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Schutzgebiete Der größte Bannwald versinkt im Wasser

Hilmar Pfister, vom 11.02.2012 11:43 Uhr
Landwirtschaftsminister Alexander Bonde (Grüne) – hier am Ruhestein. Foto: dpa
Landwirtschaftsminister Alexander Bonde (Grüne) – hier am Ruhestein. Foto: dpa
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Stuttgart - Nichts geht mehr. Alles Leben erlischt. Ende. Aus. So lauten oft die Befürchtungen, wenn es um den geplanten Nationalpark im Nordschwarzwald geht. Dass dem nicht so sein muss, zeigt ein Blick Richtung Sigmaringen, genauer in das Pfrunger-Burgweiler Ried. Dort hat das Landwirtschaftsministerium jetzt den größten Bannwald ausgewiesen, rund 450 Hektar ist er groß.

Was der Bannwald mit dem Nationalpark zu tun hat? „Der Nationalpark ist der große Bruder des Bannwalds“, sagt Johannes Enssle vom Naturschutzbund (Nabu). Bannwälder sind – wie ein Nationalpark in bestimmten Bereichen – sogenannte Totalreservate, das heißt in ihnen dürfen keine Bäume gefällt werden, Menschen dürfen nicht in die Natur eingreifen. Der Großteil der Natur wird sich selbst überlassen, Menschen dürfen Wanderwege anlegen und sich darauf bewegen. Aber sonst nichts.

Es wimmelt von Leben

Für den geplanten Nationalpark klingt das noch wie Zukunftsmusik. Im Bannwald Pfrunger-Burgweiler Ried ist es Alltag. Und das schon seit Jahren. 1991 wies die dortige Forstdirektion bereits einen Bannwald aus. Das Land kaufte in den Jahren danach mehrere umliegende Flächen hinzu, dadurch kam der jetzt ausgewiesene Bannwald auf einer Fläche von 450 Hektar zustande. Eine Fläche, auf der es nur so wimmelt von Leben.

Als häufigste Baumart ist die Moor-Bergkiefer zu finden, einzelne Bäume werden bis zu 190 Jahre alt, aber nur drei Meter hoch und elf Zentimeter dick. Die Vegetation ist geprägt von Schilfrohr, Schwarzerle und Weiden. Seltene Arten von Reptilien, Fröschen und Libellen kreuchen und fleuchen umher. Aber auch Bisam und Biber haben sich hier niedergelassen.

Streit um Totalreservate

Bannwälder gibt es im Südwesten seit mehr als 100 Jahren. 1911 wies die Forstverwaltung den ersten Bannwald im Nordschwarzwald aus – den Wilden See bei Baiersbronn. Mittlerweile stehen im gesamten Südwesten 129 Bannwälder mit einer Fläche von etwa 8900 Hektar. Zum Vergleich: Der geplante Nationalpark im Nordschwarzwald soll etwa 10.000 Hektar umfassen.

Doch so vielfältig sich seltene Tier- und Pflanzenarten auch präsentieren, so wichtig diese Totalreservate für Forschung und Wissenschaft sind: Private Waldbesitzer, Touristiker und die Sägeindustrie können sich damit nicht anfreunden, vielerorts herrscht Ablehnung. Sie befürchten sinkende Einnahmen und ausbleibende Übernachtungsgäste.

Kommentare (7)
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MRZ
06
08:59 Uhr, geschrieben von Marion
Nationalpark
Den Kommentaren zu entnehmen,kommt keiner aus der betroffenen Region.Seit Generationen lebt man hier von und mit der Natur bereits seit 100 Jahren besteht der Bannwald im jetzigen Suchraum, das Naturschutzgebiet am Schliffkopf wurde bereits 1938 ausgewiesen. Sicher es geht bei Ihnen nur um ein paar Prozent Staatsfläche, aber hier um 100% Heimat.Im Entwicklungszeitraum soll der Fichtenbestand abgeholzt werden und mit Tannen und Buchen aufgeforstet werden,damit will man dem Borkenkäfer entgegenwirken.Wie das ausgeht kann wohl niemand sagen.Eine Entschädigung für private und kommunale angrenzende Waldbesitzer ist bei einem Übergreifen des Borkenkäfers auf ihre Flächen nicht vorgesehen. Man spricht von wirtschaftlichen Aspekten,sicher aber die Region kann wohl nicht am Staatstropf hängen und jährliche Ausgaben von 8-12 Mio € erwarten wenn überall gespart werden muss. Zeitgleich sind bei Einrichtung des Nationalparks bereits heute Betriebsschließungen von holzintensiven Betrieben angekündigt und die Investionen zurückgestellt. Dies führt zu Arbeitsplatzverlust und sinkenenden Steuereinnahmen der Kommunen. Man spricht von starken Tourismusimpulsen, wie lässt sich dies mit seit Jahren sinkenden Übernachtungszahlen in den Nationalparkregionen Bayerischer Wald und Harz erklären? Man spricht von einem steigenden Bildungsangebot, jedoch blieb meine Frage bisher unbeantwortet, was konkret noch angeboten wird, was man heute nicht schon hat. In der Region gibt es Kooperationen zwischen Schulen und Naturschutzzentrum. Die Kinder werden ab dem Kindergarten mit dem Wald und auch den Angeboten vernetzt.Wenn andere Regionen dies nicht nutzen, stellt sich nicht die Frage des fehlenden Angebotes sondern warum es nicht in Anspruch genommen wird. Es geht um das Trinkwasser und die Nitratkonzentrationen.Man spricht von Bürgerbeteiligung, warum hatten die Bürger dann nur 3 Tage Zeit ihre Fragen an das Ministerium zu richten. Warum wird eine Bürgerabstimmung seitens des Ministerium strikt abgelehnt. Warum sind in dem Lenkungsausschuß fast ausschließlich ortsfremde Personen und die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden sind ausgeschlossen? Was ist daran aktive Bürgerbeteiligung? Sollte man nicht auch die betroffenen Bürger mit ins Boot nehmen oder soll nur von außen gesteuert werden. Bei den Zeitungsartikeln fällt auf, dass eine neutrale Informationen fast unmöglich ist, da Argumente, Sorgen und Ängste fast immer als abwägig und lächerlich abgetan werden und bei vielen Journalisten die Ortskenntnis und auch die bisherigen Strukturen unbekannt sind.
FEB
14
09:41 Uhr, geschrieben von sam.boskop
schutzgebiete
wenn wir in unserem dicht besiedelten land verhindern wollen, daß sich die fauna, wie in der stuttgarter innenstadt auf füchse, hase, ratten und tauben beschränken, bleibt uns nix anderes übrig, als flächen auszuweisen, in denen auch noch andere arten überleben können. geld kann man nicht essen.
FEB
12
21:38 Uhr, geschrieben von Horschti
Miese Stimmungsmache
Leute wie sie, Herr Georg Schmid, die die ganze Zeit nur an ihren Wohlstand denken und dabei nicht daran denken, wie der sogenannte Wohlstand zustande kommt, sind ideologisch verblendet. Dass durch den Flächenfrass und unseren massiven Rohstoffverbrauch für nachfolgende Generationen keine ausreichende Lebensgrundlage mehr da sein wird, müsste Ihnen wohl klar sein. Sie denken aber nur an sich und ihren Wohlstand. Die Stimmungsmache hier in dieser Zeitung und von den Kommentatoren gegen die Rot-grüne Regierung auf so eine billige Art un Weise ist nicht mehr auszuhalten.
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