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KZ-Gedenkstätte Mahnmal-Einweihung ohne NPD-Mann

Birgit Klein , vom 31.05.2010 19:20 Uhr
Gäufeldens Bürgermeister Johannes Buchter in der KZ-Gedenkstätte Foto: Wagner
Gäufeldens Bürgermeister Johannes Buchter in der KZ-Gedenkstätte Foto: Wagner
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Gäufelden - Gäufeldens Bürgermeister Johannes Buchter hat seine Meinung geändert: Er will den Böblinger NPD-Kreisrat Janus Nowak nicht bei der Einweihung der KZ-Gedenkstätte Hailfingen/Tailfingen am kommenden Sonntag dabeihaben und hat ihn wieder ausgeladen. Nowak will trotzdem kommen.

Der Sinneswandel von Johannes Buchter kam buchstäblich über Nacht. Noch am Donnerstag voriger Woche verteidigte Gäufeldens Bürgermeister (Grüne) bei der Vorabführung für Pressevertreter durch das KZ-Dokumentationszentrum im Alten Rathaus von Gäufelden-Tailfingen seine Einladung für NPD-Kreisrat Janus Nowak. Der Landkreis Böblingen und die Nachbargemeinden haben 37.000 Euro für das etwa 200.000 Euro teure Dokumentationszentrum im Tailfinger Rathaus gespendet. Deshalb seien automatisch alle Kreisräte zur Einweihung eingeladen worden, erklärte Buchter - auch Nowak. Am Tag darauf lud er den NPD-Mann wieder aus.

Was war passiert? Er habe am Freitag Nowaks Text über das Dokumentationszentrum und das Mahnmal im benachbarten Rottenburg-Hailfingen auf der Homepage der NPD genauer studiert, so der Rathauschef. Er gibt zu, "die Brisanz des Eintrags" falsch eingeschätzt zu haben, der inzwischen auch der Stuttgarter Staatsanwaltschaft vorliegt. Dass die Kommune als Handlanger der sogenannten "Holocaust-Industrie" bezeichnet wurde, die aus dem Gedenken an die Judenvernichtung der Nazis Kapital schlage, und die jüdischen Häftlinge der KZ-Außenstelle auf dem Militärflughafen als "Kriegsgefangene", war Buchter zu viel. Er lud Nowak per E-Mail am Freitagnachmittag aus.

"Die Sache ist noch nicht ausgestanden"

"Das Schreiben hab' ich noch nicht", sagt der NPD-Kreisrat dagegen am Montagmittag gegenüber unserer Zeitung. Dass er nicht willkommen ist bei dem Festakt mit Überlebenden des Lagers am Sonntag, war aber schon zu ihm durchgedrungen. "Ich hatte keine Provokation vor Ort geplant", beteuert Nowak, "ich hätte die Opfer nicht verhöhnt." Doch im Nachhinein wollte er die Veranstaltung kommentieren. Trotz der offiziellen und persönlichen Ausladung will der NPD-Mann, der seit der Kommunalwahl vergangenes Jahr im Böblinger Kreistag sitzt, am Sonntag nach Gäufelden kommen. Und zwar alleine: "Die Sache ist noch nicht ausgestanden."

Die Polizei reagiert gelassen auf die bevorstehende Einweihung der Gedenkstätte. "Wir wollen keine Polizeiveranstaltung daraus machen", sagt Frank Natterer, Sprecher der Polizeidirektion Böblingen. Beamte der Böblinger und der Tübinger Direktion "werten vorab einschlägige Foren aus" und werden kurzfristig über den Einsatz am Sonntag entscheiden.

Birgit Kipfer ist über Buchters Entscheidung "erleichtert", die er "ohne mein Zutun" getroffen habe, betont die ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete und Koordinatorin der Sektion Böblingen-Herrenberg-Tübingen des Vereins Gegen Vergessen - Für Demokratie. Der Verein hat maßgeblichen Anteil an der Realisierung der Gedenkstätte. "Jetzt können wir uns auf das eigentliche Ereignis konzentrierten", so Kipfer.

Kommentare (5)
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JUN
01
19:42 Uhr, geschrieben von Andie
Vor allem ...
... sollte es wohl eine Ein"weihung" sein. Und jemand der dem Gedankengut nahesteht, dass der Holocaust ein Lüge ist und niemals in dem Maße stattgefunden haben soll wie es aber durch unendliche Beweise nun einmal Fakt ist, hat auf einer Einweihung für eine Gedenkstätte die eben dies nicht als Lüge abtut, und sowas nicht in Vergessenheit geraten lassen möchte nichts, aber auch gar nichts verloren. Wenn er diesem neo-nazi Gedankengut nicht nahesteht, sollte Herr Nowak die Partei wechseln. Dann gibt's auch keine Missverständnisse mehr.
JUN
01
16:42 Uhr, geschrieben von Geh denken!
Ich bin schon einigermaßen irritiert
über das, was ich hier lesen muss. Da wird von Heinz D. Trost geschrieben, dass es "eine Schande für unser Land" ist, wenn ein NPD-Mann (!!) von einem Festakt ausgeladen wird, bei dem eine KZ-Gedenkstätte eingeweiht werden soll. Der eigentliche Skandal ist meiner Ansicht nach, dass er überhaupt eingeladen wurde. Gut, der Mann wurde gewählt und ist somit - leider - ein demokratisch legitimierter Mandatsträger. Ein Blick auf die Homepage der NPD jedoch lässt keinen Zweifel daran zu, wes kranken Geistes dieser Mann ist. Dass man so einen nicht auf einer Feier haben möchte, auf der eine KZ-Gedenkstätte eingeweiht werden soll ist nur nachvollziehbar. Bürgermeister Buchter ist für diese Entscheidung wärmstens zu danken und zu gratulieren. Noch viel fragwürdiger als die "Schande für unser Land" finde ich den Einwurf von Thomas Melber, der mal eben ganz elegant die Opfer des Naziterrors (Zitat: "Offenbar hat man vergessen, wie seinerzeit mit mißliebigen Abgeordneten und Bürgern umgegangen wurde.") mit einem Neonazi-Kreisrat in einen Topf wirft. Das ist schlicht geschmacklos. Waren in der Nazi-Zeit alle Menschen ihres Lebens nicht mehr sicher, die auch nur gewagt haben, laut zu denken (von denen, die ganz offensichtlich nicht ins irre Rassenraster der Nazis gepasst haben, einmal abgesehen!!) IHRES LEBENS NICHT MEHR SICHER SEIN KONNTEN, so verpasst der Neonazi Nowak höchstens Sekt und Schnittchen! Nein, mein Mitgefühl für Herrn Nowak hält sich in sehr, sehr engen Grenzen, um nicht zu sagen, es ist überhaupt nicht vorhanden - meine Hochachtung vor denen, die es erfolgreich verhindert haben, dass den anwesenden Überlebenden und Angehörigen von Opfern des Nazi-Terrors der Anblick dieses Mannes hoffentlich erspart bleibt, kennt hingegen keine Grenzen! Leider ist es inzwischen wieder so, dass man in Deutschland um seine Sicherheit besorgt sein muss, wenn man sich offen und namentlich gegen braunes Gedankengut ausspricht, weshalb ich es vorziehe, anonym zu bleiben.
JUN
01
11:34 Uhr, geschrieben von Anonymer Benutzer
apropos nsdap und npd
"Die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) ist eine 1964 gegründete deutsche, extrem nationalistische Partei. Sie vertritt eine völkische und revanchistische Ideologie, die programmatisch und sprachlich der NSDAP eng verwandt ist.[5] Die Partei wird vom Bundesamt für Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft." http://de.wikipedia.org/wiki/Nationaldemokratische_Partei_Deutschlands _________________________________________________________ "Neonazis sind mittlerweile in fast der Hälfte der Landesverbände der NPD oder ihrer Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“ (JN) in den Vorständen vertreten, mancherorts sogar als Vorsitzende" http://www.verfassungsschutz.de/de/publikationen/verfassungsschutzbericht/vsbericht_2006/vsbericht_2006.pdf "Die NPD versucht strategisch den Rechts-links-Gegensatz in einen angeblichen Kampf „unten gegen oben“ zu transformieren – gegen eine „korrupte Bonzokratie“ 8. Dazu entwirft sie eine Argumentationsfigur mit Leit- und Feindbild, die in einem unauflöslichen Zusammenhang stehen: einerseits die „Volksgemeinschaft“ und andererseits ihre Antipoden, die demokratischen Parteien, „Finanzkapitalisten“, Ausländer, Fremde und alles überwölbend die USA, Israel und „die Juden“." http://www.verfassungsschutz.de/de/publikationen/pb_rechtsextremismus/broschure_2_0803_npd_gravitationsfeld/thema_0612_npd_gravitationsfeld.pdf _________________________________________________________ und jetzt verlange ich ein ethnisch vertretbares Argument dafür, das ein NPDler an einer solchen Gedämkstätteneinweihung teilnehmen darf! Demokratie ist wichtig, diese zu schützen jedoch noch mehr! (Und nein , hier schreibt kein 'linker-vermummter-autonomer', sondern ein Mensch! )
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