Weitere Kreise
 
 

Rems-Murr-Kreis Die unsichtbare Seite des Rassismus

Annette Clauß, 10.11.2012 15:07 Uhr
Gute Wahlergebnisse für rechte Parteien lösen Bestürzung aus. Zu Recht – doch sie sind nur die Spitze des Eisbergs. Eine Expertenrunde diskutierte über Alltagsrassismus.

Waiblingen - Wenn rechte Parteien gute Wahlergebnisse einfahren, sorgt das für Bestürzung und Diskussionen. „Das ist nur die Spitze des Eisbergs. Viel gefährlicher ist seine nicht sichtbare Seite“, warnt Kurt Möller: „Da kann einem bange werden.“ Laut Möller sind rund 40 Prozent der Jugendlichen in Deutschland ausländerfeindlich eingestellt, zwischen 25 und 40 Prozent der Erwachsenen haben fremdenfeindliche Ansichten, zehn bis 13 Prozent antisemitische, gut 30 Prozent sind muslimfeindlich. Seit den 1980er-Jahren beschäftigt sich der Professor an der Fachhochschule Esslingen mit Rechtsextremismus und Rassismus. Sein Fazit der vergangenen 30 Jahre: „Es hat sich nichts geändert. Das Problem wird tradiert.“

„Alltagsrassismus – was tun“ war die Frage, mit der sich eine vom Autor Wolfgang Schorlau moderierte Diskussionsrunde im Rahmen der Jugendkulturwoche „Bunt statt braun“ auseinandergesetzt hat. Auf dem Podium des Waiblinger Kulturhauses Schwanen saßen am Donnerstagabend neben Kurt Möller der evangelische Dekan Eberhard Gröner, der Weinstädter Stadtjugendreferent Kurt Meyer, die Autorin Jagoda Marinic sowie für einige Zeit die Integrationsministerin Bilkay Öney. Letztere bestätigte Möllers Erfahrungen. „Nur ein geringer Teil der Menschen bekennt sich offen zu rassistischen Gesinnungen und gehört rechten Parteien an.“ Doch das bedeute nicht, dass die Mehrheit frei von rassistischen Einstellungen sei. „Zum Teil ist den Menschen nicht einmal bewusst, dass ihre Haltung rassistisch ist.“ Allein ein ausländisch klingender Name könne dazu führen, dass man bei der Wohnungs- oder Arbeitssuche benachteiligt werde. Da sei Präventionsarbeit im Kindesalter nötig.

Der Ansicht ist auch Kurt Meyer, der in der Jugendarbeit zwar „nicht wirklich offensichtlichen Rassismus“ erlebt, wohl aber unterschwelligen, was sich etwa durch „abfällige, gedankenlose Kommentare“ zeige. Meyer sprach im Hinblick auf die Bekämpfung von Rassismus von „Aktionismus, bei dem viel Geld und Energie verbraten, aber das Kernproblem nicht angegangen wird“. Bestimmte Verhaltensweisen dürfe man nicht tolerieren, müsse man korrigieren. Eine Strategie gegen den Alltagsrassismus sei „hinsehen, thematisieren, ansprechen“ und „ein Bewusstsein schaffen, dass man sich nicht über einen anderen Menschen erhebt, weil er zufällig in Südeuropa geboren ist“. Das sei eine große Aufgabe für die Schulen und die Jugendarbeit. Jagoda Marinic widersprach: „Man kann nicht alles den Schulen und den Kindern überlassen. Die Strukturen sind der Punkt, den wir aushebeln müssen.“

 
 
Kommentare (2)
  1. (Logout)
  2. Die Redaktion veröffentlicht ausgewählte Kommentare auch in der gedruckten Ausgabe der Stuttgarter Nachrichten. Voraussetzung ist, dass der Beitrag mit Namen, Postanschrift und E-Mail (Adressen werden nicht veröffentlicht) vorliegt.
Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich.

Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben.

Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.
Sauklaue Ist schon länger als 1 Jahr her
Ich fürchte, es gibt eine Partei, die unfreiwillig Rassismus fördert: die Grünen. Deren Politik wird bei vielen Menschen als Anbiederung an fremde Kulturen gesehen, im Rahmen derer alles 'Deutsche' extrem kritisch und die 'neuen Kulturen' dafür extrem großzügig betrachtet werden. Rassismus bei vielen Jugendlichen hat ihrern Grund sicher auch nicht nur in der Erziehung der Eltern oder mangelnder Bildung, sondern einfach in der schlechten Erfahrung, die viele selbst gemacht haben. Wenn sich auch die absolut meisten ausländischen Jugendlichen korrekt verhalten, so gibt es doch nicht wenige, die auch gerne mal einen zusammenschlagen, nur weil er deutsch aussieht. In vielen Städten herrscht purer Rassisums - gegen Deutsche. Dumm nur, dass man dies nicht erwähnen darf, denn in diesem Land gilt man bereits als Nazi, wenn man Statistiken zeigt, in denen Menschen mit Migrationshintergrund in irgend einer Weise schlecht wegkommen.
Antworten
Leser Ist schon länger als 1 Jahr her
Ich zitiere aus dem Beitrag: 'Auch Möller sprach von „einem strukturellen Rassismus in Deutschland“, der sich etwa im Arbeitsrecht zeige: „Deutsche haben mehr Rechte als Ausländer und die haben wiederum mehr als Asylsuchende.“' Was für ein Schwachsinn!. Wenn ein Gast also weniger Rechte hat als sein Gastgeber, dann ist das Rassismus?! Vielleicht kommt ja auch Herrn Möller irgend wann einmal in den Sinn, daß gerade wegen Leuten wie ihm und seinen schwachsinnigen Äußerungen, echter Rassismus immer mehr nahrhaften Boden findet. Aber was soll man von jemandem erwarten, der seit 30 Jahren damit sein Geld verdient, andere Leute des Rassismus zu bezichtigen. Er wird sich wohl kaum selbst arbeitslos machen, oder.
Antworten