Korntal Gewaltverbrecher sollen vom Schild

Von Birgit Klein 

 Foto: Hörner
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Die Stadt Korntal-Münchingen will umstrittene Kolonialpolitiker wie Carl Peters und Hermann Wissmann aus dem Straßenverzeichnis streichen.

Korntal-Münchingen - Die Stadt Korntal-Münchingen will umstrittene Kolonialpolitiker wie Carl Peters und Hermann Wissmann aus dem Straßenverzeichnis streichen. Weil eine Adressänderung die Anwohner aber Zeit und Geld kostet, regt sich Widerstand, zumal es keine Finanzspritze von der Stadt geben wird.

Es ist bereits der dritte Anlauf der Stadtverwaltung, Carl Peters vom Straßenschild zu heben. In den 1980er und in den 1990er Jahren konnten sich die Sozialdemokraten nicht mit einem entsprechenden Antrag durchsetzen. Jetzt geht die Initiative von Bürgermeister Joachim Wolf aus, den Namen des rassistischen und brutalen Gründers von Deutsch-Ostafrika Peters (1856-1919) aus dem Straßenverzeichnis zu tilgen. Daraus soll auch der Afrikaforscher Hermann Wissmann (1853-1905) verschwinden, der als Erster Afrika von West nach Ost durchquert hatte. Wissmann ging mit den Einheimischen nicht zimperlich um, er ließ sie erschießen oder setzte das Gewehr selbst an und gab den Befehl, eroberte Ortschaften zu plündern.

"Auf das Konto von Peters und Wissmann gehen keine Kavaliersdelikte, sondern Gewaltverbrechen", betont Wolf. Für sein Vorhaben wollte er sich in der letzten Gemeinderatssitzung Ende 2009 die Mehrheit sichern. Doch die CDU stellte einen Antrag, die Entscheidung zu vertagen und erst die Anwohner über die Vergangenheit von Peters und Wissmann zu informieren. Das soll nun am 19. Januar ab 18 Uhr im Korntaler Feuerwehrhaus geschehen. Mit dem Informationsabend für die Anwohner will der Rathauschef ihre "Anliegen mehr berücksichtigen".

Doch nicht alle sind begeistert vom Vorstoß des Bürgermeisters. Denn die Namensänderung würde die Betroffenen Zeit und Geld kosten. Ausgaben, die nur Vermieter und Unternehmer beim Finanzamt geltend machen könnten, erklärt die Reutlinger Steuerberaterin Ingeborg Zeljak. Reinhold Siegle, Chef des Straßenbauunternehmens Ludwig Siegle und Söhne, etwa rechnet mit mehreren tausend Euro, die er für neue Plakate und die Änderung des Schriftzugs auf den Maschinen und Container ausgeben müsste. Er ist gegen eine Umbenennung der Carl-Peters-Straße: "Das ist so lange her."

Der Spiele-Erfinder Wolfgang Kramer etwa, der ebenfalls in der Carl-Peters-Straße wohnt, müsste rund 200 Geschäftspartner anschreiben. Der Aufwand "wäre nicht unerheblich". Ihm bleibt das Prozedere jedoch erspart - aber nur deshalb, weil er noch im März nach 35 Jahren aus Korntal wegzieht. "Peters war kein Vorbild", sagt Kramer, fragt sich aber, "ob wir heute nicht andere Probleme haben, die wir anpacken sollten wie Obdachlosigkeit und Kinderarmut".

Jürgen Gurth sieht das ähnlich. Er lebt seit 1977 in der Korntaler Carl-Peters-Straße. Als er damals dorthin zog, sagte ihm der Name Peters überhaupt nichts: "Ich hab' gar nicht gewusst, wer das ist." Inzwischen weiß er es. Gurth wird in jedem Fall zu dem Informationsabend gehen.

Dort will die Stadt ihre Beweggründe für die Umbenennung der Straßen erläutern und darlegen, wie sie den Anwohnern helfen wird. Gebühren für Änderungen im Grundbuch fallen nach Angaben von Wolf nicht an. In der Verwaltung wird ein Mitarbeiter als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Er macht - wenn gewünscht - sogar Hausbesuche. Eines stellt der Bürgermeister aber schon jetzt klar: "Kosten können wir jedoch nicht übernehmen."

Das war in Bietigheim-Bissingen anders. Die Stadt entschädigte Anfang vergangenen Jahres 21 Haushalte mit jeweils 100 Euro. Sie wohnen nicht mehr in der Carl-Peters-Straße, sondern wie von ihnen gewünscht im Eisvogelweg. Auch in Bietigheim waren mehrere Anläufe nötig, um Peters aus dem Stadtplan zu löschen. In Stuttgart-Obertürkheim kämpfte ein Bezirksbeirat mehr als zwei Jahrzehnte dafür, dass die Leutweinstraße einen neuen Namen erhält. Seit 2008 heißt sie Am Weinberg.

In Korntal-Münchingen muss der Gemeinderat in seiner Sitzung im Februar entscheiden, ob Peters und Wissmann von den Straßenschildern gehoben werden. Eine Kommission wird dann nach neuen Namen suchen. Ludwigsburg hingegen wird vorerst noch die Carl-Peters-Straße behalten, dort war ein Antrag der Grünen im Herbst 2008 gescheitert.

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