Leitartikel zur Flüchtlingskrise Liebe deinen Übernächsten

Von Rainer Wehaus 

Kanzlerin Merkel zeigt einen Realitätsverlust wie einst Helmut Kohl. Foto: dpa
Kanzlerin Merkel zeigt einen Realitätsverlust wie einst Helmut Kohl.Foto: dpa

Deutschland redet sich die Armutszuwanderung schön. Viele freuen sich über jeden Flüchtling, haben aber kein Problem damit, den Nachbarn als fremdenfeindlich zu verunglimpfen, wenn der das etwas anders sieht.

Stuttgart - Müsste man eine Chronologie der Flüchtlingskrise schreiben, würde alles mit einer fast schon historischen Dummheit beginnen: Das Bundesverfassungsgericht kippte 2012 die Regeln zur Versorgung von Asylbewerbern und schuf in Deutschland eine Art Hartz-IV-Anspruch für alle Armen dieser Welt: 1500 Euro netto für eine fünfköpfige Familie, dazu kostenloses Wohnen – das ist das Angebot, das Deutschland seitdem der Welt macht. Kaum hatte sich das herumgesprochen, kamen die Armen vom Balkan, die bis heute fast 40 Prozent aller Asylbewerber ausmachen. Ein Drittel von ihnen kommt mehr als einmal, denn das Angebot ist zu attraktiv, um es ablehnen zu können.

Aber es war nicht nur der Balkan, wo sich das Angebot herumsprach. Geschäftstüchtige Schleuser unterbreiteten es auch anderen Armen dieser Welt. Diese kamen, machten Fotos vom reichen Deutschland und schickten sie zurück in ihre Heimat. Die kostenlose WLAN-Verbindung stellte der deutsche Staat. Und so zogen immer mehr Flüchtlinge immer mehr neue Flüchtlinge nach sich. „Es ist ein Schneeballsystem“, sagt ein Beamter, der den Flüchtlingsstrom managen muss.

Die Flüchtlinge kamen in ein Land, das erstaunlich naiv ist. Liebe deinen Nächsten, heißt es in der Bibel, aber der Deutsche hebt seine Gefühle gern für den Übernächsten auf. Dass die Flüchtlingszahlen erst nach Erhöhung der Bargeldzahlungen in die Höhe schossen, wurde fast kollektiv vergessen. Stattdessen wurden in der öffentlichen Debatte Krieg und Gewalt als feste Gründe installiert, warum die Zahlen steigen. Insbesondere der Bürgerkrieg in Syrien musste als Erklärung herhalten, obwohl von dort bis heute nicht einmal ein Drittel aller Flüchtlinge herkommen und selbst deren Leib und Leben nicht mehr bedroht ist, wenn sie die deutsche Grenze überqueren. Sie kommen, weil es hier am besten ist und viele Landsleute schon da sind.

Deutschland importiert Armut – und die Wirtschaft applaudiert

Aber wenn sich der Deutsche mal etwas eingeredet hat, hört er nicht mehr auf. Die Schleuser wissen darauf zu reagieren. Auf dem Papier kommen immer mehr syrische Flüchtlinge. Dies dürfte vor allem daran liegen, dass der Handel mit gefälschten syrischen Pässen floriert. Syrien gilt inzwischen als Zauberwort, das in Deutschland Türen und Herzen öffnet. Deutschland importiert mit dieser Politik Armut in großem Ausmaß und gefährdet sowohl seine Wettbewerbsfähigkeit als auch seinen Wohlstand.

Aber nicht einmal die Wirtschaftsverbände sagen etwas dagegen, im Gegenteil: Sie begrüßen die Flüchtlinge, hoffen auf billige und willige Arbeitskräfte. Dass höchstens zehn Prozent der Flüchtlinge arbeitsfähig sind, wie dies unlängst Arbeitsministerin Andrea Nahles einräumte, wird ignoriert. Die Wirtschaft nimmt lieber die 10 von 100, als sich Gedanken darüber zu machen, was mit den restlichen 90 passiert. Das ist sehr kurzsichtig. Denn die restlichen 90 werden dem deutschen Staat zur Last fallen und somit die Steuer- und Abgabenlast weiter in die Höhe treiben.

Uns geht es zu gut: Anders lässt sich die Flüchtlingskrise nicht erklären. Eine Krise, die vor allem Deutschland zu verantworten hat. Die Kanzlerin hat sich zur Schutzheiligen aller Flüchtlinge gemacht und damit die Krise verschärft. Damit erinnert Angela Merkel, was das Ausmaß des Realitätsverlusts angeht, an die späten Amtsjahre ihres CDU-Vorgängers Helmut Kohl. Man darf gespannt sein, ob sie aus dieser Nummer wieder herausfindet. Der Flüchtlingsgipfel an diesem Donnerstag wird das Problem wahrscheinlich nicht lösen. Und Merkels Forderung, andere Staaten sollten mehr tun, sind ein Ablenkungsmanöver. Diese Flüchtlingskrise wird erst enden, wenn Deutschland sein großzügiges Angebot an die Armen dieser Welt wieder zurücknimmt.

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