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Mode aus Stuttgart 0039 Italy - unter italienischer Flagge

Von Heidemarie A. Hechtel 

Aysen Bitzer mit ihren Schöpfungen Foto: Lichtgut/Horst Rudel
Aysen Bitzer mit ihren SchöpfungenFoto: Lichtgut/Horst Rudel

Die Modezeitschrift „Vogue“ bezeichnete sie kürzlich als „Blusen-Wunder“: Aysen Bitzer nimmt die hübsche Anspielung amüsiert zur Kenntnis. Denn der Grundstock und Garant für den internationalen Erfolg des Labels 0039 Italy der Stuttgarter Designerin und Modeunternehmerin war und ist bis heute tatsächlich die Bluse.

Stuttgart - Ein ehemaliges Fabrikgebäude in einem Gewerbegebiet am Rande der Stadt: Nichts, nicht einmal der Name des Labels oder ein Signet verrät, dass hier eine renommierte Designerin arbeitet. Hier entstehen die trendigen Kollektionen, hier werden die Muster für die Fertigung in Portugal entworfen, von hier aus wird die Ware in 60 Länder in Europa und Übersee und fürs Online-Geschäft versandt. Hier ist das Reich von Aysen Bitzer. Wenn sie nicht gerade auf Reisen ist: zu den Modemetropolen wie Paris oder Mailand, um stets up to date zu sein, oder zu ihren zehn eigenen Läden in Berlin, Hamburg, Sylt, Düsseldorf, München, ­Florenz, Mallorca, Paris und Hossegor am Atlantik. Und natürlich in Stuttgart, dem Podium im Königsbau. Weitere Stores in Los Angeles und New York seien geplant.

Warum 0039 Italy als Label? Mit der Zahl der Vorwahl scheinbar ein direkter Draht nach Italien für Mode, die aus Stuttgart kommt? Ein kleiner Etikettenschwindel? Nein, beteuert Asysen Bitzer, das sei eine Hommage an ihr Lieblingsland. ­Umso mehr, als dort die Idee zu einem eigenen Modeunternehmen geboren wurde. Als sie im Jahr 2000 zum ersten Mal mit ihrem zukünftigen Mann verreiste, natürlich nach Italien, hätte der Freund seine attraktive Liebste im Bikini beim Ballspiel am Strand gern etwas züchtiger bedeckt gesehen, gibt sie die fast intime Geschichte preis. Wenigstens eine längere und über den Po reichende Tunika sollte es sein. „Mein Mann stammt aus Ägypten“, sagt die heute 40-Jährige dazu erklärend. Aber in ganz Forte dei Marmi war kein Teil zu finden, das ihr gepasst oder gefallen hätte. „Da haben wir beschlossen, gemeinsam ein Modeunternehmen zu gründen. Mit dem Schwerpunkt auf Blusen.“ Gesagt, getan: „Schon drei Monate später hatten wir einen Stand auf der Messe in Paris. Mit einer Bluse. Dem Modell Carla, weit und lang. Aus Leinen und in 25 Farben. Sie wurde uns aus der Hand gerissen. Wären wir damals nicht so erfolgreich gewesen, hätten wir nicht weitergemacht.“

Zur ersten Bluse wurde eine Handvoll weiterer Teile entworfen, bald präsentierte das junge Unternehmen eine Vollkollektion.

Blusen in allen Variationen. Das Modell der ersten Stunde blieb ein Klassiker: unverzichtbar nicht nur im Urlaubskoffer der Designerin. Mit Hemdkragen, hochgeschlossen mit Stehkragen und schmeichelnder Raffung, uni und gemustert. Für den Sommer dominieren Weiß und romantische Baumwollspitze. „Wir wollen die Bluse von ihrem konventionellen Image befreien und dem Klassiker zu einem lässigen Image verhelfen“, sagt sie selbst dazu. Man solle sich in diesen Kleidungsstücken immer wie im Urlaub fühlen: frei und unkompliziert, mit mediterraner Leichtigkeit. Bella Figura in Mode aus Stuttgart. Doch die Stoffe, Naturseide, Baumwolle, Wolle und Leder, oft mit dekorativen und verspielten Dessins, kommen alle aus Italien.

An Kleiderständern hängen auch Abendkleider

Die Blusen bleiben natürlich nicht allein. Komplett wird die Kollektion durch großzügige Jacken, in die man sich hüllen kann, Kleider, die ganz einfach geschnitten und damit umso reizvoller sind, Röcke, die wiederum durch ihre raffinierten Drucke bestechen, Hosen und stadtfeine Bermudas.

An Kleiderständern hängen auch Abendkleider. „Das ist für Natalia“, sagt die Designerin und deutet auf eine Robe aus roter Spitze. Natalia? Etwa die Schauspielerin Natalia Wörner? Ja, ja, sie hätten sich mal in Stuttgart kennengelernt und seien befreundet, nickt Aysen Bitzer. Und verrät noch ein paar Promi-Namen aus ihrer Klientel: Barbara Schöneberger zum Beispiel. Iris Berben. Lara Joy Körner. Und Nathalie Portman kaufe im 0039-Italy-Store in Paris ein. „Aber für mich ist jede Kundin ein Vip“, beteuert die Designerin, die obendrein noch einen eigenen Outlet-Laden im Stadtteil Sillenbuch für Last-Season-Teile betreibt.

Es ist eine Erfolgsgeschichte, die staunen lässt. Umso mehr, als Aysen Bitzer, aufgewachsen in Kirchheim/Teck als Tochter einer Türkin und des passionierten Motorsportlers Rudolf Bitzer, bekennt, dass sie eine reine Autodidaktin sei. Keine Schneiderlehre, kein Studium an einer Modeschule vermittelten das Know-how für diese ­Karriere. Sie habe sich natürlich immer für Mode interessiert, aber das tun viele andere junge Frauen auch. Sie absolvierte stattdessen eine kaufmännische Ausbildung. Doch inzwischen, versichert das Multitalent, ­könne sie zuschneiden und schneidern. Und im Sommer wolle sie an der Modeschule in Paris einen Kurs in Modezeichnen belegen, um in dieser Kunst noch besser zu werden. Dabei sind ihre Entwurfszeichnungen, virtuos hingeworfene Figurinen, schon jetzt sehr professionell.

Die Mutter von zwei Söhnen hat Ehrgeiz. Und ein großes Vorbild: „Karl Lagerfeld. Ich liebe diesen Mann.“ Seit sie in der gleichen „Vogue“-Ausgabe neben „Karl dem Großen“ als Blusen-Wunder Furore machte, ist sie schon ein gutes Stück zu ihm aufgerückt.

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