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Radfahren in Stuttgart Kein Abenteuer, sondern Vergnügen

Von Dirk Herrmann 

Eine der Fahrrad-Dauerzählstellen befindet sich am Mineralbad Leuze Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Eine der Fahrrad-Dauerzählstellen befindet sich am Mineralbad LeuzeFoto: Lichtgut/Max Kovalenko

Schöner Radeln in Stuttgart: Die Stadtverwaltung sieht sich dabei auf einem guten Weg. Baubürgermeister Peter Pätzold gibt beim Radforum die Devise aus: Radfahren soll auch in der Landeshauptstadt zum Vergnügen werden.

Stuttgart - Oberbürgermeister Fritz Kuhn bremst die Autofahrer aus und schikaniert sie mit Tempobegrenzungen, Blitzern und reduzierten Fahrspuren: Derartige Vorwürfe schallen dem grünen OB und seinem Parteifreund, dem Bauschultes Peter Pätzold, häufig entgegen.

Am Montagabend musste Pätzold auf derartige Anschuldigungen nicht gefasst sein. Der Auftritt vor dem Radforum im Rathaus – der Saal war mit knapp 100 Zuhörern fast komplett gefüllt, die meisten waren zumindest nach Pätzolds Einschätzung auch mit dem Drahtesel gekommen – war eher eine Diskussion unter Gleichgesinnten.

Personal wird aufgestockt

Stolz verwies Pätzold auch gleich auf den Anstieg beim Radverkehrsetat. 2005 waren es noch 385 000 Euro, 2010 dann 1,4 Millionen, und 2016 ist der Etat auf 2,9 Millionen Euro gewachsen. Dazu kommt eine Aufstockung des Personals in diesem Bereich – durch je eine Stelle im Stadtplanungsamt (für die Verkehrsplanung), im Amt für öffentliche Ordnung und im Tiefbauamt. „Es gab Zeiten, da wurde um 0,25 Stellen gerungen“, sagte Pätzold und bezeichnete diese drei neuen Stellen als „Meilenstein“.

Zählstellen im Dauereinsatz

Ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts ist die Tallängsroute, also die Hauptradroute 1. Hier gab es in den vergangenen Monaten eine positive Entwicklung: Die beiden Fahrrad-Dauerzählstellen, also beim Mineralbad Leuze im Nordosten wie an der Böblinger Straße/Waldeck im Südwesten, weisen Steigerungen auf. Der Zuwachs am Waldeck um 14 000 auf 223 000 Radler bedeutet ein Plus von 6,7 Prozent. Ein Teilnehmer des Radforums merkte allerdings an, dass diese Zählstelle etwas ungünstig liegt: „Man muss sie auch treffen wollen, sonst fährt man daran vorbei.“ Am Leuze ging’s um 17,8 Prozent auf 808 000 Radfahrer nach oben.

Autoverkehr unterbrochen

Erfreulich beim Freizeitverkehr ist für den Bürgermeister die Veränderungen auf der Neckar-Ostseite in der Hofener Straße 2015: Diese ist sonntags und feiertags für Kraftfahrzeuge gesperrt, für Fußgänger und Radfahrer ist sie zwischen Mai und Oktober frei. „Eigentlich wollten wir auch den Samstag reinnehmen, das lässt sich derzeit nicht umsetzen, aber wir geben die Hoffnung nicht auf.“ Als weitere kürzlich erfolgte Verbesserungen nannte Pätzold die Unterbrechung des Autoverkehrs in der Tübinger-/Feinstraße, im Schlossgarten den Verbindungsweg Platanenallee zur Haltestelle Mineralbäder und weiter ins Neckartal, Schutzstreifen und die direkte Radführung am Berliner Platz, die Verbreiterung des Neckartal-Radwegs an den Seilerwasen in Cannstatt, die neue Brücke über dem Mahdental.

Speziell nannte Pätzold außerdem die neue Downhill-Strecke zwischen Degerloch und dem Stuttgarter Süden. Bei den anstehenden Projekten geht an der Hauptradroute 1 um die Fahrradstraße in der Tübinger Straße oder auf der Route 2 um die Radfahrstreifen und Schutzstreifen im Bereich Stuttgart-Ost, Wangen und Hedelfingen. Die Hauptroute 3 zwischen Innenstadt und Bernhausen soll ebenso realisiert werden wie die Hauptroute 5 von der Innenstadt nach Kornwestheim und die Hauptroute Heumaden–Vaihingen. Auf der Hauptroute 2 ist in der Neckartalstraße der zweite Bauabschnitt mit dem Anschluss bis Münster vorgesehen.

Neue Rad-Service-Station

Pätzold kündigte eine neue Fahrrad-Service-Station unter der Paulinenbrücke an. Auch die Verbesserung der Radmitnahme in Bussen und Bahnen sei auf der Agenda. Sein Fazit: „Wir wollen mehr Leute aufs Rad bringen. Wir sind auf einem guten Weg, aber noch nicht am Gipfel angekommen.“ Dass es noch einiges zu tun gibt, ging beim Radforum aus der Wortmeldung einer erst vor zwei Jahren nach Stuttgart gezogenen Leipzigerin hervor: „Ich habe mich anfangs nicht getraut, hier Rad zu fahren, die Akzeptanz durch die Autofahrer ist sehr schlecht.“ Pätzold allerdings betonte das Positive: „Mein Gefühl ist, dass die Situation vor 20 Jahren schlimmer war.“ Natürlich gebe es noch Luft nach oben, aber generell „wollen wir zeigen, dass Radfahren in Stuttgart kein Abenteuer, sondern ein Vergnügen ist“.

Der nächste Radaktionstag findet am Samstag, 11. Juni, statt. Wer Interesse an der Mitarbeit im Radforum hat, kann sich an folgende E-Mail-Adresse wenden: claus.koehnlein@stuttgart.de.

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