Ostfildern Ein wichtiger Beitrag für ein selbstbestimmtes Leben

Von Jürgen Veit 

Die Küche  zählt zu den Lieblingsarbeitsplätzen von  Mauricio Klumpp. Foto: Horst Rudel
Die Küche zählt zu den Lieblingsarbeitsplätzen von Mauricio Klumpp.Foto: Horst Rudel

Der 23-jährige Mauricio Klumpp, der mit dem Down-Syndrom geboren wurde, ist bei der Stadt Ostfildern angestellt. Im Haus der Kinder erledigt der junge Mann mit Handicap allerlei Aufgaben im hauswirtschaftlichen Bereich.

Ostfildern - Menschen mit einer geistigen Behinderung sind nicht zwangsläufig gezwungen, ausschließlich in speziell für sie eingerichteten Werkstätten zu arbeiten. Mauricio Klumpp ist dafür ein leuchtendes Beispiel, denn der 23-Jährige, der mit dem Down-Syndrom geboren wurde, ist bei der Stadt Ostfildern beschäftigt. Das zeigt: Inklusion ist nicht nur ein Wort.

Im Haus der Kinder im Stadtteil Scharnhauser Park ist Mauricio Klumpp der Mann für fast alle Fälle. In der Küche spült und trocknet er ab, er hilft beim Kochen, deckt die Tische, bereitet die Servierwagen vor, kehrt die Wege im Freien und macht die Betten für die Kinder, die tagsüber in der Einrichtung betreut werden. Er arbeitet täglich von 10 bis 17 Uhr. Außer montags, da macht Mauricio Klumpp schon um 14 Uhr Feierabend, weil er zur Reitstunde nach Köngen geht.

Erster Bufdi mit Handicap

Welche Tätigkeiten in der Kindertagesstätte für ihn anfallen, weiß der 23-Jährige schon längst, denn bereits von 2011 bis 2013 absolvierte er dort ein Langzeitpraktikum, dem sich ein einjähriger Bundesfreiwilligendienst anschloss. Mauricio Klumpp war damals bundesweit der erste sogenannte Bufdi mit einem Handicap. Auch die dafür erforderlichen Seminare, etwa im Fach politische Bildung, hat der ehemalige Schüler der Nürtinger Bodelschwinghschule ohne Probleme bewältigt.

Dass ihm die Arbeit im hauswirtschaftlichen Bereich liegt, hat nicht nur der junge Mann während der drei Jahre in der Einrichtung gemerkt. Auch Christa Munz, die Leiterin des Hauses für Kinder, hat seine Fähigkeiten erkannt, wenngleich er in der täglichen Arbeit „Kontrolle und einen Ansprechpartner“ benötige. Seit dem Sommer vergangenen Jahres arbeitet der 23-Jährige in einem regulären sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis bei der Stadt Ostfildern und wird nach Tarif bezahlt. Seine Anstellung wird von der Arbeitsagentur und aus verschiedenen Förderprogrammen noch bis zum Jahr 2019 bezuschusst.

Engagierte Eltern

Rainer Lippmann von der Arbeitsagentur Göppingen, die auch für den Landkreis Esslingen zuständig ist, freut sich, diesen „nicht alltäglichen Weg in die Integration“ in seinem Bezirk aufzeigen zu können. Es gelte, den Automatismus, dass der Großteil der Sonderschüler später in den Behindertenwerkstätten arbeiten, „zu unterbrechen“. Denn das „Potenzial für andere Wege“ sei durchaus vorhanden, sagt Lippmann. So besuchten im Landkreis Esslingen zurzeit rund 10 bis 15 behinderte Menschen Maßnahmen für eine sogenannte unterstützte Beschäftigung. Davon schafften es fünf bis acht in den ersten Arbeitsmarkt. „Man versucht, Einzelfalllösungen zu finden“, sagt Rainer Lippmann.

Für Mauricio Klumpp ist das gelungen, auch dank seiner Eltern, die sich stark dafür engagiert haben, ihrem Sohn einen seinen Fähigkeiten entsprechen Arbeitsplatz zu verschaffen. Für den 23-Jährigen ist das Beschäftigungsverhältnis ein wichtiger Beitrag für ein selbstbestimmtes Leben.

Mauricio leistet „wertvolle Dienste“

Laut Silke Spies, die bei der Stadt Ostfildern für die Personaldienste zuständig ist, sind in der Kommune nicht viele Menschen mit Behinderungen in dem Umfang wie Mauricio Klumpp beschäftigt. Aber im Bauhof beispielsweise gebe es weitere Stellen für gehandicapte Menschen.

Für das Haus der Kinder leiste Mauricio Klumpp „wertvolle Dienste“, sagt die Leiterin Christa Munz. Wie bei jedem anderen Mitarbeiter müssten auch mit ihm Abläufe in der täglichen Arbeit geklärt werden. Beispielsweise beim Zusammenlegen der Wäsche: „Ich hätte gerne Strumpfhose zu Strumpfhose sortiert, Mauricio lieber blau zu blau.“ Es habe ein wenig gedauert, „bis wir uns geeinigt hatten“.

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