Stuttgart 21 Baulärm: Arzt schreibt ersten Anlieger krank

Von Michael Deufel 

Die Ramme (links) in Untertürkheim lässt seit Tagen die Anwohner nicht mehr schlafen Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Die Ramme (links) in Untertürkheim lässt seit Tagen die Anwohner nicht mehr schlafenFoto: Lichtgut/Max Kovalenko

Ein Arzt hat den Anlieger einer Stuttgart-21-Baustelle in Stuttgart-Untertürkheim krank geschrieben. Seit Anfang der Woche sind die Anwohner einer erheblichen Lärmbelästigung ausgesetzt, weil die Bahn nachts Spundwände in den Boden rammt.

Stuttgart - Der nächtliche Baulärm in Untertürkheim macht krank: Ein Anlieger der Stuttgart-21-Baustelle an der Benzstraße bekam vom Hausarzt jetzt ein entsprechendes Attest ausgestellt. Das Bezirksamt wurden – wie die direkten Anwohner – wohl nicht über einen bevorstehenden Einbau von Spundwänden benachrichtigt. „Wir waren weder über den Zeitpunkt noch über das Ausmaß der Rammarbeiten informiert“, sagte Bezirksvorsteherin Dagmar Wenzel am Donnerstag.

Seit der Nacht zum Montag rammt die Bahn in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem kleinen Wohnquartier an der Benzstraße zwischen 1 und 5 Uhr Spundwände in den Boden. Die Maßnahme zur Abstützung einer Böschung erfolgt in dieser und in der nächsten Woche jeweils in fünf aufeinanderfolgenden Nächten. Die Bahn bewegt sich dabei nach eigener Auskunft im Rahmen der Vorgaben aus dem Baubeschluss. Die Anwohner beklagen ohrenbetäubenden Lärm, der ihnen die Nachtruhe raubt und Kinder weinend aus dem Schlaf reißt. Aus ihrer Sicht sei „ eine Grenze erreicht, vielleicht auch überschritten“, sagt Bezirksvorsteherin Wenzel. Sie sei bereits bei der Bahn vorstellig geworden.

Ein Lärmgutachter hatte 2013 für die Benzstraße in der nächtlichen Spitze einen Schallpegel von 76,8 Dezibel vorausgesagt. Erlaubt sind in dem wegen seiner Nähe zum Autobauer Daimler als Gewerbegebiet klassifizierten Quartier in der Nacht höchstens 50 Dezibel. Vor gut einem Jahr hatte ein Bürger an selber Stelle infolge Rammarbeiten sogar 102 Dezibel gemessen, was der Beschallung in einer Discothek entspricht. Bei 90 Dezibel können sich Hörschäden einstellen.

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