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Stuttgart 21 Gesamtprojektleiter Azer verlässt S 21

Michael Isenberg, vom 16.05.2011 14:46 Uhr
Hany Azer Foto: Kraufmann
Hany Azer Foto: Kraufmann
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Stuttgart - Der für Stuttgart 21 und die ICE-Neubaustrecke Wendlingen-Ulm verantwortliche Gesamtprojektleiter Hany Azer gibt seinen Job auf. Die Deutsche Bahn AG teilte den Weggang Azers am Montagnachmittag mit.

Hany Azer habe Stuttgart 21 am 1. April 2008 „in einer sehr schwierigen Phase übernommen“, wird Bahn-Chef Rüdiger Grube in der Mitteilung zitiert. „Seitdem führte er das Projekt mit hohem technischem Sachverstand und beispielslosem persönlichem Einsatz. Dafür bin ich ihm sehr dankbar“, lobt Grube den Topingenieur, mit dem er – wie Vorgänger Hartmut Mehdorn – per Du ist. „Auch wenn wir es außerordentlich bedauern, müssen wir die Entscheidung natürlich respektieren“, so Grube.

Arbeiten nur mit Personenschutz

Als Grund für den Rückzug des 61-jährigen Ingenieurs nennt die Bahn die „Anfeindungen bis hin zu Drohungen“, denen Azer sich immer wieder ausgesetzt sah. Zuletzt sei es ihm „nur unter Personenschutz“ möglich gewesen zu arbeiten. Nach Informationen unserer Zeitung sollen auch die Ehefrau und die erwachsenen Söhne, die in Nordrhein-Westfalen leben, von S-21-Gegnern angefeindet worden sein. In Stuttgart wurde Azer von Personenschützern der Bahn begleitet; Objekt- oder Personenschutz der Polizei hatte er nicht.

Azer habe sich „nach reiflicher Überlegung“ entschlossen, die Stelle des Projektleiters abzugeben. Das ist die offizielle Lesart der Bahn. Hinzu kommen angeblich gesundheitliche Gründe. Es ist allerdings kein Geheimnis, dass der Ingenieur im Konzern nicht unumstritten war.

Zuletzt hatte sich Azer auch den Groll der Chefetage zugezogen. Volker Kefer, Vorstand für Infrastruktur und Technik, hätte sich in der S-21-Schlichtung voriges Jahr gewünscht, dass sein Projektleiter „mehr tut und mehr in den Vordergrund tritt“, erinnert sich ein Bahn-Mitarbeiter. Auch bei anderer Gelegenheit, etwa einem Auftritt Grubes mit S-21-Architekt Christoph Ingenhoven, hatte sich Azer provozierend am Rand gehalten und sich so den Unmut Grubes zugezogen. „Durch unprofessionelle Aktionen hat er sich ins Aus manövriert“, kritisiert ein Bahn-Manager. Auch gegenüber Politik und Medien konnte Azer auf stur schalten.

Kommentare (92)
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MAI
21
08:03 Uhr, geschrieben von Andreas Reinert
Dr.
Eine kleine Meldung in der Nachrichtenflut: Einer der renommiertesten Tunnelbauexperten in Europa, Hany Azer, bislang Projektleiter und Chefplaner von Suttgart 21, gibt seine Tätigkeit auf. Er habe "sich immer wieder persönlichen Anfeindungen bis hin zu Drohungen ausgesetzt gesehen" und konnte zuletzt "nur unter Personenschutz"arbeiten (17. Mai). Wie immer man sich zu Stuttgart 21 stellen mag: Das darf nicht passieren. Neben dem beklagenswerten Verlust an sachlicher Kompetenz stellen wir unserer politischen Kultur damit selbst ein Armutszeugnis aus, was wiederum von mangelndem Demokratieverständnis zeugt. Der politisch-demokratische Streit hat seine Grenze an persönlichen Bedrohungen und Gefährdungen von Einzelnen mit ihren Familien.
MAI
19
23:01 Uhr, geschrieben von W.
Azer WURDE weggemobbt, eindeutig - mal sehen, wie es weiter geht
Hany Azer hat im Interview gesagt (Frage: "Haben Sie beim Bau des Berliner Hauptbahnhofs auch Erfahrungen mit protestierenden Berlinern gemacht?"), und das zeigt seine seelische Verfassung: "Die Berliner haben mich bejubelt und beklatscht. Es gab Kritik, aber weder gegen den Bau des Hauptbahnhofs, des Südkreuzes oder der Nord-Süd-Trasse unter dem Tiergarten habe ich Widerstand erlebt. Im Gegenteil. Die Berliner sind stolz auf diese Bauten. - Haben Sie in Berlin jemals daran gedacht, ihren Job hinzuwerfen? - Nein. Rückblickend war meine Zeit in Berlin schwierig, aber schön." Einen solchen Mann in Stuttgart weggeschimpft, wegbeleidigt und wegbedroht zu haben, gereicht den Stuttgartern nicht zur Ehre. Die ganze Republik schüttelt den Kopf darüber, überall in der Presse ironische Anspielungen, offene Kritik und Unverständnis. Wenn DIESE Methode Schule macht, dann wird sich auch niemand finden, der K21 gescheit bauen könnte. Wer geht schon freiwillig in eine Stadt, die einem Hexenkessel gleicht, voll eifriger Hexenjäger?? Was ist aus Stuttgart geworden?? Heute würden sie wohl Carl Benz mitsamt seiner stinkenden Erfindung zum Teufel jagen!
MAI
18
18:06 Uhr, geschrieben von Tübinger
Matthias Oomen,
der Bundespressesprecher von "Pro Bahn" schreibt zum Abgang von Herrn Azer in facebook: "Der Rücktritt von Hany Azer verdeutlicht in erster Linie, wie wichtig es unterm Strich ist, Personen mit persönlicher Verantwortung auch persönlich verantwortlich zu machen und diese Personen mit der persönlichen Verantwortung zu konfrontieren. Eine Taktik, die ausbaufähig ist, dem nachfolgenden Bauleiter darf es hier an dieser Stelle nicht anders gehen." Und dieser Mann spricht auf der nächsten Großdemo? da hat man ja den Richtigen...
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