Schadstoffe an ehemaliger Mülldeponie Poppenweiler Altlasten am Lemberg werden teurer

Von Ludwig Laibacher 

Das Gelände rund um die alte Deponie am Lemberg ist  ein beliebtes Naherholungsgebiet. Aber für die Sanierung müssen  Bäume gefällt werden. Foto: factum/Archiv
Das Gelände rund um die alte Deponie am Lemberg ist ein beliebtes Naherholungsgebiet. Aber für die Sanierung müssen Bäume gefällt werden. Foto: factum/Archiv

Neue Messungen auf der ehemaligen Mülldeponie bei Poppenweiler zwingen die Ludwigsburger Abfallverwertungsgesellschaft AVL zum Umdenken. Die Sanierung wird teurer, und die geplante Umwandlung von Methangasen in Kohlendioxid steht auf der Kippe.

Ludwigsburg - Die ehemalige Mülldeponie am Lemberg bei Poppenweiler kommt die Kreisbürger teuer zu stehen. Auch 25 Jahre nach ihrer Schließung und zehn Jahre nach einer Teilabdichtung sickert belastetes Wasser in den Boden, während sich über der Halde giftiges Methangas bildet. Im vorigen April hat die Abfallverwertungsgesellschaft des Landratsamtes (AVL) versprochen, den Missstand bald zu beheben. Jetzt wurde bekannt: die Beseitigung der Schadstoffe wird wohl länger dauern – und die Kosten werden steigen.

Wir haben keine Wahl, wir müssen die Deponie sanieren“, hat der bei der AVL für Deponie und Energietechnik zuständige Albrecht Tschackert im April des vergangenen Jahres den Mitgliedern des Ludwigsburger Bauausschusses erläutert. Denn die einst von der selbstständigen Gemeinde Poppenweiler dort abgekippten Abfälle seien sehr viel giftiger als angenommen. Inzwischen weiß man, dass eine ehemalige Gießerei ihre Abfälle am Lemberg abgeladen hat. Was noch dort lagert, ist nicht bekannt. Die Experten müssten auf alles gefasst sein, was das chemische Periodensystem hergebe, sagte Tschackert.

Sauerstoff gegen Klimakiller Methan

Eine Sanierung sei im Fall der Altlasten vom Lemberg sogar die günstigere Variante, meinte der Experte. Denn auch wenn der Landkreis, in dessen Verantwortung die Halde inzwischen übergegangen ist, nur die Risiken beseitigen wolle, müsse er dafür in den nächsten 25 Jahren schätzungsweise 17 Millionen Euro zahlen. Und damit sei noch kein Ende abzusehen, weil die Ursache nicht behoben sei. Die Kosten für eine Sanierung wurden im letzten Frühjahr auf 13,7 Millionen Euro geschätzt.

Diese Zahl wird nicht zu halten sein, denn es gibt neue Erkenntnisse über die Abfallmenge und ihre Giftigkeit. Die Sanierung wird aufwendiger als angenommen. Wie teuer das kommt, möchte Tschackert „erst beziffern, wenn der Aufsichtsrat die Verfahrensentscheidung getroffen hat“.

Bisher sah das AVL-Konzept vor, den Abfallberg in einem ersten Schritt zu belüften. Das heißt, Sauerstoff in die Müllmassen zu pumpen, um so den Klimakiller Methan in weniger giftiges Kohlendioxid zu verwandeln. Allein für diesen Prozess waren schon bisher vier Jahre veranschlagt worden. Erst danach soll die Deponie in Etappen neu abgedichtet werden. Dafür allerdings müssen auf einer Fläche von zehn Hektar die Bäume gefällt werden.

Keine Gefahr für Anwohner

Wegen der neuen Messungen vor Ort muss dieser Plan überdacht werden, denn allein für den Prozess der Entlüftung werden nun acht Jahre veranschlagt. Deshalb ist es auch fraglich, ob diese moderne Technologie überhaupt eingesetzt wird. Eine Alternative bestünde in einer „biologischen Stabilisierung des Deponieinventars“, sagt Tschackert. Diese müsste verhindern, „dass die Gasentstehung erneut beginnt“, falls die Oberflächenabdeckung beschädigt wird. Der AVL-Aufsichtsrat und das Regierungspräsidium (RP) müssten entscheiden, wie es nun weiter geht.

Grundsätzlich hätten die Bewohner in Poppenweiler und den Nachbarorten nichts zu befürchten, versichert Tschackert. „Das methanhaltige Deponiegas wird in einer umfangreichen Gasfassungsanlage abgesaugt und verwertet“, sagt er. Auch vom Sickerwasser gehe keine unmittelbare Gefahr aus. Es sei jedoch „aufgrund der Abwasserverordnung langfristig behandlungsbedürftig“.

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