Renitenz: Chris Kolonko als Marlene Dietrich Die Dietrich war eine echte Hausfrau

Von Cornelius Oettle 

Chris Kolonko als Marlene Dietrich Foto: Veranstalter
Chris Kolonko als Marlene Dietrich Foto: Veranstalter

Von „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ über „Ich hab‘ noch einen Koffer in Berlin“ bis „Sag mir, wo die Blumen sind“: Chris Kolonko hat im Renitenztheater mit dem Programm „Marlene – The Concert of her Life“ die großartige Marlene Dietrich lebendig werden lassen.

Stuttgart - Was für ein Comeback! 25 Jahre nach ihrem Tod steht Marlene Dietrich in Stuttgart wieder auf der Bühne. Chris Kolonko, ehedem auch als Chris Crazy bekannt, spielt die Rolle der Dietrich schon seit Jahren. Erst in kleinen Einlagen auf Kreuzfahrtschiffen und ­Varietébühnen, schließlich für das abendfüllende Programm „Marlene – The Concert of her Life“. Mit selbigem füllte er am Samstag auch das Renitenztheater.

„Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“

An einem solchen Abend ist Kolonko allerdings nicht durchgehend Marlene Dietrich, was Distanz schafft und Komik erlaubt. Zu Beginn steht er noch als Kunstfigur Chris auf der Bühne und bringt sein Publikum in Stimmung. Den Großteil der Show verbringt er jedoch in Dietrichs Abendgarderobe. Umgezogen wird sich auf der Bühne. Mal wirft er sich in pompöse Glitzerroben, mal trägt er Anzug und Zylinder über der Perücke. Unter einem solchen avancierte bekanntlich auch „die Dietrich“ zum Star, als sie strapsetragend im Film „Der Blaue Engel“ das Lied „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ sang. Selbiges interpretiert Kolonko so stilsicher wie die anderen Klassiker, etwa „Ich hab‘ noch einen Koffer in Berlin“ und „Sag mir, wo die Blumen sind“.

„Marlene hau ab!“

Zwischen den Songs erzählt er Dietrichs Lebensgeschichte und von den vielen Schauspielkollegen, in die sich die gebürtige Berlinerin verkuckte. Etwa Jean Gabin, der Dietrichs große Liebe und der einzige ihrer Liebhaber gewesen sei, der nicht von ihr verlassen wurde, sondern der ihr den Laufpass gegeben hat. Die Hintergrundleinwand zeigt Fotos und Videoausschnitte: Marlene als aufgehender Stern bei der Ankunft in New York, Marlene beim Motivieren amerikanischer Soldaten. Beträchtlicher Angebote zum Trotz ließ Dietrich sich nicht vor Hitlers Propagandakarren spannen, lehnte die Einladung ins Deutsche Reich ab und unterstützte stattdessen die amerikanischen und französischen Kämpfer an der Front. Generell, so sagt Kolonko, sei Dietrich „eine echte deutsche Hausfrau“ gewesen, die nicht nur für Truppen, sondern auch nach eigenen Auftritten für ihre Freunde kochte und einen Putzfimmel hatte. Nach dem Krieg war sie die erste Deutsche, die auf israelischen Bühnen auftreten durfte.

Nur in ihrer Heimat selbst wurde sie nicht allerorten freundlich empfangen: Auch nachdem die Nazis besiegt waren, gab es immer noch Menschen, die Dietrich bei ihrer Rückkehr eine Vaterlandsverräterin schimpften. Die Leinwand bebildert ­Kolonkos Schilderungen mit Plakatschriftzügen à la „Marlene hau ab!“. In Stuttgart hingegen hätte auf solchen Plakaten nach diesem Abend sicher „Marlene, komm wieder!“ gestanden.

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