Mercedes Benz

Streit um Weindorf in Hamburg Bleibt der Fischmarkt in Stuttgart?

Von Michael Deufel 

Beliebter Treffpunkt bei Jung und Alt: Der Hamburger Fischmarkt auf dem Karlsplatz in Stuttgart. (Archivfoto) Foto: www.7aktuell.de |
Beliebter Treffpunkt bei Jung und Alt: Der Hamburger Fischmarkt auf dem Karlsplatz in Stuttgart. (Archivfoto)Foto: www.7aktuell.de |

Schwäbische Gemütlichkeit an der Waterkant ist umgeschlagen in einen Streit ums Geld: Nach 30 Jahren Weindorf in Hamburg hat der Veranstalter Pro Stuttgart für 2016 die Viertelessause vor dem Rathaus der Hansestadt abgesagt. Besteht jetzt Gefahr für den Fischmarkt?

Stuttgart/Hamburg - Beim Viertele flirtet sich’s einfach leichter. Zuweilen kommt man sich näher, und im besten Fall entsteht daraus ­etwas Festes. Wie damals bei Günther Oettinger. 2008, in einer Laube des Stuttgarter Weindorfs in Hamburg, soll es bei Maul­taschen und Trollinger zwischen dem EU-Kommissar und seiner heutigen Lebensgefährtin Friederike Beyer gefunkt haben.

Die Liebste/den Liebsten beim Viertele zu finden wird in dieser Form in der Hansestadt vorerst nicht mehr möglich sein. Um das Weindorf auf dem Hamburger Rathausmarkt ist ein folgenschwerer Streit entbrannt. Die 31. Auflage ist abgesagt. Die vom 11. bis 28. Juli geplante Veranstaltung wird nicht stattfinden, weil dem Veranstalter Pro Stuttgart Verkehrsverein die Platzgebühren zu hoch geworden sind. „Um rund 170 Prozent will die Behörde die Gebühren innerhalb eines Jahres erhöhen und kündigt damit die städtepartnerschaftliche Beziehung zu Stuttgart“, teilte Pro Stuttgart am Mittwoch in einer Presseveröffentlichung mit.

125 000 Euro Platzmiete statt 46 000 Euro

Mit „Behörde“ ist das Bezirksamt Hamburg-Mitte gemeint. Als Hauptschuldigen hat Pro Stuttgart dabei Andy Grote ausgemacht, der vor kurzem vom Amtsleiter zum Innensenator befördert wurde. Es sei stets schwer gewesen, mit ihm „ins Gespräch zu kommen“, klagt der Pro-Stuttgart-Vorsitzende Werner Koch. „Die unglaubliche Kostensteigerung und das Verhalten des ­Bezirksamts sind geradezu unmoralisch.“ Im aktuellen Fall wurden laut Koch ein Gesprächstermin abgesagt und weitere Gesprächswünsche ignoriert.

170 Prozent mehr Platzgebühren, in Zahlen 125 000 Euro statt wie bisher 46 000 Euro klingen tatsächlich nach viel. Zumal das ­unsichere Wetter in Hamburg für die Abordnung von elf Weindorf-Wirten immer ein ­hohes finanzielles Risiko berge, wie Koch anmerkt. Urlaubsbedingt war von Grote am Mittwoch keine Stellungnahme zu bekommen, dafür von seinem früheren Amt.

Hamburg überrascht die Absage

Die Absage habe die Stadt „völlig überrascht“, sagt die Sprecherin des Bezirksamts, Sorina Weiland. Man bedaure dies, und der Termin bleibe vorerst weiter für die Schwaben reserviert, aber es fehle der Stadt schlicht der Spielraum. Schon 2013 hat demnach Hamburgs Rechnungshof beanstandet, „dass wir den Gebührenrahmen auf Premiumflächen nicht ausschöpfen“. Im Fall der Weindorf-Wirte heißt das: Sie bezahlen zu wenig Platzmiete.

Ein Umstand, dessen Ursprung in der Vergangenheit liegt und mit dem jährlichen Gastspiel des Hamburger Fischmarkts auf dem Stuttgarter Karlsplatz zusammenhängt. 1986 war das Weindorf erstmals Gast auf Hamburgs zentralem Platz, zwei Jahre später begann die Ära des Fischmarkts in Stuttgart. „Damals ist eine gastronomische Städtepartnerschaft entstanden“, sagt Pro-Stuttgart-Geschäftsführer Axel Grau. Die beiden Veranstaltungen durften Lauben respektive Stände elf Tage lang jeweils gebührenfrei betreiben. Da das Weindorf bisher 18 Tage in Hamburg gastierte, bezahlten die Wirte für die zusätzliche Zeit eine Platzgebühr, was Grau völlig in Ordnung findet.

Pro Stuttgart kommt Kuhn zuvor

Das Hamburger Bezirksamt Mitte will den Zusammenhang Weindorf/Fischmarkt nicht mehr herstellen. Es sei allein Sache der Stadt Stuttgart, ob sie den Fischmarkt auf dem Karlsplatz mit Gebühren belege, sagt Sorina Weiland. Laut Grau ist die wechselseitige Gebührenfreiheit in alten Protokollen nachzulesen. Ein rechtsverbindlicher Vertrag existiert wohl nicht. In Hamburg sind mit den zusätzlichen knapp 80 000 Euro zwei Verwaltungsvollzeitstellen bezahlt.

Die Stadt Stuttgart wusste von der Problematik, war aber „in die Entscheidungsfindung von Pro Stuttgart und die Bekanntgabe der Absage nicht eingebunden“, so ein Stadtsprecher gegenüber unserer Zeitung. Einem geplanten Brief von Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) an seinen Hamburger Kollegen Olaf Scholz (SPD) ist Pro Stuttgart mit der Absage zuvorgekommen.

Bewerten
Wie hat Ihnen der Artikel gefallen? Vielen Dank für Ihre Bewertung!
1 Stern 2 Sterne 3 Sterne 4 Sterne 5 Sterne 4.45
Mineralbäder Sanierung beginnt: Bad Berg 27 Monate auf dem Trockenen

Von 24. September 2016 - 20:29 Uhr

Ein letzter, eintrittsfreier Tag am Sonntag, dann sitzen die Stammgäste des Bad Berg für mindestens 27 Monate auf dem Trockenen. Für das Kleinod am Rand des Schlossgartens beginnt die überfällige Sanierung.