Sindelfingen Die Tiefgarage wird zum Millionengrab

Von Gerlinde Wicke-Naber 

Holzstützen dienen als Provisorium: 50 Parkplätze fallen deshalb in der Tiefgarage unter dem Marktplatz weg. Foto: factum/Granville
Holzstützen dienen als Provisorium: 50 Parkplätze fallen deshalb in der Tiefgarage unter dem Marktplatz weg.Foto: factum/Granville

Experten haben das Bauwerk unter dem Marktplatz genau untersucht. Das Ergebnis ist erschreckend: Die Sanierung der erst knapp 35 Jahre alten Garage mit erheblichen Mängeln wird wohl sehr viel teurer als angenommen.

Sindelfingen - Niederschmetternde Nachrichten hat der Gutachter den Mitgliedern des Technik- und Umweltausschusses des Sindelfinger Gemeinderats überbracht: Die Tiefgarage unter dem Marktplatz sei in einem „apokalyptischen Zustand“. Die Sanierung wird wohl weit teuer als bisher angenommen. Von acht bis zehn Millionen Euro war noch im Herbst 2014 die Rede gewesen, nun schätzt der Experte die Kosten auf mindestens 17 Millionen Euro, plädierte jedoch für eine Generalsanierung, die sich auf 27 Millionen Euro belaufen dürfte.

Tiefe Risse durchziehen die Wände und Decken der dreigeschossigen Tiefgarage mitten in der Stadt. Die Stahlträger sind vom Rost zerfressen, der Belag der Fahrbahnen defekt. 50 der insgesamt 450 unterirdischen Stellplätze sind seit vielen Monaten gesperrt, weil die Decke einsturzgefährdet ist. Gehalten wird sie momentan durch zusätzliche Holzkonstruktionen.

Erste Sanierung war nach zehn Jahren fällig

Dabei ist das Bauwerk erst knapp 35 Jahre alt. Doch von Anfang an hatte es Probleme damit gegeben. Ende der 1980er Jahre wurde es erstmals saniert, vor zehn Jahren war es dann schon wieder so weit. Der Grund für diese Mängel sind grundlegende Fehler, die bereits bei der Konstruktion und beim Bau Anfang der 1980er Jahre gemacht wurden.

In die Tiefgarage wurde damals ein Katastrophenschutzraum für atomare Zwischenfälle integriert. Seinetwegen wurde damals die 170 Meter lange Tiefgarage ohne Fugen gebaut. Dies führte relativ schnell zu Spannungsrissen. Durch diese dringt salzhaltiges Wasser ein, das den Beton sowie die Stahlträger angreift. Besonders betroffen ist die nur 15 Zentimeter dünne Decke im zweiten Untergeschoss.

Angesichts der enormen Schäden hatte der Gemeinderat vor anderthalb Jahren die Verwaltung damit beauftragt, das Bauwerk genauestens analysieren und eine Kostenrechnung für die Sanierung erstellen zu lassen. Die Stadt vergab diese Aufgabe an externe Experten. Und diese bestätigten nun die bösen Vorahnungen einiger Stadträte, dass die erforderliche Sanierung erheblich teurer werden könnte.

Zwei Szenarien für die Arbeiten haben die Gutachter entwickelt. Die Möglichkeiten stellten die Experten nun im Technischen Ausschuss vor. Die erste Variante sieht die Grundsanierung der Tiefgarage vor. Dabei wird das Bauwerk praktisch fast komplett abgerissen und neu erstellt. Dieser Fast-Neubau soll dann 100 Jahre halten und um die 27 Millionen Euro kosten.

Verfeinerte Kostenkalkulation wird erstellt

Alternativ käme eine Sanierung im Bestand in Frage, bei der nicht alles abgerissen wird. Sie würde aber immer noch mit rund 17 Millionen Euro zu Buche schlagen. Der Nachteil dieser Variante: die Planungs- und Baumängel könnten nicht alle ausgemerzt werden, es bleibt das Risiko, das weiter Wasser eindringt. Außerdem sei diese Reparatur nicht nachhaltig, sagen die Gutachter. Nach etwa 20 Jahren müsse voraussichtlich erneut saniert werden. Die Vorteile wären eine deutlich kürzere Bauzeit im Vergleich zum Szenario der umfassenden Sanierung und um rund zehn Millionen Euro niedrigere Ausgaben.

Diese grobe Kostenschätzung für die beiden Varianten soll nun verfeinert werden. Bis zum Frühjahr nächstes Jahr soll ein Fachbüro genauere Zahlen auf den Tisch legen. Dann müssen Stadtverwaltung und Gemeinderat entscheiden, wie es mit dem Bauwerk weitergehen soll.

Vorerst also bleibt die Tiefgarage ein Provisorium mit Rissen in der Decke und Löchern im Boden. Auch die gesperrten 50 Parkplätze fehlen wohl noch einige Jahre in der zentralen Parkmöglichkeit in der Sindelfinger Stadtmitte.

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