fernsehturm.

Auch der Gemeinderat muss erst noch seine Zustimmung geben. Die Pläne sollen nun erst einmal in den Ausschuss für Umwelt und Technik eingebracht werden. Ob sie mehrheitsfähig sind, hängt auch vom weiteren Verlauf der Verhandlungen zu Stuttgart 21 ab. Doch für den Fall der Fälle wäre Cem Air bereit zum Abheben.

 

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Stuttgart 21 Grüne wollen über Zusatzgleise zum Bahnhof sprechen

Von 20. Juni 2016 - 9:00 Uhr

Bis Ende 2018 will die Bahn die Freigabe für den Abbau der alten Gleise in der Stadt erhalten. Der Gemeinderat muss entscheiden, was er erhalten will.