Mannheimer Katholikentag Christentreffen mit bitterem Geschmack

Von Markus Brauer 

Viele Gläubige wünschen sich rasche Reformen und einen neuen Aufbruch. Foto: dapd
Viele Gläubige wünschen sich rasche Reformen und einen neuen Aufbruch. Foto: dapd

Mannheimer Katholikentag beschäftigt sich auch mit der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals.

Mannheim - In der Katholischen Kirche rumort es. Viele Gläubige wünschen sich rasche Reformen und einen neuen Aufbruch. Die deutschen Bischöfe setzen auf Dialog, aber nicht auf schnelle Entscheidungen. Viel Konfliktstoff für den Katholikentag.

Kaum ein Wort wird auf dem 98. Katholikentag in Mannheim so häufig in den Mund genommen wie Aufbruch. Spricht man mit Gläubigen auf einigen der rund 1200 Veranstaltungen, die bis Sonntag stattfinden, dann reden viele von ihrer Hoffnung auf Veränderung und Wandel. „Ich erwarte vom Katholikentag einen Aufbruch“, sagt die Diplompädagogin Christina Czarnetzki (42) aus Ettenheim. Vor allem infolge der Missbrauchsskandale sei es wichtig, dass die Kirche in die Offensive gehe. „Wir dürfen uns nicht alle in der Opferrolle sehen.“ Was über so viele Jahrzehnte falsch gelaufen sei, könne man nicht innerhalb kurzer Zeit aufarbeiten.

Auch Alois Glück gibt sich optimistisch. Der Mann ist Präsident des Zen­tralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), das das Laientreffen alle zwei Jahre managt. Der frühere CSU-Spitzenpolitiker glaubt, dass „neue Initiativen immer von unten kommen, nur selten von oben“. Das Christentreffen solle Orientierung in einer Zeit vieler wichtiger Weichenstellungen geben. „Wir wünschen uns mehr Partnerschaftlichkeit in der Kirche: zwischen Frauen und Männern, zwischen Laien und Klerikern.“

Der Katholikentag soll verloren gegangenes Vertrauen zurückbringen

Dass konservative Oberhirten wie der Kölner Kardinal Joachim Meisner und mit ihm viele Traditionalisten dem fünftägigen Treffen fernbleiben, demotiviert Glück keineswegs. Den „Mannheimer Aufruf“, in dem das ZdK gleich zu Beginn der Großveranstaltung vor einem Rückzug der Kirche aus der gesellschaftlichen Verantwortung warnt und innerkirchliche Reformen 50 Jahre nach Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) anmahnt, nennt Glück „eine Art Notruf“.

Der Katholikentag soll verloren gegangenes Vertrauen zurückbringen. Das hat die deutsche Kirche bitter nötig. Nach den Missbrauchskandalen und der darauffolgenden massiven Austrittswelle geht es in Mannheim vor allem darum, ein positiveres Bild von Kirche zu vermitteln. Die „tiefe Erschütterung“ habe aber auch „Verkrustungen aufgebrochen“, ist Glück überzeugt.

Zahlreiche Veranstaltungen sind geprägt von den drückenden Problemen in der Kirche, die seit Bekanntwerden der zahllosen Missbrauchsfälle in einer existenziellen Krise steckt. Bernd Göhlig (46) sieht darin das „große Schattenthema“ des Katholikentags, dass alle anderen wichtigen Fragen wie etwa die Sozial- oder Entwicklungspolitik beiseite drängt. Doch eine wirkliche Aufarbeitung finde nicht statt. Der Theologe aus Leutershausen wirft den Bischöfen vor, Imagepflege zu betreiben und das „heiße Eisen“ endlich vom Tisch haben zu wollen.

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