Stabhochsprungmeeting in Geislingen Kühles Nass bremst heiße Höhenflüge

Von Andreas Pflüger 

Die Stabhochspringer (unser Bild zeigt Severin Zentgraf) lassen sich in der Geislinger Fußgängerzone auch durch das miese Wetter nicht stoppen. Foto: Michael Steinert
Die Stabhochspringer (unser Bild zeigt Severin Zentgraf) lassen sich in der Geislinger Fußgängerzone auch durch das miese Wetter nicht stoppen. Foto: Michael Steinert

Es hat geregnet – nicht immer, aber immer wieder – und es war ungemütlich kühl. Die Sportler und die Besucher haben beim 5. Internationalen Stabhochsprungmeeting in der Geislinger Fußgängerzone dennoch ihren Spaß gehabt.

Geislingen - Stabhochspringer sind offensichtlich keine Warmduscher. Zumindest nicht die Akteure, die am Samstag beim fünften Internationalen Meeting in der Geislinger Fußgängerzone bei unwirtlichen Temperaturen dem kühlen Nass aus den Wolken trotzen. Zehn Männer, eine Frau und vier Junioren lassen sich auch vom ständig neu einsetzenden Regen nicht davon abhalten, ihre Höhenflüge anzutreten und dem tapfer ausharrenden Publikum ein leichtathletisches Spektakel zu liefern. Richtig trocken ist es eigentlich nur während der Mittagspause, als der Anlaufsteg zum Catwalk für eine Modenschau wird.

Während also die Models wenigstens halbwegs ordentliche Bedingungen vorfinden, ist angesichts des miesen Wetters mit Topleistungen oder gar Rekorden der Sportler nicht zu rechnen. Die Damenkonkurrenz endet so schnell, wie sie begonnen hat. Die deutsche Top-Springerin Silke Spielgelburg vomTSV Bayer 04 Leverkusen) – als einzige Starterin – legt einen Salto Nullo hin. Nach drei ungültigen Versuchen bei der Einstiegshöhe ist Schluss. Die Junioren machen es zwar besser. Allerdings wird ihr Wettkampf bei einer Höhe von 4,40 Meter abgebrochen, weil es auf einmal mächtig zu schütten beginnt.

Fabian Brummer: Das macht voll Bock hier zu springen

Fabian Brummer, der Lokalmatador von der LG Filstal, muss sein Vorhaben, die Sprungmatte zwischen dem Alten Rathaus und dem Alten Zoll als jubelnder Sieger zu verlassen, daher begraben. Unzufrieden wirkt der 17-jährige Uhinger dennoch nicht: „Das macht voll Bock hier zu springen, weil die Atmosphäre eine ganz andere ist, als in einem Stadion.“ Die Zuschauer seien viel dichter dran, was ihn zusätzlich beflügele. Dass es den Zaungästen beim Ausflug der Athleten in die Stadt ähnlich geht, macht Peter Kramer deutlich. „Wenn man so etwas von der Tribüne aus oder gar nur im Fernsehen sieht, kommt die wirkliche Höhe gar nicht rüber. Hier ist das aber echt gigantisch“, sagt der Göppinger, der es sich – wie rund 500 andere – nicht hat nehmen lassen, der Veranstaltung einen Besuch abzustatten.

Und einen mächtigen Satz über stattliche 5,70 Meter gibt es – bevor die eigentliche Männerkonkurrenz beginnt – dann auch noch. Denn ehe der Franzose Baptiste Boirie wenig später wie die anderen Teilnehmer mit dem Stab anläuft, rollt er zunächst dreimal auf einem elektrisch angetriebenen Skateboard in Richtung Einstichkasten. „Angefangen habe er damit nur so aus Spaß“, erklärt er später. Aber jetzt wolle er wissen, wie hoch es damit geht. „Im Training springe ich schon die sechs Meter, weil ich auf dem Brett einfach schneller bin und einen härteren Stab nehmen kann“, sagt der 24-Jährige. Vielleicht sei diese verrückte Disziplin ja sogar die Zukunft seines Sports, fügt Boirie grinsend hinzu.

Jochen Schreitmüller: Wir müssen die Leichtathletik zu den Leuten bringen

Das nimmt Jochen Schreitmüller, der Vorsitzende der LG Filstal, zwar nicht unbedingt an. Dass die Leichtathletik aber Veranstaltungen wie solche Meetings in den Städten, statt in den Stadien braucht, davon ist er überzeugt: „Wir bringen unseren Sport zu den Leuten, weil immer weniger Leute zu unserem Sport kommen.“ Dass sich der Stabhochsprung oder das Kugelstoßen für solche Events anböten, sei keine Frage. „Aber auch sonst müssen wir uns was einfallen lassen“, betont er. Schließlich gehe es darum, junge Leute nicht nur als Zuschauer, sondern auch als Aktive für die Leichtathletik zu begeistern.

Bei der LG Filstal scheint das zu funktionieren. Einmal mehr war die Leichtathletikgemeinschaft aus dem Stauferkreis heuer wieder der erfolgreichste Verein in Württemberg, auch wenn im Aktivenbereich die schlagzeilenträchtigen Siege ausgeblieben sind. Und so geht auch das Geislinger Stabhochsprungmeeting bei den Männern ohne LG-Filstal-Beteiligung über die feuchte Bühne. Mit 5,26 Meter setzt sich am Ende der Lette Mareks Arents vor dem US-Amerikaner Scott Houston, dem Leverkusener Marvin Caspari und dem Norweger Eirik Dolve (alle 5,20 Meter) durch. Fabian Brummer, der die Sprünge genau beobachtet hat, könnte in absehbarer Zeit jedoch in ihre Fußstapfen treten.

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