Stuttgart - Nichts geht mehr. Alles Leben erlischt. Ende. Aus. So lauten oft die Befürchtungen, wenn es um den geplanten Nationalpark im Nordschwarzwald geht. Dass dem nicht so sein muss, zeigt ein Blick Richtung Sigmaringen, genauer in das Pfrunger-Burgweiler Ried. Dort hat das Landwirtschaftsministerium jetzt den größten Bannwald ausgewiesen, rund 450 Hektar ist er groß.
Was der Bannwald mit dem Nationalpark zu tun hat? „Der Nationalpark ist der große Bruder des Bannwalds“, sagt Johannes Enssle vom Naturschutzbund (Nabu). Bannwälder sind – wie ein Nationalpark in bestimmten Bereichen – sogenannte Totalreservate, das heißt in ihnen dürfen keine Bäume gefällt werden, Menschen dürfen nicht in die Natur eingreifen. Der Großteil der Natur wird sich selbst überlassen, Menschen dürfen Wanderwege anlegen und sich darauf bewegen. Aber sonst nichts.
Es wimmelt von Leben
Für den geplanten Nationalpark klingt das noch wie Zukunftsmusik. Im Bannwald Pfrunger-Burgweiler Ried ist es Alltag. Und das schon seit Jahren. 1991 wies die dortige Forstdirektion bereits einen Bannwald aus. Das Land kaufte in den Jahren danach mehrere umliegende Flächen hinzu, dadurch kam der jetzt ausgewiesene Bannwald auf einer Fläche von 450 Hektar zustande. Eine Fläche, auf der es nur so wimmelt von Leben.
Als häufigste Baumart ist die Moor-Bergkiefer zu finden, einzelne Bäume werden bis zu 190 Jahre alt, aber nur drei Meter hoch und elf Zentimeter dick. Die Vegetation ist geprägt von Schilfrohr, Schwarzerle und Weiden. Seltene Arten von Reptilien, Fröschen und Libellen kreuchen und fleuchen umher. Aber auch Bisam und Biber haben sich hier niedergelassen.
Streit um Totalreservate
Bannwälder gibt es im Südwesten seit mehr als 100 Jahren. 1911 wies die Forstverwaltung den ersten Bannwald im Nordschwarzwald aus – den Wilden See bei Baiersbronn. Mittlerweile stehen im gesamten Südwesten 129 Bannwälder mit einer Fläche von etwa 8900 Hektar. Zum Vergleich: Der geplante Nationalpark im Nordschwarzwald soll etwa 10.000 Hektar umfassen.
Doch so vielfältig sich seltene Tier- und Pflanzenarten auch präsentieren, so wichtig diese Totalreservate für Forschung und Wissenschaft sind: Private Waldbesitzer, Touristiker und die Sägeindustrie können sich damit nicht anfreunden, vielerorts herrscht Ablehnung. Sie befürchten sinkende Einnahmen und ausbleibende Übernachtungsgäste.