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Städtepartnerschaft Vaihingen – Melun Blumen für den Deutschen

Annegret Jacobs, 22.01.2013 16:35 Uhr
Arnold Schapelt ist der letzte noch in Vaihingen lebende Veteran, der die Partnerschaft mit den Soldaten in Melun mitbegründet hat. Sein erster Besuch in Frankreich Mitte der 60er-Jahre hat ihn stark beeindruckt.

Vaihingen - Ein Vormittag in Melun Mitte der 60er-Jahre: Arnold Schapelt aus Vaihingen, damals ein Mann von Mitte 40, wollte auf dem Markt Blumen kaufen. Er war zum ersten Mal in Frankreich, konnte kein Wort Französisch. Aber mit Händen und Füßen musste es doch gehen. „Un moment“, antwortete der Händler und winkte seine Tochter heran. „Mit mir können Sie Deutsch spräschen. Wir ’aben ge’ört, dass die Deutschen aus Vaihingen da sind“, sagte sie. Arnold Schapelt war überrascht. Nicht nur, weil er im Anschluss den Blumenstrauß geschenkt bekam.

Skepsis zu Beginn der Partnerschaft

„Dass ein Franzose, der Deutsch kann, mit einem Deutschen auch deutsch spricht, das war damals nicht selbstverständlich.“ Im Gegenteil: die Partnerschaft zwischen französischen und deutschen Soldaten wurde in Melun zu dieser Zeit durchaus skeptisch gesehen. Keine 20 Jahre zuvor hatten Deutsche und Franzosen im Zweiten Weltkrieg gegeneinander gekämpft. Und dann starteten die Mitglieder der „Association Départementale des Combattants Prionniers de Guerre de Seine-et-Marne“ und des „Verbands der Heimkehrer, Kriegsgefangenen und Vermißten-Angehörigen“ einem Austausch?

Die Soldaten hatten keine Berührungsängste. „Wir hier in Vaihingen waren sofort dafür“, erinnert sich Schapelt. Der 90-Jährige ist das letzte noch lebende Vaihinger Gründungsmitglied der 1963 unterzeichneten Partnerschaft. Die Initiative dazu ging von den Vaihinger Veteranen Joseph Hansbuer, Johannes Meinhardt und August Bartelt aus. Letzterer war in der Marne-Region in Kriegsgefangenschaft gewesen und hatte diese Zeit, trotz allem, in guter Erinnerung behalten.

20 Jahre lang „sein“ Franzose

Schapelt war 1955 aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt. Mit Krieg und Soldaten wollte er eigentlich nie mehr was zu tun haben. Aber dass sich die Menschen beidseits der Grenzen kennen lernen – „das war doch wichtig!“

Auch Schapelt hatte 20 Jahre lang „seinen“ Franzosen. André Chirat aus Melun lernte er während seines ersten Besuchs in Vaihingen kennen. Chirat zeltete damals mit seiner Familie auf dem Campingplatz am Wasen. „Es hat nur gegossen. Da bin ich mit dem Auto runter und habe gesagt: Kommt doch zu uns.“

Die Gattinen verständigten sich händisch

Chirat konnte gut Deutsch, die beiden Gattinnen verständigten sich mit den Händen, kochten zusammen, die Kinder verbrachten im jeweils anderen Land Sprachferien. Auch über die Veteranentreffen hinaus besuchte man sich. Schapelt fuhr zu Chirats Beerdigung.

Heute ist Schapelt der letzte in Vaihingen – auch in Melun lebt nur noch ein Veteran aus der Gruppe. „Unsere Partnerschaft ist eingeschlafen“, bilanziert Schapelt. Aber das sei im Falle der Veteranen alles andere als schlimm. „Dafür machen die Schulen und die Vereine weiter.“

 
 
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