Sanierung Petruskirche Gerlingen Viele Taler und Talente sind für das Gotteshaus nötig

Von Klaus Wagner 

Eines der  Maßwerkfenster aus Sandstein, das  mit in die Außensanierung der Petruskirche einbezogen werden soll. Foto: factum/Granville
Eines der Maßwerkfenster aus Sandstein, das mit in die Außensanierung der Petruskirche einbezogen werden soll. Foto: factum/Granville

Im Jahr 2018 beginnt die Außensanierung der Petruskirche. Es wird ein großes Vorhaben, auch für die begleitende Spendenaktion. Dafür gibt die Gemeinde sogar zunächst einmal Geld aus.

Gerlingen - Einmal um die Kirche herum: So könnte das Motto lauten für den zweiten Bauabschnitt der Sanierung der Gerlinger Petruskirche. Die Arbeiten sollen im nächsten Frühjahr beginnen. Nach den Berechnungen belaufen sich die Kosten auf 880 000 Euro, unzählige Gewerke sind erforderlich, zahlreiche Gutachten schon erstellt. Jetzt sei auch das Okay des Denkmalschutzes da, berichtet der Pfarrer Jochen Helsen. Das betrifft vor allem die Optik des Daches. An diesem Sonntag ist ein Informationstag.

„Wir müssen verhindern, dass weitere Schäden auftreten und Steine oder Teile herunterfallen.“ Jochen Helsen weiß, wovon er spricht. Er war teils mit dabei, als der Steinmetz im vorigen Herbst sein Gutachten erstellte und dafür mittels einer Hebebühne Stein für Stein der Kirchenfassade überprüft, also angeschaut und abgeklopft hat. „Es gibt Fehlstellen, Abplatzungen, Verwitterungsschäden. Wir müssen Steine austauschen und Mörtelstellen ausbessern“, sagt der Pfarrer, der schon die Innensanierung der Kirche 2012 betreut hat. „Überall gibt es irgendwas“, sagt er und deutet entlang eines der drei schönen Maßwerkfenster aus Stein. An den Scheiben müsse nicht viel getan werden, am Stein schon. Die Steinmetzarbeiten addieren sich auf rund 100 000 Euro.

Ein Gerüst ringsherum

Dazu braucht es ein Gerüst, rund um die Kirche herum und hinauf bis zur Turmspitze. Mindestens drei Wochen Aufbauzeit werden hier kalkuliert, Kosten dafür rund 140 000 Euro. Das Gerüst ist auch notwendig, um am Dach arbeiten zu können. Das Holz des Dachstuhls über dem Chor und dem Turm ist marode, die Deckung muss ausgetauscht werden. Das wird nicht einfach – denn Pfannen und Ziegel sind nicht einheitlich. Ein Teil der Ziegel müsse auch weg, um an die Balken heranzukommen. Alleine für Zimmerer und Dachdecker sind Kosten von 200 000 Euro vorgesehen.

Jede Menge Vorschriften gibt es dazu. Der Denkmalschutz schreibe vor, dass alles hinterher aussehen soll wie vorher – auch am Dach. Sogar vorbeugende Vorschriften stehen in den Genehmigungen: So müsse ein Bauarchäologe hinzugezogen werden, der eventuelle Funde unter dem Dach, die für die Baugeschichte der Kirche interessant sein könnten, sofort erfasst. Immerhin ist die Petruskirche mehr als 550 Jahre alt.

Um die kalkulierten Gesamtkosten von knapp 900 000 Euro bezahlen zu können, sind viele Geldgeber nötig. Es gebe Zuschüsse von der Landeskirche und dem Bezirk und von der Stadt für den Turm. Dennoch „müssen wir die Hälfte selbst finanzieren“, sagt Helsen. Das Ziel heißt: 444 444 Euro. 40 Prozent sind bereits vorhanden, 260 000 Euro also noch nötig.

Fundraising beginnt

Das ist das Ziel für die Fundraisingaktion „Dein Stein hilft 2.0“, die an diesem Wochenende startet. Es ist ein großes Ziel, aber das war für die Innensanierung noch viel größer: 2009 bis 2013 wurden rund 600 000 Euro gesammelt. Mit einer außergewöhnlichen Aktion, genannt „Talente“, beginnt die neuerliche Spendenwerbung.

Dafür gibt die Gemeinde sogar Geld aus: 200 Säckchen mit je fünf Zwei-Euro-Stücken werden an Hilfswillige verteilt. Die Empfänger sollen diese zehn Euro möglichst fantasievoll vermehren. „Wir setzen auf ehrenamtliches Engagement“, sagt Helsen, „und vertrauen darauf, dass die Leute durch ihr Tun das Geld mehren.“ Es dürften nicht nur Kuchen gebacken und verkauft werden. Am ersten Advent ist Zähltag, da wird eingesammelt. Das ist dann wie mit dem Herrn, der sein Silber an die Knechte verteilte, die dieses mehrten – wie es im Matthäus-Evangelium steht.

Ein spezieller Kirchenbausonntag

Termin
Die Petruskirchengemeinde startet den zweiten Bauabschnitt der Kirchensanierung mit einem „Kirchenbausonntag“ am 17. September 2017.

Angebote
Der Tag beginnt um 9.45 Uhr mit einem Gottesdienst. Danach erklären die Architekten und der Steinmetz um 11.15 Uhr die geplanten Arbeiten. Führungen unter dem Kirchendach und rund um die Kirche finden statt von 12 bis 13.30 Uhr und von 14 bis 15 Uhr.
Um 13.30 Uhr tritt das Duo Olivera auf.

Lesen Sie jetzt