Polizeicamp in Libyen Viele Tote bei Anschlag

Von red/dpa 

Die libysche Küstenwache rettet häufig Flüchtlinge aus dem Mittelmeer. Sliten war bislang nicht für die Anwesenheit des IS bekannt. Foto: dpa
Die libysche Küstenwache rettet häufig Flüchtlinge aus dem Mittelmeer. Sliten war bislang nicht für die Anwesenheit des IS bekannt.Foto: dpa

Bei einem Anschlag auf ein Trainingscamp der Polizei in Westlibyen sind mindestens 21 Menschen getötet worden. Ein mit Sprengstoff gefüllter Lastwagen sei in der Nähe einer Gruppe von Polizisten von einem Selbstmordattentäter zur Explosion gebracht worden.

Tripolis - Bei dem Selbstmordanschlag auf ein Trainingscamp der Polizei in Westlibyen sind nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Lana mindestens 50 Menschen getötet und 127 verletzt worden. Die Agentur berief sich dabei auf den örtlichen Krankenhausdirektor der betroffenen Stadt Sliten, das etwa 160 Kilometer östlich der Hauptstadt Tripolis liegt. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat.

Der Stadtrat teilte am Donnerstag mit, ein mit Sprengstoff gefüllter Lastwagen sei in der Nähe einer Gruppe von Polizisten explodiert. Auf dem Gelände würden Sicherheitskräfte der Küstenwache ausgebildet. Der Sprecher des Rates ging wegen des schlechten Zustands einiger Verletzter davon aus, dass die Zahl der Todesopfer noch steigen werde.

Ähnliche Angriffe waren in der Vergangenheit vom libyschen Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verübt worden. Der IS kontrolliert in dem nordafrikanischen Land einen Küstenstreifen am Mittelmeer rund um die Stadt Sirte. Sliten, eine vergleichsweise wohlhabende Handelsstadt in dem ölreichen Land, ist allerdings nicht dafür bekannt, Zufluchtsort für Dschihadisten zu sein.

UN-Friedensplan noch nicht in Kraft getreten

„Wir haben Informationen, dass vor zwei Tagen ein Boot in der Stadt angekommen ist, das Fremde an Bord hatte“, sagte eine Sicherheitsquelle in der Stadt der Deutschen Presse-Agentur. Am Mittwoch hätten Sicherheitskräfte versucht, alle Menschen ausfindig zu machen, die sich illegal in der Stadt aufhielten. „Aber leider konnten wir dieses Desaster nicht stoppen.“

Nach dem Sturz von Langzeitmachthaber Muammar al-Gaddafi hatten jahrelang zwei konkurrierende Regierungen die Führung des Landes jeweils für sich beansprucht - das von Islamisten dominierte Tripolis und die international anerkannte Regierung im ostlibyschen Tobruk.

Politiker der beiden Führungen hatten im Dezember einen UN-Friedensplan für das Land unterzeichnet, der allerdings noch nicht in Kraft ist. Er sieht die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit vor. Auch durch dieses Machtvakuum im Land konnten extremistische Gruppen in Libyen Fuß fassen.

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