Nachruf Die Esslinger Jazzszene trauert um Eugen Hutter

Von Jürgen Veit 

Eugen Hutter Foto: Horst Rudel
Eugen Hutter Foto: Horst Rudel

Die Esslinger Jazzszene trauert um Eugen Hutter. Der Eigentümer des Jazzkellers in der Webergasse ist im Alter von 93 Jahren gestorben.

Esslingen - Eugen Hutter, der Eigentümer des Jazzkellers in der Esslinger Webergasse, ist tot. Er starb am Dienstag, 20. Dezember, im Alter von 93 Jahren und wurde an diesem Donnerstag im engsten Familien- und Freundeskreis beigesetzt.

Für die Esslinger Jazzszene war Eugen Hutter ein echter Glücksfall. Schon im Oktober 1957 hatten Fans dieser Musik den Jazzclub gegründet, und sie fanden kurz darauf in Eugen Hutter einen Menschen, der ebenfalls für den Jazz brannte und ihm in Esslingen im Gewölbekeller unter seiner Bäckerei eine Heimat gab. Das Ambiente in dem altehrwürdigen Gebäude hätte besser nicht sein können, um dieser in den 1950er- und 1960er-Jahren boomenden Stilrichtung einen standesgemäßen Rahmen zu schenken. Dort gaben sich Größen des Jazz’ wie Wolfgang Dauner und Eberhard Weber die Ehre, lange bevor sie weltweit Karriere machten. Aber auch andere großartige nationale und internationale Musiker und Gruppen spielten im Hutterschen Jazzkeller und machten diesen weit über die Stadtgrenzen Esslingens hinaus bekannt.

Viele Konzerte schnitt damals gar der Süddeutsche Rundfunk mit. Umso härter traf es Eugen Hutter, seine Mitstreiter und die ganze Jazzgemeinde, als der Keller in der Webergasse 22 im Jahr 1971 wegen behördlicher Auflagen schließen musste. Er wurde lediglich noch als Übungsraum und für private Veranstaltungen genutzt, bis der damalige, inzwischen verstorbene, städtische Kulturreferent Peter Kastner zum „Aufbruch an neue Ufer“ mahnte. Mit vereinten Kräften wurden Hürden genommen und der Keller durch das finanzielle Engagement von Eugen Hutter saniert und umgebaut, sodass er im März 1995 wieder eröffnet werden konnte. Fortan stand er mit Auftritten großer Jazzer wieder für eine hohe Qualität und ein begeistertes Publikum. Eugen Hutter ließ bis ins vergangene Jahr kein Konzert aus und er ließ es sich auch nicht nehmen, die Musiker mit seinem selbst gebrannten Schnaps zu verwöhnen.

Vor zwei Jahren wurde der Jazzkeller erneut umgebaut, dieses Mal mit der finanziellen Unterstützung durch die Stadt, die Weiler Stiftung und Sponsoren. Der neue Jazzkeller sei schon schöner geworden, befand der Eigentümer Eugen Hutter. „Das andere war aber auch schön. Aber ich werde mich schon daran gewöhnen.“

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