Leinfelden-Echterdingen Neue Ausstellung zeigt Spielkarten mit religiösen Motiven

Von Götz Schultheiss 

Ein antireligiöses Kartenspiel aus der Sowjetunion zeigt den Joker (rechts) als Kapitalist, der als himmlischer Marionettenspieler Kleriker aller Spielarten steuert. Foto: Götz Schultheiss
Ein antireligiöses Kartenspiel aus der Sowjetunion zeigt den Joker (rechts) als Kapitalist, der als himmlischer Marionettenspieler Kleriker aller Spielarten steuert. Foto: Götz Schultheiss

Erbaulich, magisch und immer wieder frivol: So präsentieren sich die Karten in der Ausstellung „Gebetbuch des Teufels oder himmlischer Zeitvertreib?“, die am 15. September im Stadtmuseum in Echterdingen eröffnet.

Echterdingen - Spielkarten mit religiösen Motiven erfreuen oder ärgern die Menschen. „Gebetsbuch des Teufels oder himmlischer Zeitvertreib? – Religiöses auf Spielkarten“ heißt eine Ausstellung des Deutschen Spielkartenmuseums, die am Freitag im Stadtmuseum beginnt. „Die Motive sind zum Teil anrüchig, wie dies bei Spielkarten eben sein darf“, sagte Oberbürgermeister Roland Klenk am Dienstag bei einem Pressegespräch im Museum. Es sei richtig, dass der Gemeinderat beschlossen habe, das Museum zum Schaufenster der Stadt zu machen.

„Das Thema der Ausstellung kann ein Aufreger sein, denn der Teufel und die Religion stehen in einem Spannungsfeld“, sagte Annette Köger, die Leiterin des Spielkartenmuseums. Außerdem spalteten die Karten die Menschen in Freunde des Spiels und Bewahrer der Vernunft: „Das Spiel ist Ausdruck für die Sehnsucht nach Glück. Man kann es sich erspielen oder verlieren.“

Biblische Motive auf Tarot-Karten

Relikte der vergangenen Ausstellung zum 500. Geburtstag der Reformation und deren Spuren auf den Fildern sind Spielkarten mit Motiven von Martin Luther und Karten der katholischen und protestantischen Propaganda. „Bei der Vorbereitung dieser Ausstellung haben wir bemerkt, dass unser Fundus noch weit mehr hergibt“, sagte Annette Köger. Die neue Ausstellung präsentiert aber ein weit größeres Feld. Im ersten Stock des Museums geht es neben den erwähnten Reformations-Karten um christliche und antike Symbole auf okkulten Tarot-Karten – vor allem aus Deutschland, Frankreich und Italien. So verbirgt sich hinter dem Motiv „der Turm“ der Turm zu Babel, auf der Karte „Das Gericht“ bläst ein Engel die himmlische Posaune zur Auferstehung der Toten beim Jüngsten Gericht und die „Frau Welt“ als nackte Dame ist von den Symbolen der vier Evangelisten umrahmt.

Erotik mal schelmisch, mal artistisch

Des „Teufels Gebetbuch“ heißt ein Spiel, das der Künstler Dieter Barth in den 1960er Jahren gestaltet hat. In heiterer Weise geht es um menschliche Laster. Die Herzdame reitet splitternackt einen Mann, derweil sie ihn wie eine Domina verprügelt. Der faule, mit entblößtem Oberkörper ruhende Eichel-Ober stürzt aus seiner Hängematte, weil sie ihm der Teufel abschneidet.

Kostbarkeit vom Dach der Welt

Das indische Kamasutra ist dafür bekannt, dass es den größten Spaß zwischen Mann und Frau durch Artistik erschwert. Spielkarten im Erdgeschoss belegen dies. Es sind europäische Tarot-Karten, die sich der Kamasutra-Motive bedienen. Eine echte Kostbarkeit sind Tibetische Spielkarten aus der Ära zwischen 1800 und 1825, als das sogenannte Dach der Welt noch kein Europäer betreten hatte. „Es gibt weltweit nur noch zwei bekannte Exemplare dieses Spiels. Eines liegt in der British Library und das andere in einer Privatsammlung“, sagte Köger.

Die indischen Göttermotive sind nicht wie bei europäischen Spielkarten auf Pappe gedruckt, sondern auf Baumwollblättchen aufgemalt. Ein antireligiöses Kartenspiel stammt aus der Sowjetunion. Auf einer Karte steuert der böse Kapitalist als himmlischer Marionettenspieler diverse Religionsoberhäupter.

Die Ausstellung im Stadtmuseum, Hauptstraße 79, wird am Freitag, 15. September, 18 Uhr, eröffnet. Sie dauert bis einschließlich Sonntag, 28. Januar. Weitere Informationen gibt es unter www.spielkartenmuseum.de.

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