Nach Krawallen beim VfB gegen den KSC Auch die Fans sollen mehr einbezogen werden

Von Nils Mayer 

Auch das als Hochrisikospiel eingestufte Duell des VfB Stuttgart gegen den Karlsruher SC hat einen Mehreinsatz der Polizei im und um das  Stadion erfordert. (Archivfoto) Foto: Pressefoto Baumann
Auch das als Hochrisikospiel eingestufte Duell des VfB Stuttgart gegen den Karlsruher SC hat einen Mehreinsatz der Polizei im und um das Stadion erfordert. (Archivfoto) Foto: Pressefoto Baumann

In der Saison 2016/17 hat die Polizei rund um Fußballspiele mehr Einsätze geleistet als in der Vorsaison. Vor allem die Duelle VfB Stuttgart und Karlsruher SC schlugen zu Buche. Auf dem Fußball-Gipfel wurde nun das neue Sicherheitskonzept vorgestellt.

Stuttgart - Lokale Allianzen sollen die Stadionbesuche für Fans sicherer machen. Das ist das Ergebnis des Sicherheitsgipfels mit 80 Teilnehmern, den Innenminister Thomas Strobl (CDU) nach den schweren Ausschreitungen vor und während des Baden-Württemberg-Derbys zwischen den damaligen Zweitligisten VfB Stuttgart und Karlsruher SC anberaumt hatte.

Wie unsere Zeitung exklusiv berichtet hat, stützt sich das Innenministerium bei dem gewählten Weg auf eine neue Studie der FH Potsdam. Demnach gibt es im Verbund der Sicherheitsakteure vor Ort „Optimierungsmöglichkeiten“. Um zu verhindern, dass beim Sicherheitsgipfel nur gegenseitige Erwartungshaltungen formuliert werden, veranstalteten die Fachleute des Innenressorts vor zwei Wochen bereits einen Fachtag mit Vertretern der Polizei, der Vereine, der Kommunen sowie den Sozialarbeitern der vereinsunabhängigen Fanprojekte. Das Ergebnis? Man intensiviere den Dialog und beziehe künftig auch die Fansicht ein, sagte Landespolizeipräsident Gerhard Klotter: „Wir schaffen damit mehr Vertrauen und Verbindlichkeit bei ­allen Beteiligten.“

Polizei soll nicht mehr sichtbar sein

Das Ziel der sogenannten Stadionallianzen sind klarere Kommunikationsstrukturen sowie eine gemeinsame Risikoeinschätzung vor Spielen. Bei risikoarmen Partien soll die Polizei zudem nicht mehr sichtbar sein. Den Anfang machen die Beteiligten rund um die Spiele des VfB Stuttgart und der TSG Hoffenheim. Mittelfristig sollen weitere Vereine folgen. Das Innenministerium will gemeinsam mit der Justiz darüber hinaus eine Handreichung für Kommunen erarbeiten, um Meldeauflagen und Bereichsbetretungsverbote für gewaltbereite Fußballfans zu vereinheitlichen.

Der Fraktionsvize der SPD im Landtag, Sascha Binder, kritisierte den Sicherheitsgipfel als „Kaffeekränzchen ohne handfestes Ergebnis“. Wirklich konkrete Maßnahmen seien nicht angepackt worden. Binder hatte in der vergangenen Woche selbst einen Zehn-Punkte-Plan vorgestellt. Darin enthalten waren unter anderem Schnellverfahren durch Staatsanwälte und Richter bei Hochrisikospielen, die Verankerung eines Vermummungsverbots in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der Vereine, bessere Kontrolle von Stadionverboten und die Forderung, dass sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB), der Liga-Verband DFL oder die Vereine selbst an den Kosten für Polizeieinsätze beteiligen sollen, die „über das normale Maß hinausgehen“.

Strobl: Vereine sollen nicht an den Kosten beteiligt werden

Die Rufe nach Kostenerstattung durch die Vereine sind nicht neu. Die Stadt Bremen erhob Gebührenbescheide für die DFL. Doch die Dachorganisation der ersten beiden Ligen in Deutschland klagte dagegen und siegte vor dem Verwaltungsgericht. Innenminister Strobl indes hält nichts von der Idee, die Vereine an den Kosten zu beteiligen. „Wir wollen nicht Kasse machen, wir wollen die Ursachen beseitigen“, sagte er.

In der Saison 2016/17 war die Landespolizei durch die Fußballspiele wieder stärker belastet als im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres. Die Zahl der Einsatzstunden rund um Stadien von der Bundes- bis zur Oberliga kletterte laut der Landesinformationsstelle für Sporteinsätze (LIS) im Innenministerium von 160 010 auf 183 900. Nicht berücksichtigt sind bei diesen Zahlen die Einsätze bei Länder-, Pokal-, Freundschafts- und Relegationsspielen, die in der vergangenen Runde weitere 13 000 Mannstunden verursachten.

Im Ligenspielbetrieb hielt zuletzt besonders die Zweite Bundesliga die Polizei in Atem. Allein die Duelle zwischen den Erzrivalen VfB Stuttgart und Karlsruher SC (in Karlsruhe: 9912 Stunden; in Stuttgart: 9027 Stunden) sowie deren beider Heimspiele gegen Dynamo Dresden verhagelten die Bilanz. Diese vier Begegnungen machten fast 25 Prozent der Einsatzstunden aus. Die gute Nachricht für die Zukunft: Weil der VfB Stuttgart in die erste Liga auf- und der Karlsruher SC in die dritte Liga abgestiegen ist, gibt es in der Mercedes-Benz-Arena und im Wildparkstadion in absehbarer Zeit weder das Baden-Württemberg-Derby noch Partien mit Dresdner Beteiligung.

Und noch ein schwacher Trost am Rande: Der Belastungsrekord stammt trotz allem nicht aus der vergangenen Saison, sondern aus der Spielzeit 2014/15. Damals kam die Polizei auf 193 200 Mannstunden – unter anderem, weil die damaligen Drittligisten Stuttgarter Kickers und VfB II wegen der Sanierung des Gazi-Stadions für ihre Heimspiele nach Reutlingen und Großaspach ­ausweichen mussten.

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