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Stuttgart 21 Der Schlichterspruch im Wortlaut

StN, vom 30.11.2010 18:30 Uhr
Heiner Geißler Foto: dpa
Heiner Geißler Foto: dpa

Dr. Heiner Geißler 30. November 2010 Schlichtung Stuttgart 21 PLUS

1. Am Mittwoch, 06.10.2010, wurde ich im Landtag von Ministerpräsident Mappus als Schlichter für den Streit um den Tiefbahnhof Stuttgart 21 und um die Neubaustrecke Ulm-Wendlingen vorgeschlagen, vom Fraktionsvorsitzenden Kretschmann in derselben Sitzung bestätigt, nachdem am Tag zuvor der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Stuttgarter Stadtrat Werner Wölfle meinen Namen für diese Aufgabe genannt hatte. Dem schlössen sich alle Landtags-Fraktionen an. Das Aktionsbündnis gegen S 21 stimmte daraufhin am 12. Oktober meiner Nominierung zu. Am 15. Oktober 2010 einigten sich Projektgegner und Projektbefürworter darauf, sich an einen Tisch zu setzen und mit dem Schlichtungsverfahren zu beginnen. Zuvor war Einigung über den Inhalt der Friedenspflicht und deren Einhaltung während der Schlichtungsgespräche erzielt worden. Am 22. Oktober begann die erste Schlichtungsrunde.

2. Das Verfahren war als Fachschlichtung gedacht, wobei offen blieb, ob diese in eine Ergebnisschlichtung verbunden mit einem Votum des Schlichters münden sollte. Es war klar, daß daraus keine rechtliche Bindung entstehen konnte, wohl aber eine psychologische und politische Wirkung die Folge war. Der Begriff Schlichtung Stuttgart 21 setzte sich dann auch in der Öffentlichkeit durch.

3. Bund und die Länder Baden-Württemberg und Bayern (wegen Neu-Ulm-21) sich auf eine Vorfinanzierung geeinigt hatten, genehmigte der Aufsichtsrat der DB am 14. März 2001 das Projekt. Damit wurde der Weg für die Einreichung der Planfeststellungsunterlagen geebnet. Am 31. Oktober 2001 wurde das erste Planfeststellungsverfahren beim Eisenbahnbundesamt eröffnet. In den darauffolgenden Jahren wurde das Projekt von allen zuständigen parlamentarischen Gremien mehrheitlich gebilligt und insoweit legalisiert. Dennoch formierte sich schon frühzeitig Widerstand gegen S 21, der sich vor allem im Laufe des Jahres 2010 zu massenhaften Demonstrationen mit bis zu über 60.000 Teilnehmern äußerte. Der Spalt ging quer durch die gesamte Stadtbevölkerung und bewegte zunehmend auch die Bevölkerung Baden-Württembergs. Auch die Befürworter gingen auf die Straße. Am 30. September 2010 eskalierte der Protest. Bei einer Demonstration kam es zur Konfrontation der Protestbewegung mit der Polizei mit der Folge von über 100 Verletzten, darunter zwei Schwerverletzten.

Diese Entwicklung, mit negativem Echo bis in die USA, hatte die Bevölkerung und die politisch Verantwortlichen erschüttert. Sie hatte regionale und überregionale Gründe und ist nur zu verstehen auf dem Hintergrund einer massiven Vertrauenskrise der Politik im Allgemeinen und einer speziellen ebenfalls massiven Kritik an der Art und Weise des Zustandekommens und der Durchführung des Projekts S 21. In den Augen vieler Bürgerinnen und Bürger waren mit ihm mehr ökologische, geologische und finanzielle Risiken als wirtschaftlichen Chancen verbunden. Wichtiges Ziel der Schlichtung war daher, durch Versachlichung und eine neue Form unmittelbarer Demokratie wieder ein Stück Glaubwürdigkeit und mehr Vertrauen für die Demokratie zurückzugewinnen. Die Schlichtung hat mit dem sachlichen Austausch von Argumenten unter gleichberechtigter Teilnahme von Bürgern aus der Zivilgesellschaft etwas nachgeholt, was schon vor vier oder fünf Jahren hätte stattfinden sollen. Die Schlichtung konnte jedoch diesen Fehler nur teilweise reparieren.

Kommentare (16)
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DEZ
03
21:22 Uhr, geschrieben von Anonymer Benutzer
Warum ist K21 besser als S21 plus?
- ein modernisierter Kopfbahnhof erfüllt die verkehrlichen Belange der Zukunft, dazu ist kein neuer Bahnhof nötig - integraler Taktfahrplan möglich, d.h. optimierte Zugverbindungen realisierbar (nicht möglich bei nur 8 oder 10 Gleisen) - kein Gefälle im Bahnhof, dadurch weniger Risiken für Züge und Menschen (Rollstühle, Kinderwägen, Rollkoffer) - höhere Sicherheit durch weniger Tunnelstrecke - ebenerdiger Zugang zu den Gleisen bleibt erhalten - ökologischer: weniger Energieverbrauch ohne künstliche Beleuchtung, Rolltreppen, Aufzüge - kein massiver Eingriff ins Stadtzentrum - kein Grundwassermanagement erforderlich, daher keine Gefahr des Vertrocknens von Bäumen und keine Verschandelung des Stadtbilds durch blaue Rohre - keine weitere Zerstörung des denkmalgeschützten Bonatzbaus - der mittlere Schlossgarten bleibt vollständig erhalten - keine Bedrohung artenschutzrechtlich geschützter Tiere wie Juchtenkäfer oder Fledermäuse - kein 8 Meter hoher Wall, der das Stadtzentrum von Nord nach Süd zerschneidet - keine geologischen Risiken durch aufquellenden Gipskeuper - keine Risiken für das Mineralwasser - keine Risiken durch Platzierung des Bahnhofstrogs quer zu den Grundwasserströmen - das Gleisfeld mit wertvollen Schotterflächen bleibt erhalten (Lebensräume für Tiere und Pflanzen) - kein Abtransport von Tunnelaushub im Stadtzentrum durch LKWs erforderlich (Feinstaub) - freie Flächen können sofort und nicht erst in 10 Jahren oder noch später genutzt werden - kulturelle Angebote wie z.B. die "Röhre" bleiben erhalten - kostengünstiger, selbst wenn man die Ausstiegskosten dazurechnet - schönere Einfahrt in die Stadt statt Fahrt im Tunnel unter der Stadt durch (in Feuerbach in den Tunnel und erst auf den Fildern wieder ans Tageslicht) - der Kopfbahnhof vermittelt den emotionalen Wert des Ankommens und Abfahrens und nicht des Durchrauschens - modulare Umsetzung ist von der Bahn eher zu bewältigen als das Großprojekt S21 oder S21 plus - barrierefreie Fluchtwege sind bei S21 plus gar nicht realisierbar - breitere Bahnsteige sind bei S21 plus ebenfalls nicht realisierbar - Verpflanzung großer alter Bäume ist bei S21 plus nicht realisierbar - geringere Unterhaltungskosten (Strom, Instandhaltung der Glasaugen etc.) Heiner Geißler hat all das zwar erkannt, aber letztendlich als Parteisoldat gehandelt, um seine CDU zu retten. Wir bleben trotzdem OBEN!
DEZ
02
11:12 Uhr, geschrieben von Stuttgarter
Es ist Geld in Massen da für S21 Plus, aber der Ausstieg ist zu teuer?
Das ist nur einer der Widersprüche in Geißlers Argumentation.
DEZ
02
10:13 Uhr, geschrieben von FraTreno
Schlichterspruch oder schlichter Spruch?
Für die Proler wird eher die Variante 2 gelten. Schon verkündet das Frollein Gönner, SMA hätte gemeint, Gleis 9 und 10 wären unnötig. Während der Schlichtungspausen wurde in Phönix ein Interview mit dem taffen Frollein gesendet, in dem sie behauptet, der Fahrplan bei S21 wäre längst durchsimuliert und funktioniert. In der Schlichtung dann versprach Bahn-Kefer, eine noch ausstehende Fahrplansimulation nachzureichen, nachdem die K21er Schwachstellen im Fahrplankonzept nachwiesen. Hat das Frollein nun gelogen oder keine Ahnung von dem sie spricht? Parallel zur Schlichtung, so im Spiegel zu lesen, haben Bahn und Baukonzerne schon mal über die Tunneljobs verhandelt, so dass bald die Angebote abgegeben werden können. Dabei galt die Friedenspflicht auch für die Bahn! Bei den Bäumen, die den Bauwütigen im Weg stehen, wird man leider, leider feststellen, dass sie alt und krank sind und notgeschlachtet werden müssen. Das liesse sich endlos fortsetzen… Parteisoldat Geissler reihte sich zu guter letzt auch noch wider besseres Wissen geschmeidig in Reih und Glied seiner vor der Landtagswahl bibbernden CDU-Kameraden ein und versteckte sich hinter Juristereien. Dabei ist gerde diese Art von "juritischer Korrektheit" (Unumkehrbarkeit einmal geschlossener Verträge), die die Bürger an unserem System zweifeln und verzweifen lassen. Zwar viel wortreiche aber unverbindliche S21-Kosmetik: Nur ein schlichter Spruch!
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