Stuttgart 21 Bahn muss Pläne nachbessern

Von Konstantin Schwarz 

S-Bahn Station Flughafen Messe Foto: Leif Piechowski
S-Bahn Station Flughafen MesseFoto: Leif Piechowski

Die Deutsche Bahn hat am Dienstag bei der Erörterung ihrer Stuttgart-21-Pläne zum Flughafenanschluss Zusagen an den Gutachter der Stadt Leinfelden-Echterdingen gegeben. Am Tag zuvor war deutlich geworden, dass Uwe Steinborn von der Technischen Uni Dresden von der Bahn veraltete Daten erhalten hatte.

Stuttgart - Die Deutsche Bahn hat am Dienstag bei der Erörterung ihrer Stuttgart-21-Pläne zum Flughafenanschluss Zusagen an den Gutachter der Stadt Leinfelden-Echterdingen gegeben. Am Tag zuvor war deutlich geworden, dass Uwe Steinborn von der Technischen Uni Dresden von der Bahn veraltete Daten erhalten hatte.

Der Experte untersucht die Qualität des von der Bahn zwischen Rohr und Flughafen und im bisherigen S-Bahnhof geplanten Mischbetriebs mit Fern- und Regionalzügen. Die Qualität sei „labil“, die Infrastruktur so nicht zu empfehlen, so lautete sein Fazit. Steinborn erwartete am Montag auch durch leicht veränderte Grunddaten keine wesentliche Veränderung seiner Einschätzung. Am Dienstag zeigte er sich grundsätzlich bereit für ein neues Gutachten, allerdings werde die Simulation Wochen dauern, und noch habe er dafür gar keinen Auftrag.

„Wir werden mit der Bahn zur Frage der Bezahlung sprechen“, sagte der Anwalt Armin Wirsing, der Leinfelden-Echterdingen vertritt. Bürgermeisterin Eva Noller hatte sich am Montag massiv über die Bahn geärgert. Die Kommune hat das Gutachten bezahlt und hatte erwartet, dass die Bahn aktuelle Daten zur Verfügung stellt, so dass vergleichbare Aussagen vorlägen.

Christian Becker, bei der DB Netz Leiter Vertrieb und Fahrplan, sagte am Dienstag bei der Erörterung in der Filderhalle auch eine neue Betriebssimulation und, auf Druck vieler Einwender, ein aktuelles Störfallkonzept für die S-Bahn zu. Becker hatte zuvor das Konzept aus dem Jahr 2011 aus dem S-21-Schlichtungsversuch von Heiner Geißler präsentiert. Dabei waren die S-Bahn-Linien 1, 2 und 3 mit 4, 5 und 6 getauscht worden. Der Verband Region Stuttgart (VRS) als Verantwortlicher für die S-Bahn hat längst erklärt, dass er einen Linientausch nicht akzeptiert. Michael Trippen vom Regierungspräsidium (RP), der die Erörterung zusammen mit Gertrud Bühler leitet, gab den Kritikern des S-21-Filderanschlusses am Dienstag Schützenhilfe. Er unterstütze die Forderung, dass alle Unterlagen zu den neuen Untersuchungen öffentlich gemacht werden, sagte Trippen.

Andreas Kegreiß vom Fahrgastverband Pro Bahn, Hans-Jörg Jäkel von den Ingenieuren 22, Steffen Siegel von der Schutzgemeinschaft Filder und weitere Einwender bemängelten Konflikte, die die Bahn mit ihrer Planung über Rohr und den Flughafen hinaus schaffe. Es gebe heute schon auf der Strecke nach Böblingen und Herrenberg S-Bahn-Problem wegen des Mischbetriebs und Verspätungen. Der VRS fordere daher ein drittes Gleis, genauso auf der Strecke nach Schorndorf. Trotz der bekannten Beispiele plane die Bahn auf den Fildern eine „doppelte Blutgrätsche“ für die S-Bahn mit Kreuzungen und Mischverkehr, sagte Jäkel. Kegreiß erwartet, dass Fahrgäste durch die Bahnpläne Anschlüsse verpassen werden.

Gefordert wurde, auch die Qualität des Notfallkonzepts zu verbessern. Josef-Walter Kirchberg, Anwalt für die Bahn, erklärte, die Bahn müsse für die Baugenehmigung nur die Machbarkeit, nicht die Qualität eines Notfallkonzepts darlegen. Auch die Genehmigungsbehörde Eisenbahn-Bundesamt könne die Bahn „nicht zwingen, etwas anderes zu bauen“, so Kirchberg.

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