Neue Tübinger Stadtschreiberin "Ohne das Schreiben wäre ja alles sinnlos"

Von Lea Melcher 

Monika Rinck Foto: www.juergen-bauer.com
Monika RinckFoto: www.juergen-bauer.com

Die Tübinger Stadtschreiberin Monika Rinck hat nun ein Jahr "Zeit, um durchzuatmen". Vom Dichten allein kann man oft leider nicht leben - die Poetin über Lyrik und Sprachchauvinismus.

Die Tübinger Stadtschreiberin Monika Rinck hat nun ein Jahr "Zeit, um durchzuatmen". Vom Dichten allein kann man oft leider nicht leben - die Poetin über Lyrik und Sprachchauvinismus.
 
Tübingen - Frau Rinck, wie überlebt man als Lyrikerin in Deutschland?
Schlecht. Man braucht leider einen Nebenjob, das hindert einen natürlich am Dichten. Und man muss reisen oder Stipendien oder Preise bekommen.
Zum Beispiel eine Stadtschreiberschaft wie in Tübingen?
Ja. Das ist eine Möglichkeit zum Durchatmen, um nicht ständig an alle möglichen anderen Dinge zu denken. Man kann sich einem einzigen Gegenstand über mehrere Tage hinweg widmen. Dazu wird es natürlich Lesungen geben, und ich muss auch wieder reisen.
Warum schreiben Sie, wenn es so schwer ist?
Weil ich mir ein Leben ohne Schreiben nicht vorstellen könnte. Dann wäre ja alles sinnlos.
Auf einer Internetseite namens „Begriffsstudio“ sammeln Sie besondere Ausdrücke. Wollen Sie damit dem allzeit ausgerufenen „Verfall der Sprache“ entgegenwirken?
Der ist doch totaler Quatsch. Sprache überlebt alles. Sie wird ja auf unterschiedlichste Arten und Weisen weitergesprochen. Diese Verfallsgeschichten liegen nah am Sprachchauvinismus, nach dem Motto: Jetzt kommt der englische Spracheinwanderer und vergewaltigt den reinen deutschen Sprachleib.
Warum gibt es das „Begriffsstudio“ dann?
Wegen der Dominanz der Werbesprache. Die hat nämlich nur einen Zweck: verkaufen. Sie ist stumpfsinnig, blöd. Das ist schon fast ein stadtarchitektonisches Sprachproblem: alles voller Werbebehauptungen.
Welche Begriffe schaffen es in Ihr Studio?
Einfach nur besonders Krasses kommt da nicht rein. Nein, die Begriffe brauchen eine gewisse poetische Qualität, die ich bewahren möchte. Das ist kein Stall voller Monster.
Haben Sie einen Lieblingsbegriff?
Nein, überhaupt nicht!
Wie sehen Sie die Zukunft der Lyrik?
Hier gönne ich mir den Luxus, ahnungslos zu sein.
Und Ihre eigene Zukunft?
Da steht einiges an: ein kleiner Band über Autos, einer, der Texte mit meinen eigenen Aquarellen zusammenbringt und wahrscheinlich vom Umgang mit Gewalt handelt. Und dann soll im Frühling 2015 noch ein Essay-Band erscheinen, da soll es um Dummheit gehen. Was das ist, wird sich zeigen.

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