Nach Rilling Bach-Akademie: Alles wieder gut

Susanne Benda, 08.11.2012 18:12 Uhr

Stuttgart - Im Sommer 2013 übernehmen Hans- ­Christoph Rademann als künstlerischer Leiter und Gernot Rehrl als Intendant die Leitung der Bachakademie. Am Mittwoch haben sie ihr Konzept für das Musikfest, eine neue Konzertreihe und den künstlerischen Kurs vorgestellt.

„Nein“, sagt Helmuth Rilling. Zum Erstaunen vieler, die um die Grabenkämpfe zwischen dem Gründer und künstlerischen Leiter der Internationalen Bachakademie Stuttgart wissen, sitzt der 79-Jährige neben seinem designierten Nachfolger, dem Dresdner Dirigenten Hans-Christoph Rademann, auf dem Podium. Eckpunkte des neuen Programms, Grundlegendes zum neuen Kurs der Traditions-Institution am Johann-Sebastian-Bach-Platz sollen am Mittwochmorgen verkündet werden, und ein Eckpunkt des Programms wird ein „Stabübergabekonzert“ zu Beginn des Musikfests 2013 sein, bei dem erst Rilling die Kantate „Herz und Mund und Tat und Leben“ (BWV 147), dann Rademann die Kantate BWV 34 („O ewiges Feuer, o Ursprung der Liebe“) dirigieren wird. Sogar dem deutschen Bundespräsidenten ist die Veranstaltung eine Reise aus Berlin nach Stuttgart wert. „Nein“, sagt Rilling zu Rademann, „ich werde Ihnen keinen Stab übergeben. Sie haben ja sicher schon einen.“ Gelächter im Saal. „Ich sitze gerne hier“, hat Stuttgarts Bach-Doyen zuvor gesagt, das sei für ihn „eine Selbstverständlichkeit“, und er wolle „auch in Zukunft alles tun, um die Bachakademie weiter zu stützen und zu unterstützen“.

„Helmuth Rilling sitzt und ist an unserer Seite“

Es scheint sie wirklich zu geben, die neue bachakademische Gelassenheit. Mit Freundschaft hat das Verhältnis zwischen dem Vorstandsvorsitzenden Berthold Leibinger und dem amtierenden künstlerischen Leiter zwar nichts mehr zu tun, aber immerhin sind beide da, und Rilling hat für die Saison 2014/15 bereits ein Gastdirigat zugesagt. Rademann wie Rehrl bedanken sich noch einmal beim Team der Akademie und beim amtierenden Intendanten Christian Lorenz für die freundliche, professionelle Aufnahme, und der designierte Intendant bekräftigt mehrfach, „das Lebenswerk Helmuth Rillings in die Zukunft führen“ zu wollen. „Helmuth Rilling sitzt und ist an unserer Seite“, sagt Gernot Rehrl.

Was dann als neuer Kurs des Hauses vorgestellt wird, ist tatsächlich eine Mischung aus Bewährtem und Neuem. Die „Dachmarke“ Bachakademie, so Rehrl, soll auf jeden Fall erhalten bleiben und weiterhin auf den beiden Säulen Bach und Akademie fußen. Auf „vier Bausteine“ will man dabei setzen: den akademischen Gedanken (also Wissenschaft und Vermittlung), Konzert- und Tournee-Tätigkeit, die Ensembles Gächinger Kantorei und Bach-Collegium (Rademann: „Ich arbeite mit ihnen so, wie sie sind“), das Musikfest Stuttgart.

Beim Musikfest 2013 startet das Projekt „Bach bewegt“

Hinzu kommen vier neue Elemente. Die historisch informierte Aufführungspraxis wird Grundlage der musikalischen Arbeit – womöglich auch in der Zusammenarbeit mit entsprechend spezialisierten Ensembles. Es wird Bach-Vermittlung an Jugendliche durch Tanz und Bewegung geben: Beim Musikfest 2013 startet das Projekt „Bach bewegt“ in Zusammenarbeit mit der Community Dance Minden, der auch die Ehefrau des designierten künstlerischen Leiters, Friederike Rademann, angehört. Außerdem betreibt man eine stärkere „Öffnung für die multikulturelle Vielfalt der Gesellschaft“ (Rehrl), und der geistlichen Musik des 20. und 21. Jahrhunderts wird sich in Zusammenarbeit mit dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR eine neue vierteilige Konzertreihe annehmen.

Das Musikfest, im kommenden Jahr auch selbstbezüglich mit „Neugier“ übertitelt, wird auf gut zwei Wochen (von 22. August bis 8. September) verkürzt; etliche Neuerungen, die Christian Lorenz einbrachte (wie etwa die Morgenkonzerte, das Symposium, das interreligiöse Projekt „Trimum“ oder die Idee unterschiedlicher Spielorte) werden übernommen.

Der Vorverkauf für das Eröffnungskonzert mit dem West-Eastern Divan Orchestra, das unter Daniel Barenboim Werke von Wagner und Verdi sowie zwei neue Stücke eines israelischen und eines jordanischen Komponisten spielt, beginnt am 3. Dezember. Dann sind auch schon Karten für Hans-Christian Rademanns Antrittskonzert mit Händels Oratorium „Israel in Egypt“ zu haben, für das „Stabübergabekonzert“ sowie für eine vierteilige Kantatenreihe mit dem tschechischen Collegium vocale 1704, der Niederländischen Bachvereinigung, der Stuttgarter Bachakademie-Ensembles und des Dresdner Kammerchors. Die Tradition der Meisterkurse für Nachwuchsmusiker will Rademann nicht nur weiterführen, sondern verstärken: Die Gächinger Kantorei und das Bach-Collegium Stuttgart sollen hier durchgehend präsent sein, und Jordi Savall wird einen Gamben-Kurs geben.

www.bachakademie.de
 
 
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