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Langenäcker-Wiesert Kein Kauz im Baugebiet

Chris Lederer, vom 03.02.2012 12:55 Uhr
Das geplante Wohngebiet Langenäcker-Wiesert (rot umrandet) ist 8,8 Hektar groß. Im rot umrandeten Gebiet sollen rund 320 Wohneinheiten entstehen. Foto: Stadt Stuttgart
Das geplante Wohngebiet Langenäcker-Wiesert (rot umrandet) ist 8,8 Hektar groß. Im rot umrandeten Gebiet sollen rund 320 Wohneinheiten entstehen. Foto: Stadt Stuttgart

Stammheim - Das Gebiet im Stammheimer Osten, grenzt an die Herbertstraße und ist fast so groß wie neun Fußballfelder: Dort liegen Äcker, Wiesen und Kleingärten, im Sommer summen die Bienen, Vögel zwitschern. Dennoch hat die Mehrheit im Stuttgarter Gemeinderat beschlossen, dass dort 300 bis 320 Wohnungen gebaut werden sollen. Das war vor neun Jahren.

Gebaut worden ist noch immer nicht. Aus mehreren Gründen: Zunächst wollte die Stadt, dass sich die Grundstückseigentümer freiwillig an einem Grundstückstausch beteiligen. Das wollten nicht alle. So wurde aus der so genannten freiwilligen Umlegung eine amtliche und der Druck auf die Eigentümer erhöht. Mit Erfolg: „Jeder hat ein Zuteilungsprotokoll unterschrieben, dass ihm zusichert, dass er einen Bauplatz erhält, beziehungsweise einen Anspruch darauf hat“, sagte Alexander Pazerat vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung (AfSS). Das war vor anderthalb Jahren.

Dem Ruf des Steinkauzes folgt das Gutachten

Dann folgte der Ruf des Steinkauzes. Den hatte die Stammheimer Grünen-Bezirksbeirätin Petra Bonnet im Sommer 2010 vernommen und daraufhin den Naturschutzbund (Nabu) informiert. Dessen zweiter Vorsitzender machte sich auf ins Gebiet, um sich nach dem Tier umzuschauen. Er habe das Tier mit eigenen Augen gesehen, womöglich „ein Jungtier auf Reviersuche“. Der Nabu forderte von der Stadt eine Nacherfassung, ob sich Exemplare der bedrohten Eulenart tatsächlich im Gebiet finden. Obwohl es in den Jahren 2005 und 2007 Untersuchungen zu Fauna und Flora gegeben hat, wurde für 2011 ein weiteres Gutachten in Auftrag gegeben.

Das Ergebnis liegt nun vor: „Es ist kein Nachweis auf den Steinkauz gelungen“, sagt Hermann Degen, der beim AfSS für Grünplanung zuständig ist. „Es wurden nach den üblichen Standards an mehreren Tagen zu verschiedenen Zeiten Durchgänge im Gebiet gemacht und gezielt nach der Vogelart gesucht.“ Ohne Erfolg. Dass es im Gebiet andere bedrohte Tierarten gibt, ist nicht neu. „Es gibt 77 verschiedene Wildbienenarten im Gebiet, darunter hoch spezialisierte wie die geriefte Schmalbiene oder eine seltene Sandbienenart“, sagt Degen. Sie seien im Arten- und Biotopschutzprogramm des Landes als besonders schützenswert eingestuft. Während für den Naturschutzbund die geplante Bebauung einer Katastrophe gleichkommt, ist Degen überzeugt, dass Vorkehrungen getroffen werden können, um den Belangen des Artenschutzes gerecht zu werden.

Es soll so schnell wie möglich weitergehen

„Viele Bienen werden in dem Baugebiet ihren Lebensraum verlieren, es wird aber eine zentrale, große Grünfläche geben, wo wir durch bestimmte Pflanzenarten und die Gestaltung des Geländes alternativen Lebensraum schaffen können.“ Die Gutachter gehen in ihrer Empfehlung davon aus, dass der Bestand der Bienen trotz Bebauung dauerhaft gesichert werden könne. „Wir kommen dieser Empfehlung nach.“ Die Ergebnisse des neuerlichen Gutachtens werden nun in die Planungsunterlagen eingearbeitet. „Sobald der Umweltbericht in trockenen Tüchern ist, werden wir den Auslegungsbeschluss vorbereiten und damit in die zuständigen, politischen Gremien gehen“, sagt Degens Kollege Karl-Theo Maurer. „Und zwar so schnell wie möglich.“ Nachdem die Bezirksbeiräte und die Stadträte über die Vorlage beraten haben, können Bürger und Verbände ihre Kritik erneut einbringen. Erst dann wird der endgültige Beschluss, der Satzungsbeschluss vorbereitet, behandelt und gegebenenfalls verabschiedet.

Kommentare (4)
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FEB
23
19:20 Uhr, geschrieben von Ralf Maier
Lieber EchoRomeo
Ich gehe mal davon aus, dass Sie weder in Stammheim wohnen, noch von dem neuen und vollkommen überflüssigen Baugebiet "Langenäcker-Wiesert" betroffen sein werden. Wozu wird dort gebaut? Um günstigen Wohnraum für junge Familien zu bauen? Nein, denn erst vor kurzem hat die Stadt Stuttgart sich vom Nebengebäude der Grund- und Hauptschule Stammheim verabschiedet, weil selbst dann der Bedarf für dieses Gebäude nicht mehr besteht, wenn das Neubaugebiet gebaut wird. Wohnraum für sozial schwache Menschen? Auch nicht, denn die wohnen in der Regel nicht in solchen Häusern, und der Sozialwohnungsanteil wird bei Langenäcker-Wiesert bei 10 Prozent liegen, wie bei allen Neubaugebieten. Was also ist es dann? Richtig. Hier werden Abschreibungsmodelle für Freiberufler gebaut. Nicht mehr und nicht weniger. Und warum sollten die Anwohner dieses Baugebietes und alle die, die dieses Areal seit Jahrzehnten als Naherholungsgebiet nutzen (insbesondere die älteren Bürgerinnen und Bürger in der "Eisenbahnersiedlung" an der Eglosheimer/Ottmarsheimer Straße), die vielen Hundebesitzer aus Stammheim und Zuffenhausen, die vielen Abendspaziergänger auf dieses Idyll verzichten, wo es doch keinerlei Nutzen hat? Weder gibt es in Stammheim zu wenig Wohnraum, noch gehört irgendeine sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppe zu den Nutznießern, einzig und allein diejenigen, die sich auch sonst auf Kosten der Allgemeinheit die Taschen vollstopfen, werden sich auch heuer wieder auf den warmen Segen freuen! Und das hat mit "Öko-Terror" oder dergleichen nicht zu tun. Das ist das legitime Recht der Bürger, ihre berechtigten Anliegen vorzubringen. Man nennt das Demokratie, nur, falls Ihnen der Begriff bislang nicht geläufig ist!r
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FEB
03
22:13 Uhr, geschrieben von Christian Storr
Grün kaputt
Angeblich gibt es ja, zumindest auf Landesebene, das politische Ziel, der ständigen Versiegelung unbebauter Flächen den Kampf anzusagen. Die Realität sieht aber ganz anders aus: Überall wird zugebaut, Grünflächen verschwinden, Biotope werden zerstört. Immer neue Wohngebiete, Einkaufszentren, Gewerbegebiete, Mehrzweckhallen , Umgehungsstraßen usw. Verdichtung nennt man das dann. Am Reißbrett entworfene Pseudo-Natur-Käfige sollen dann Ersatz bieten. Wie lächerlich. Die Regenwälder sollen gefälligst erhalten bleiben! Was schert uns die Natur vor unserer eigenen Türe ...
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FEB
03
21:58 Uhr, geschrieben von Roland Adam
Sicherlich
Die Bienen werden solange bis ein neues Lebenshabitat entstanden ist in Warteschleife sich begeben --und wenns zu lange dauert in totenstarre wechseln . hier ein baugebiet -da ein baugebiet --immer weiter so ---sicher für sich gesehen ein kleines gebiet -aber die masse an kleinen gebieten macht es eben aus --und dementsprechend ist weitblick gefordert Nur nicht wundern wenn wir immer weniger Pflanzenbestaeuber haben ---erste Klagen von Obstbauern diesbezüglich gibt es ja schon -- Mediathek / Filme/ Pressetexte - Seite 10 www.imkerforum.de/showthread.php?t=19255&page=10Im Cache Sie geben hierfür öffentlich +1. Rückgängig machen 5 Beiträge - 3 Autoren - 6. Nov. 2011 Obstbauern klagen über Ernteverluste, denn zu wenige Blüten wurden bestäubt. Wo sind die Bienen geblieben? ... was noch zu retten ist. Im zweiten Teil geht es um den "Untergang der Bienen". Irgendetwas ist ja immer
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